Infostand der Gruppe Innenstadt
Hunger in Köln und anderswo
Das Kilo Mehl kostete bis zum vergangenen November bei Aldi 25 Cent. Seitdem 45 Cent. Der Zuckerpreis ist von 65 auf 85 Cent gestiegen. Kaffee war im schon im vergangenen September 22 Prozent teurer als vor einem Jahr. Pflanzenöl und Margarine 20 Prozent. Lebensmittelpreise steigen besonders stark.
Besonders unangenehm sind solche Preisanstiege für diejenigen Menschen, die einen größeren Teil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen. Aber Einkommensschwache sind auch stärker von anderen Preiserhöhungen betroffen. Kraftstoffe wurden über das Jahr 11,5 Prozent teurer, Zentralheizung und Fernwärme 8,0 Prozent, Strom 7,3 Prozent und Gas 4,6 Prozent.
Die Armutsquote in Köln ist auf mittlerweile 15,1 Prozent gestiegen. Jeder neunte Kölner ist überschuldet (KStA 8.11.11). Jedes vierte Kind in unserer Stadt ist arm.
Folge: In Köln wird gehungert.
Der Wirtschaftsjournalist Harald Schumann veröffentlichte im vergangenen Oktober den Report „Die Hungermacher. Wie Deutsche Bank, Goldmann Sachs & Co. auf Kosten der Ärmsten mit Lebensmitteln spekulieren“. Darin belegt er, wie Spekulationen die Nahrungsmittelpreise auf dem Weltmarkt beeinflussen.
Über eine Milliarde Menschen auf der Welt hungert. Allein 2010 stiegen die Lebensmittel-preise um ein Drittel. Dadurch wurden mehr als 40 Millionen Menschen zusätzlich in absolute Armut gestürzt. Es gibt aber auch einen anderen Rekord: Bis Ende März 2011 haben Kapital-anleger wie Versicherungen und Pensionsfonds 600 Milliarden Dollar in die von den Investment-banken und Hedgefonds aufgelegten Papiere für Wetten mit Rohstoffen, darunter Mais und Weizen, investiert. Besonders aktiv im Geschäft mit derartigen Rohstoffderivaten ist Goldman Sachs, gefolgt von Merrill Lynch und Deutsche Bank. Die Spekulation mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln ist höchst einträglich. Allein Goldman Sachs machte 2009 mit diesen Geschäften rund 5 Milliarden Dollar Gewinn.
Infolge der Nahrungsmittelspekulation stiegen die Preise für Grundnahrungsmittel explosionsartig an, für Mais seit 2008 um 73%, für Getreide um 110% und für Reis um 64%. Es war der rasante Anstieg der Lebensmittelpreise, der die Menschen in Tunesien und Ägypten auf die Straße trieb. Die korrupten Regierungen wurden gestürzt.
Zu einer Verschärfung der Lage in den Ländern der 3. Welt trägt das Agrardumping der Industrie-staaten bei. Während von den Entwicklungs-ländern verlangt wird, ihre Märkte zu öffnen, subventionierten die Industriestaaten ihre Bauern allein im Jahr 2010 mit 349 Milliarden Dollar. Einheimische Bauern werden so um ihre Existenz gebracht, da sie nicht mit den subventionierten Preisen konkurrieren können. Zweidrittel aller Hungernden sind Bauern.
Der Hunger ist nicht zuletzt eine Folge der Krise. Kapital sucht angesichts der Krise verzweifelt nach Rendite. Es droht die Entwertung. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben alle weltweit produzierten Güter und Dienstleistungen einen Wert von 63 Billionen (= 63 000 Milliarden) Dollar. Dem steht fiktives Kapital – und dazu zählt die Nahrungsmittel-spekulation - in Höhe von 1 643 Billionen Dollar gegenüber (SPIEGEL 34/2011). Das ist das 26fache der Realwirtschaft!
In der gegenwärtigen Schuldenkrise werden die Banken geschont, ihre Gewinne staatlich subven-tioniert. Wir alle sollen das mit Geldentwertung bezahlen. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer (F.A.S. 7.8.11): „Ich sage schon länger, dass man letztlich die Schuldenlast durch einen mäßigen Anstieg der Inflation – sagen wir mal so auf fünf Prozent global – abtragen wird“.
Die großen Banken gehören endlich enteignet und in öffentliche Kontrolle!
Und wo wir gerade hier stehen und unsere Blätter verteilen - Wir fordern weiterhin: Der Waffenladen muß verschwinden! (Es geht das Gerücht, der Laden werde in der Tat bald schließen.)
DKP Köln Innenstadt
www.dkp-koeln.de/ Kontakt:
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V.i.S.d.P.: Stein, Bayenstr. 11, 50678 Köln 21.1.2012

