Pri­va­ti­sie­run­gen und der Kampf dagegen

Kom­mu­nal­be­ra­tung Bezirk Rhein­land – West­fa­len am 15. 6. 2013 in Köln

Re-Kom­­mu­na­­li­­sie­rung

Bericht der AG 3 – Pri­va­ti­sie­run­gen und der Kampf dagegen

Bericht­erstat­ter: Uli Winkel

Pri­va­ti­sie­rung von Ein­rich­tun­gen und Leis­tun­gen der Daseins­vor­sorge ist neben Still­le­gun­gen und Ver­teue­run­gen ein wei­te­rer zen­tra­ler Punkt der Städte und Gemein­den bei der Kos­ten­sen­kung. Pri­va­ti­sie­rung wird auch wei­ter­hin eine Vari­ante der Umver­tei­lung von unten nach oben sein – dies auch und gerade bei der Umset­zung des Fis­kal­pak­tes. Pri­va­ti­sie­rung ist Abbau von staat­li­chen Auf­ga­ben und Leis­tun­gen hin zu pri­va­ten Ser­vice gegen Bezah­lung, die sich ein Teil der Bevöl­ke­rung nicht mehr leis­ten kann. Immer mehr Men­schen haben immer grö­ßere Pro­bleme ihre Bedürf­nisse zu decken.

Erfah­run­gen im Kampf gegen Privatisierung:

  • Infos kom­men oft­mals zu spät
  • Bedin­gun­gen und Kos­ten wer­den nicht offengelegt
  • Ansatz­punkte für Wider­stand wer­den verschleiert

Erfah­rungs­ge­mäß wird bei den Kom­mu­nen durch Pri­va­ti­sie­rung kein Geld gespart. Es gibt Ver­träge, in denen sich Kom­mu­nen zur Zah­lung von Zuschüs­sen an die neuen Eigen­tü­mer ver­pflich­ten, falls bei der Über­nahme von kom­mu­na­len Auf­ga­ben (Ver- und Ent­sor­gung, ÖPNV, usw.) die Gewinn­erwar­tun­gen nicht erfüllt werden.

Wir ste­hen zur For­de­rung nach Re-Kom­mu­na­li­sie­rung,
aber die Bedin­gun­gen müs­sen klar sein.

Re-Kom­mu­na­li­sie­rung à la RWE im Ener­gie­be­reich (Stadt­werke):: Anteil der Kom­mu­nen erhöht sich von 21% auf 49%. RWE redu­ziert die eige­nen Anteile von 79% auf 51%, behält damit aber die Mehr­heit und die ent­spre­chen­den Macht­po­si­tio­nen. Das Ganze lässt sich RWE von den Kom­mu­nen mit 75 Mil­lio­nen Euro bezahlen.

Als Lehr­bei­spiel wie ein funk­tio­nie­ren­des kom­mu­na­les Unter­neh­men nach dem Motto »Pri­vat vor Staat« pri­va­ti­siert, aus­ge­plün­dert und aus­ge­schlach­tet wird, sind die Ver­kehrs­be­triebe West­fa­len Süd (VWS) in Sie­gen. Trotz hef­ti­ger Pro­teste von Beleg­schaft (ca.200) und Teile der Bevöl­ke­rung wurde das bis dahin gesunde Unter­neh­men – nomi­nel­ler Wert ca. 20 Mo. Euro (liquide Finanz­mit­tel, Sach­ver­mö­gen, wie Fahr­zeuge, Wagen­hal­len und sons­tige Immo­bi­lien) – zum Kauf angeboten.

Konferenzraum mit Teilnehmern.

Nach eini­gem Hin und Her lan­de­ten die VWS 2005 bei den Bon­ner Stadt­wer­ken zum Schleu­der­preis von 3,3 Mil­lio­nen Euro. Bei Unter­zeich­nung des Kauf­ver­tra­ges wurde der Beleg­schaft schon ange­droht, wo die Reise hin­ge­hen sollte.(»Restrukturierung wird Blut, Schweiß und Trä­nen kos­ten«). Das mit den Bon­ner Stadt­wer­ken war nur ein kur­zes Inter­mezzo. Im Jahre 2009 wur­den die VWS für 4,6 Mil­lio­nen Euro an den welt­weit agie­ren­den fran­zö­si­schen Ver­kehrs­kon­zern Trans­dev (Betrei­ber der Pari­ser Metro) wei­ter gereicht. Die Beleg­schaft war mit Ver­schlech­te­rung der Arbeits­be­din­gun­gen, Abstri­che bei der Ent­loh­nung und mit unsi­che­ren Arbeits­plät­zen kon­fron­tiert. Die Benut­zer der VWS hat­ten es mit Anhe­bung der Fahr­preise, Ver­schlech­te­run­gen bei Ser­vice und Leis­tun­gen zu tun. Bei Schü­ler-und Stu­die­ren­den­ver­kehr herrsch­ten beson­ders skan­da­löse Zustände. Im Juli 2012 wurde bekannt, dass sich Trans­dev von den VWS tren­nen will. Von täg­li­chen Ver­lus­ten in vier­stel­li­ger Höhe war die Rede.

Die »Filet­stü­cke« der VWS waren zu die­sem Zeit­punkt bereits aus­ge­schlach­tet, Wagen­hal­len, Ver­wal­tungs­ge­bäude und andere Immo­bi­lien ver­kauft und de Erlöse ein­ge­sackt. Von den 120 Bus­sen sind etwa die Hälfte repa­ra­tur­be­dürf­tig. Ende 2012 tritt eine »Wern-Group« aus Sie­gen als neuer Besit­zer in Erschei­nung. Hier­bei han­delt es sich um den Zusam­men­schluss eines Rei­se­bus-Unter­neh­mens und einem Omni­bus-Gebrauchs­wa­gen Cen­ter. Die DKP Sie­gen hat die Miss­stände mit ihrem Info-Blatt »Sie­gen Kon­kret« auf­ge­deckt und öffent­lich gemacht. Sie for­dert nicht nur Re-Kom­mu­na­li­sie­rung, son­dern ein Kon­zept für die kurz­fris­tige »Rück­füh­rung« in dem Ver­luste, und Ver­ant­wort­lich­kei­ten benannt wer­den und das Bei­spiel VWS der Beweis für das Schei­tern von »Pri­vat vor Staat« ist. (siehe auch dkpsiegen.blogsport.de).

Neben der For­de­rung nach Re-Kom­mu­na­li­sie­rung unter­streicht die DKP ihre grund­sätz­li­che Haltung:

  • Wir wen­den uns gegen jeg­li­che Pri­va­ti­sie­rung von öffent­li­chem Eigentums
  • Öffent­li­ches Eigen­tum ist ein wich­ti­ges Instru­ment zur Daseins­vor­sorge der Menschen.
  • Pri­va­ti­sie­rung von öffent­li­chem Eigen­tum ist Ent­eig­nung der Bevölkerung