Reker/Ott ergänzt

Jochen Ott:
 „Köln wird schnel­ler vor­wärts kom­men“
„Die Klei­nen sind für mich die Größ­ten“
„Ich setze gute Ideen um – Mit den Par­teien und der Bür­ger­schaft“
„Wenn Köln mal frei hat, braucht’s auch Raum“
„Köln liegt nicht nur links vom Rhein“
„Ott über­zeugt“
Hen­ri­ette Reker:
„Vom Veedel bis zur Metro­pole: Köln gemein­sam pla­nen“
„Vom Hand­werk bis High­tech: Per­spek­ti­ven für Arbeit und Wirt­schaft“
„Von unse­ren Stra­ßen bis zum Grün­gür­tel: Köln pfle­gen“
«Von der Kita bis in die Aus­bil­dung: In unsere Zukunft investieren»

„Vom Stra­ßen­fest bis zur Opern­pre­miere: Unsere Kul­tur wert­schät­zen.“
„Erfah­ren, kom­pe­tent und unab­hän­gig – Ver­än­de­run­gen für Köln – erste Ober­bür­ger­meis­te­rin für Köln“
Die Aus­sa­gen auf den Pla­ka­ten sind nichts­sa­gend – mal abge­se­hen von der Real­sa­tire mit der Opern­pre­miere.
Beide Kan­di­da­ten ver­mei­den poli­ti­sche Inhalte. Köln wird von sozia­len Gegen­sät­zen zer­ris­sen. Aber in der Pla­kat­wer­bung von Ott und Reker herrscht Idylle. Es fehlt nicht nur das Pro­blem der Woh­nungs­not. Bei der Kom­mu­nal­wahl hatte sich dazu noch jede Par­tei geäu­ßert. Jetzt kein Wort dazu. Dabei sinkt die Zahl der Sozi­al­woh­nun­gen ste­tig, die Bau­tä­tig­keit ins­ge­samt bleibt immer wei­ter hin­ter dem Bedarf zurück. Zwar hatte der Köl­ner Stadt­rat im Dezem­ber 2013 drei woh­nungs­po­li­ti­sche Maß­nah­men beschlos­sen. Es soll­ten Milieu­schutz­sat­zun­gen erstellt wer­den und mit dem „Koope­ra­ti­ven Bau­land­mo­dell“ und einem Son­der­pro­gramm „Bezahl­ba­ren Wohn­raum sichern“ der Soziale Woh­nungs­bua geför­dert wer­den. Städ­ti­sche wie über­haupt öffent­li­che För­de­rung ver­pufft aber und sorgt allen­falls für Mit­nah­me­ef­fekte bei den Bau­her­ren. Die Stadt ver­fehlt alle­mal ihr Ziel von jähr­lich 1.000 neuen geför­der­ter Miet­woh­nun­gen. In Köln kommt es wei­ter­hin zu Zwangs­räu­mun­gen, weil die Mie­ten stän­dig stei­gen. Die Net­to­kalt­miete für eine Drei-Zim­mer-Woh­nung mit circa 70 m² kos­tete im Jahr 2006 8,50 Euro pro m², im Jahr 2014 schon 11,30 Euro, das ist eine Stei­ge­rung um ein Drit­tel.  
Jede fünfte Köl­ne­rin, bzw. Köl­ner ist arm. Die Armuts­quote bei den Kin­dern erreicht fast 25%. Jeder zehnte Köl­ner ist über­schul­det. Wie wol­len die OB-Kan­di­da­ten Reker und Ott damit umge­hen? Davon kein Wort.
Was ist die Per­spek­tive der städ­ti­schen Finan­zen? Regel­mä­ßig wird der hohe Schul­den­stand beklagt, täg­lich zahlt die Stadt 750 000 Euro an Zin­sen und Til­gung – dabei sind in die­ser Summe  noch nicht die Kre­dite berück­sich­tigt, die in städ­ti­sche Betrie­ben aus­ge­la­gert sind. Es erschei­nen immer nur die im Stadt­haus­halt: 2,7 Mrd, ins­ge­samt sind es aber 6,7 Mrd Schul­den, fast 7000 Euro pro Ein­woh­ner, für die regel­mä­ßig Zin­sen auf­ge­bracht wer­den müs­sen. Immer wie­der wer­den Kür­zungs­maß­nah­men, ins­be­son­dere bei den soge­nann­ten frei­wil­li­gen Aus­ga­ben, also Sozia­les, Kul­tur und Sport ange­droht und umge­setzt. Im OB-Wahl­kampf wird dar­über geschwie­gen. Tat­säch­lich ist der hohe Schul­den­stand kein Sach­zwang, son­dern Aus­druck der gewoll­ten Unter­fi­nan­zie­rung der Städte und Gemein­den, die durch die im Zuge des Fis­kal­pakts ins Grund­ge­setz ein­ge­fügte Schul­den­bremse noch ver­stärkt wird. Die Kom­mu­nen kom­men damit für die soge­nann­ten Ban­ken­ret­tungs­schirme auf.
Geschwie­gen wird auch über die Grund­stücks- und Immo­bi­li­en­spe­ku­la­tion in der Stadt. Anfang Juli hat die Wup­pertal­ter Staats­an­walt­schaft end­lich Anklage gegen Mana­ger des Bau- und Lie­gen­schafts­be­triebs (BLB) des Lan­des erho­ben. Nach Jah­ren der Recher­che. Betrof­fen waren auch Grund­stücks­ge­schäfte in Köln, durch die mehr­stel­lige Mil­lio­nen­be­träge von zwei Ade­nau­e­ren­keln inner­halb weni­ger Wochen zum Scha­den des Lan­des erwirt­schaf­tet wur­den – es han­delt sich in die­sem Fall um die soge­nann­ten Dom­gär­ten. Aus dem Umzug der Fach­hoch­schule aus Deutz ins Bay­en­tal wurde nichts. Dage­gen ist der Platz sehr gut geeig­net für den Bau von Geschoss­woh­nun­gen, die  öffent­lich finan­ziert und ver­wal­tet und, falls sie in öffent­li­chem Eigen­tum blei­ben, güns­tig ver­mie­tet wer­den kön­nen. Dafür plä­die­ren wir.
Auch ein Grund­stück am Poli­zei­prä­si­dium ist im Fokus von Lan­des­rech­nungs­hof und Staats­an­walt, nach­dem der BLB dort Geschäfte gemacht hat.
Gegen­wär­tig wirbt die Stadt­spitze für die geplante neue Muse­ums­land­schaft um den Ron­cal­li­platz, wäh­rend sich Immo­bi­li­en­haie schon auf das in der Folge frei wer­dende Zeug­haus freuen.
Beide Kan­di­da­ten las­sen uns über ihre Poli­tik im Unkla­ren. Offen­bar wür­den klare Aus­sa­gen Sym­pa­thien kos­ten. Sie wis­sen offen­bar jetzt schon, daß sie gegen die Mehr­heit der Köl­ne­rin­nen und Köl­ner zu regie­ren haben.
Beide Kan­di­da­ten sind Teil des Sys­tems, das es nicht schafft, in Köln Bau­pro­jekte hin­sicht­lich der Pla­nung (Qua­li­tät, Kos­ten und Ter­min­set­zung) im Ruder zu hal­ten. Weder beim U‑Bahn-Bau, noch bei der Oper, noch bei der Ver­sen­kung des Stadt­ar­chivs ist ihnen weder der Mut, noch auch nur die Absicht zuzu­trauen, die Ver­ant­wort­li­chen in der Ver­wal­tung und ihre „Ver­trags­part­ner“ aus der Wirt­schaft zur Rechen­schaft zu zie­hen.
Vor sechs Jah­ren, am 3. März 2009 stürzte das his­to­ri­sche Archiv der Stadt Köln ein und riss Teile von benach­bar­ten Wohn­häu­sern mit in die Tiefe. Zwei Men­schen star­ben in den Trüm­mern, 47 ver­lo­ren ihre Woh­nung. Und eines der wich­tigs­ten Archive nörd­lich der Alpen wurde zer­stört.
Als Inter­es­sen­ten und Pro­fi­teure des U‑Bahn-Baus blei­ben nur die ins­be­son­dere von CDU und FDP ange­him­mel­ten pri­va­ten Inves­to­ren. Zu den unmit­tel­ba­ren Bau­kos­ten von bis­her 1,3 Mil­li­ar­den Euro – die ursprüng­li­chen Pla­nungs­kos­ten lagen bei 562 Mil­lio­nen Euro – kom­men fol­gende Kos­ten: Neu­bau des Archivs, Kos­ten für Auf­räum­ar­bei­ten, Scha­dens­be­sei­ti­gung, Ret­tungs­maß­nah­men –  das umstrit­tene Beweis­si­che­rungs­bau­werk kos­tete über 20 Mil­lio­nen Euro – sowie die Unter­hal­tungs­kos­ten für die auf­wen­dige U‑Bahn-Anlage.
All dies muss über Kre­dite finan­ziert wer­den, durch die Stadt Köln und die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Die Zin­sen dürf­ten die Kos­ten noch­mals ver­dop­peln. Die bis­he­ri­gen Gesamt­schät­zun­gen aller Schä­den gehen über eine Mil­li­arde Euro hin­aus.
Eines ist klar: Ohne den Bau der Nord-Süd-U-Bahn wäre die Kata­stro­phe nicht pas­siert. Doch wer genau ver­ant­wort­lich ist, dar­über wird seit sechs Jah­ren gestrit­ten. Die Stadt Köln und die Köl­ner Ver­kehrs­be­triebe (KVB) gehen von einer defek­ten Schlitz­wand aus, für die sie die Bau­fir­men ver­ant­wort­lich machen. Die Fir­men unter der Feder­füh­rung von Bil­fin­ger-Ber­ger wer­fen der Stadt und der KVB Pla­nungs­feh­ler vor. Auf bei­den Sei­ten wer­den teure Gut­ach­ter beauf­tragt, denn in dem Zivil­pro­zess geht es um einen Scha­dens­er­satz in Mil­li­ar­den­höhe. Die­ser Pro­zess wird, wenn er durch alle Instan­zen geht, noch fünf bis sechs Jahre dau­ern, bis er vor den Bun­des­ge­richts­hof kommt. Bis dahin ist nicht ein­mal sicher, ob Bil­fin­ger & Ber­ger in die­ser Form als Bau­kon­zern noch exis­tiert.
Die Köl­ner Messe ist tief in die roten Zah­len gerutscht. Auch, weil die Stadt Köln dem Oppen­heim-Esch-Fonds eine viel zu hohe Miete über­weist. Das Geschäft gilt als rechts­wid­rig, doch die Stadt zahlt wei­ter.
Die Bilanz ist erschüt­ternd. Die Köln­Messe hat in den letz­ten Jah­ren einen Rekord­ver­lust nach dem ande­ren hin­neh­men müs­sen. Vor allem die hor­ren­den Mie­ten an den Oppen­heim-Esch-Fonds, den Eigen­tü­mer der vier ­neuen Nord­hal­len, haben die Mes­se­ge­sell­schaft erneut tief in die roten Zah­len getrie­ben. Dabei hatte der Euro­päi­sche Gerichts­hof bereits 2009 die Rechts­wid­rig­keit des Mes­se­neu­baus fest­ge­stellt, weil der Bau­auf­trag ohne jede Aus-schrei­bung an den Oppen­heim-Esch-Fonds ver­ge­ben wurde. Erst nach­dem die EU mit einem Zwangs­geld in Mil­lio­nen­höhe drohte, wurde der Miet­ver­trag 2010 gekün­digt. Inzwi­schen hat sich die Stadt Köln auf ein dubio­ses Umge­hungs­ge­schäft mit den Inves­to­ren geei­nigt: Der neue Miet­ver­trag heißt jetzt »Inte­rims­ver­ein­ba­rung«. Statt der ursprüng­li­chen Jah­res­miete von 20,7 Mil­lio­nen Euro zahlt die Stadt eine »Nut­zungs­ent­schä­di­gung«, die seit 2012 mit knapp 15 Mil­lio­nen Euro zu Buche schlägt.
Der Immo­bi­li­en­ex­perte Pro­fes­sor Dr. Klaus Fei­nen bezwei­felt vehe­ment, dass diese Miet­höhe ange­mes­sen ist. Unter Berück­sich­ti­gung einer ange­mes­se­nen Ver­zin­sung kommt Fei­nen auf eine Jah­res­miete von nur 7,35 Mil­lio­nen Euro. Die Stadt zahlt also eine fast dop­pelt so hohe Miete an den Oppen­heim-Esch-Fonds als not­wen­dig wäre – und begrün­det das mit einem Wert­gut­ach­ten von Pri­ce­wa­ter­hous­e­Coo­pers (PwC ) das sich auf einen rechts­wid­ri­gen Ver­trag beruft.
Wir for­dern:
- Auf­lö­sung der soge­nann­ten Inte­rims­ver­ein­ba­rung
- Ein­stel­lung der bis­he­ri­gen Miet­zah­lun­gen
- Neue Miet­ver­ein­ba­rung und Redu­zie­rung der jähr­li­chen Miete auf 7,35 Mil­lio­nen Euro
Das städ­ti­sche Ver­kehrs-Kon­zept „Köln mobil 2025“ sieht vor, in 10 Jah­ren den Anteil des Auto­ver­kehrs in Köln auf 33 % zu redu­zie­ren. Der über­große Teil an Car­sha­ring wird der­zeit jedoch im inner­städ­ti­schen Bereich ange­bo­ten. Daher soll­ten in Zukunft Car­sha­ring-Stell­plätze pri­mär dort ein­ge­rich­tet wer­den, wo das Netz des ÖPNV endet bzw. Lücken auf­weist. Hier­durch wird eine Kom­bi­na­tion in der Nut­zung von ÖPNV und Car­sha­ring geför­dert. 2025 sol­len zwei Drit­tel aller Wege mit dem Fahr­rad, Bus­sen und Bah­nen oder zu Fuß bewäl­tigt wer­den, so der Leit­ge­danke im städ­ti­schen Mobi­li­täts­kon­zept „Köln mobil 2025“.
Um die­ses selbst­ge­steckte Ziel Kölns zu errei­chen, hält die DKP Köln den Aus­bau des öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehrs für abso­lut not­wen­dig. Die wich­tigs­ten Pro­jekte sind zunächst der Aus­bau der Linie 13 bis zum Rhein­ufer und rechts­rhei­nisch eine ober­ir­di­sche Stadt­bahn, die Mül­heim, Kalk und Porz ver­bin­det.
Für einen Euro am Tag quer durch die Stadt: Die Stadt Wien hat den Anteil des Auto­ver­kehrs von 40 Pro­zent im Jahr 1993 auf heute 27 Pro­zent deut­lich redu­ziert. In zehn Jah­ren sol­len es nur noch 20 Pro­zent sein. Wie bei Köln han­delt es sich auch bei der öster­rei­chi­schen Haupt­stadt um eine dras­tisch wach­sende Metro­pole.
Um mög­lichst viele Wie­ner zu moti­vie­ren, die U‑Bahn, die Stra­ßen­bahn und den Bus zu nut­zen, unter­brei­ten ihnen die städ­ti­schen Ver­kehrs­be­triebe ein hand­fes­tes Ange­bot: Für nur 365 Euro kön­nen sie eine Jah­res­karte kau­fen, mit der sie im gesam­ten Stadt­ge­biet mobil sind. Ein Euro pro Tag – der geringe Preis über­zeugt offen­bar sehr viele Men­schen. In der öste­rei­chi­schen Haupt­stadt besit­zen eine Mil­lion der 1,8 Mil­lio­nen Wie­ner eine Jah­res­karte – und jedes Jahr nimmt ihre Zahl wei­ter zu. Der Ver­lust pro Fahr­gast beträgt bei der KVB 31 Cent, in Wien sind es ledig­lich zwölf Cent! Fahr­ten mit der KVB müs­sen sich in Zukunft alle leis­ten kön­nen. Alle Köl­ne­rin­nen und Köl­ner wür­den fahr­schein­los fah­ren kön­nen, wenn sie dafür pau­schal nicht mehr als 30 Euro im Monat bezah­len müss­ten. Men­schen mit gerin­gem Ein­kom­men zah­len ent­spre­chend weni­ger, Indus­trie und Han­del müs­sen eben­falls ihren Bei­trag leis­ten.
Das Stock­hol­mer Frie­dens­for­schungs­in­sti­tut SIPRI erstellt umfang­rei­che Sta­tis­ti­ken zum Export von Waf­fen. Deutsch­land führt die Rang­liste an, gefolgt von Frank­reich und Groß­bri­tan­nien. Deutsch­land ist  damit Waf­fen­ex­port-Euro­pa­meis­ter. Umso mehr Waf­fen expor­tiert wer­den, umso mehr Men­schen wer­den durch Waf­fen bedroht. Und auch ohne das Schick­sal jedes ein­zel­nen Flücht­lings zu ken­nen, kann man sagen: Ein Groß­teil der Men­schen, die in Europa Asyl suchen (Syrien, Afgha­ni­stan, Mali), flieht vor Krieg und Gewalt – durch Waf­fen.
In Köln muss man von rund 500 zusätz­li­chen Flücht­lin­gen im Monat aus­ge­hen. Dabei wird  mit 1.400 feh­len­den Plät­zen für die Unter­brin­gung von Flücht­lin­gen bis Ende 2015 gerech­net. Die DKP Köln sagt ent­schie­den Nein zur Unter­brin­gung von Flücht­lin­gen in Zel­ten. Die Ver­wal­tung muss ihre Über­le­gun­gen, Flücht­linge in Zelte unter­zu­brin­gen, been­den. Alter­na­tiv schla­gen wir eine Beschlag­nah­mung von Wohn­raum vor.
Dabei grei­fen wir eine Über­le­gung des CDU Bür­ger­meis­ters von Salz­git­ter Frank Klin­ge­biel auf, der leer­ste­hende Woh­nun­gen beschlag­nah­men will, um dort Flücht­linge unter­zu­brin­gen. Wir müs­sen auch in Köln sol­che neuen Wege zu gehen. In Köln gibt es eini­gen Leer­stand bei Büro­ge­bäu­den. Daher for­dern wir:
- Beschlag­nahme unge­nutz­ten Wohn­raums und des Leer­stan­des in Büro­ge­bäu­den
- gegen die Unter­brin­gung von Flücht­lin­gen in Zel­ten
Keup­straße ist über­all: Durch Recher­chen der Jour­na­lis­ten Ste­fan Aust und Dirk Laabs wurde am 14.06. 2015 bun­des­weit bekannt, dass die Bun­des­an­walt­schaft bereits 2012 vom Ver­fas­sungs­schutz­amt-NRW über die frap­pie­rende Ähn­lich­keit des Köl­ner Neo­nazi Johann H. mit dem Phan­tom­bild des Bom­ben­le­gers in der Prob­stei­gasse infor­miert wurde. Das Amt teilte außer­dem mit, dass er seit 1989 „gehei­mer Mit­ar­bei­ter“ für den Ver­fas­sungs­schutz-NRW sei, Anhalts­punkte für eine Tat­be­tei­li­gung bestün­den nicht.                                                                          
Die jah­re­lange Tätig­keit für den Ver­fas­sungs­schutz wurde impli­zit durch sei­nen Anwalt in einem Arti­kel des Köl­ner Express vom 19.06.2015 bestä­tigt. Dar­über­hin­aus ist bekannt, dass Johann H. 1985 wegen eines Spreng­stoff­de­likts ver­ur­teilt wurde.
Die­ser Skan­dal zeigt ein­mal mehr, wie stark die Geheim­dienste in den NSU-Kom­plex ver­strickt sind und wie wenig staat­li­che Behör­den an einer umfas­sen­den Auf­klä­rung inter­es­siert sind.
So ste­hen bei der Auf­klä­rung des Nagel­bom­ben­at­ten­tats in der Keup­straße 2004 immer noch Ant­wor­ten aus, so z.B. zu der Anwe­sen­heit wei­te­rer Per­so­nen in der Straße wäh­rend des Anschlags aus even­tu­ell Poli­zei/­Ver­fas­sungs­schutz- und/oder NSU-Krei­sen und zu den Video­auf­nah­men mit dem auf­fäl­li­gen Pär­chen in der Schan­zen­straße.
Ebenso müs­sen die Bom­ben­at­ten­tate in den 90er Jah­ren in Köln-Mau­en­heim, ‑Bil­der­stöck­chen und ‑Ehren­feld auf einen orga­ni­sier­ten rechtsradikalen/neonazistischen Hin­ter­grund unter­sucht wer­den. Diese Anschläge haben eine auf­fäl­lige Ähn­lich­keit mit dem Anschlag in der Prob­stei­gasse.
Die Ver­bin­dun­gen von Köl­ner Neo­na­zis zu der Zwi­ckauer Zelle müs­sen auf­ge­deckt wer­den. Es gibt Zeu­gen­aus­sa­gen von einem ehe­ma­li­gen Aus­stei­ger, dass der Neo­nazi Axel Reitz, der offen­bar im Auf­trag des NRW-Ver­fas­sungs­schut­zes von Johann H. „betreut“ wurde, Kon­takt zu Böhn­hardt, Mund­los und Zsch­äpe gehabt haben soll.
Es wird immer kla­rer erkenn­bar, dass die poli­tisch bequeme These von der klei­nen NSU-Drei­er­gruppe nicht auf­recht erhal­ten wer­den kann, son­dern dass sie Teil einer viel grö­ße­ren, wei­ter­hin agie­ren­den Bewe­gung von Neo­na­zis in Deutsch­land ist, die unter unter­schied­li­chen Namen auf­tre­ten, aber eng ver­netzt sind. Die Fälle „Prob­stei­gasse“ und „Keup­straße“ legen den Ver­dacht nahe, dass der NSU aus mehr Leu­ten bestand als jenen, die der­zeit in Mün­chen ange­klagt sind.
Der wirk­li­che Skan­dal ist, dass diese Neo­na­zis von den deut­schen Sicher­heits­be­hör­den fak­tisch gedeckt wer­den, um eigene man­gel­hafte Ermitt­lun­gen und/oder Ver­stri­ckun­gen eige­ner Mit­ar­bei­ter in Anschläge und Mord­ta­ten zu ver­tu­schen.
Wir for­dern des­halb, dass die Auf­klä­rung die­ses Ver­hal­tens der Behör­den, das zumin­dest eine Straf­ver­ei­te­lung im Amt nahe­legt, zu dienst­recht­li­chen bzw. straf­recht­li­chen Kon­se­quen­zen für die Ver­ant­wort­li­chen füh­ren muss.
Skan­da­lös ist auch die von der Bun­des­re­gie­rung geplante Aus­wei­tung der Kom­pe­ten­zen des Ver­fas­sungs­schut­zes und damit die Lega­li­sie­rung der bis­he­ri­gen Pra­xis ohne Auf­ar­bei­tung und Sank­tio­nie­rung der Ver­ge­hen und ohne die Ein­füh­rung einer wirk­sa­men öffent­li­chen Kon­trolle.
Unter die­sen Umstän­den bie­tet nach unse­rer Ein­schät­zung nur die Auf­lö­sung des Ver­fas­sungs­schut­zes die Gewähr, die Kom­pli­zen­schaft zwi­schen Neo­na­zi­be­we­gung und Ver­fas­sungs­schutz­mit­ar­bei­tern zu been­den. Das Sys­tem der V‑Personen hat sich als unbrauch­bar erwie­sen. Mehr noch wurde dadurch der Auf­bau eines extrem rech­ten Ter­ror­sys­tems erst ermög­licht.
Wir for­dern, dass unver­züg­lich die not­wen­di­gen Ermitt­lun­gen zu den Auf­klä­rungs­de­fi­zi­ten bezüg­lich Prob­stei­gasse und Keup­straße ein­ge­lei­tet wer­den und für die Öffent­lich­keit trans­pa­rent gemacht wer­den.
Es muss alles getan wer­den, dass die volle Wahr­heit über den NSU und seine Mit­tä­ter sowie über die Ver­qui­ckung mit den staat­li­chen Behör­den end­lich ans Licht kommt. Quel­len­schutz darf die Auf­klä­rung nicht wei­ter behin­dern. Das sind wir vor allem den Leid­tra­gen­den des jah­re­lan­gen Ter­rors schul­dig.
Das Frei­han­dels­ab­kom­men TTIP: Außer­par­la­men­ta­risch enga­gie­ren sich die Kom­mu­nis­tin­nen und Kom­mu­nis­ten für breite Bünd­nisse gegen Sozial- und Kul­tur­ab­bau in den Kom­mu­nen. In Köln ist es u.a. das Köl­ner Bünd­nis gegen TTIP, in der auch die DKP Köln aktiv ist. Der bis­her größte Erfolg: Unser Bür­ger­an­trag sollte in der Rats­sit­zung vom 24. März 2015 die Grund­lage für einen Reso­lu­ti­ons­text bil­den, der von einer große Mehr­heit des Köl­ner Stadt­ra­tes befür­wor­tet wurde. Der Rat der Stadt Köln for­dert in die­sem Beschluss die Lan­des- und Bun­des­re­gie­rung sowie die Abge­ord­ne­ten der Land­tage, des Bun­des­tags und des Euro­päi­schen Par­la­ments auf, die Rati­fi­zie­rung von CETA abzu­leh­nen und die Ver­hand­lun­gen zu den Abkom­men TTIP und TiSA zu stop­pen, sofern wesent­li­che Bedin­gun­gen, wie der Schutz der kom­mu­na­len Orga­ni­sa­ti­ons­frei­heit und Selbst­ver­wal­tung und der voll­stän­dige Ver­zicht auf spe­zi­elle Inves­to­ren­schutz­re­ge­lun­gen und Schieds­ge­richte, nicht erfüllt wer­den. Damit haben wir einen gro­ßen und wich­ti­gen Erfolg erzielt:
Köln erklärt sich als erste Mil­lio­nen­stadt Deutsch­lands offi­zi­ell zur TTIP-freien Zone!
Wir for­dern beide OB-Kan­di­da­ten auf, sich ein­deu­tig und dezi­diert für den Rats­be­schluss vom 24.03.2015 ein­zu­set­zen und somit ihre Mög­lich­kei­ten zu nut­zen um die Rati­fi­zie­rung der geplan­ten Frei­han­dels­ab­kom­men zu verhindern.