Was folgt auf die Ent­füh­rung von Maduro?

Das Ereig­nis

Unmit­tel­bar nach der Ent­füh­rungs­ak­tion in der Nacht vom 2. auf den 3. Januar teil­ten US-Prä­si­dent Trump und sein Gene­ral­stabs­chef Caine der Presse Ein­zel­hei­ten und Zwe­cke des Angriffs auf Vene­zuela mit. Caine war sicht­lich stolz auf die Aktion. Ohne die „unglaub­li­che Arbeit ver­schie­de­ner Nach­rich­ten­dienste, dar­un­ter die CIA, die NSA und die NGA, hät­ten wir diese Mis­sion nicht durch­füh­ren kön­nen“, erklärte er. Sie hät­ten Monate damit ver­bracht, „Maduro zu fin­den und her­aus­zu­fin­den, wie er sich bewegte, wo er lebte, wohin er reiste, was er aß, was er trug und wel­che Haus­tiere er hatte.“Die Ope­ra­tion begann kurz nach Mit­ter­nacht Orts­zeit mit Bom­ben­ab­wür­fen auf Wohn­ge­biete und mili­tä­ri­sche Ein­rich­tun­gen in Cara­cas und Umge­bung. Mehr als 150 Flug­zeuge – Bom­ber, Kampf­flug­zeuge, Über­wa­chungs­flug­zeuge und Hub­schrau­ber, bemannt und unbe­mannt – seien von 20 ver­schie­de­nen Punk­ten an Land und auf See auf­ge­bro­chen, um gleich­zei­tig in Vene­zuela angrei­fen zu können.

Die Luft­schläge gal­ten den vene­zo­la­ni­schen Luft­ab­wehr- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­te­men. Das Land ver­fügt über rus­si­sche S‑300-Luft­ver­tei­di­gungs­sys­teme. Deren Aus­schal­tung und Zer­stö­rung hatte das US-Mili­tär zuvor wochen­lang trai­niert. Explo­sio­nen auf dem Flug­platz La Car­lota und dem Mili­tär­kom­plex Fuerte Tiuna im Raum Cara­cas ris­sen die Leute aus dem Schlaf. Weit­räu­mig war der Strom­ver­sor­gung unter­bro­chen. Laut Gene­ral Caine konnte der Über­ra­schungs­ef­fekt genutzt wer­den, um die Inter­ven­ti­ons­truppe in die Innen­stadt von Cara­cas zu brin­gen. Die Hub­schrau­ber­staf­fel erreichte Madu­ros Anwe­sen um 1:00 Uhr US-ame­ri­ka­ni­scher Ost­küs­ten­zeit bzw. 2:00 Uhr Orts­zeit in Cara­cas. „Bei der Ankunft im Ziel­ge­biet gerie­ten die Hub­schrau­ber unter Beschuss und erwi­der­ten die­sen mit über­le­ge­ner Feu­er­kraft und in Aus­übung ihrer Selbst­ver­tei­di­gung“, berich­tete Gene­ral Caine. Dabei sei ein Heli­ko­pter getrof­fen wor­den, aber flug­fä­hig geblieben.

Trump, der zuvor (laut New York Times) Sorge hatte, es könnte ihm wie wei­land Jimmy Car­ter mit dem Iran gehen, durfte sich freuen.

Deba­kel in der Salzwüste

Wir erin­nern uns. Am 4. Novem­ber 1979 waren bewaff­nete ira­ni­sche Theo­lo­gie­stu­den­ten in die US-Bot­schaft in Tehe­ran ein­ge­drun­gen und hat­ten 90 Per­so­nen, dar­un­ter 65 Ame­ri­ka­ner, als Gei­seln genom­men. Sie ver­lang­ten die Aus­lie­fe­rung des vor­ma­li­gen Schah Reza Pahl­avi, der in die USA geflo­hen war. Zunächst reagierte der ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent Jimmy Car­ter mit einem Öl-Embargo, kurz dar­auf mit ver­schärf­ten Sank­tio­nen. Erfolg­los. Einige Monate benö­tigte das US-Mili­tär für die Pla­nung eines Befrei­ungs­ver­suchs. In der Nacht vom 24. zum 25. April 1980 war es so weit. Trans­port­flug­zeuge und acht Hub­schrau­ber lan­de­ten auf einem Behelfs­lan­de­platz in der Gro­ßen Salz­wüste im Süd­os­ten des Iran. Aber es fie­len gleich zwei der Hub­schrau­ber wegen eines Sand­sturms aus, ein drit­ter wurde bei der Lan­dung beschä­digt. Dar­auf­hin wurde die Mis­sion abge­bro­chen. Die Amis such­ten das Weite. Aber in der Hek­tik der Flucht tou­chierte ein Hub­schrau­ber ein Trans­port­flug­zeug und stürzte ab. Acht ame­ri­ka­ni­sche Sol­da­ten kamen bei der miss­glück­ten Aktion um. Ihre Lei­chen wur­den bei den fol­gen­den Pro­test­de­mons­tra­tio­nen in den Stra­ßen Tehe­rans gezeigt. Das Fern­se­hen immer dabei. Erst am 6. Mai 1980 konn­ten die Lei­chen in die USA über­führt werden.

Die Iran-Con­tra-Affäre

Vier Monate spä­ter tobte ein Krieg gegen den Iran, zu dem die USA den Irak ver­an­lasst hat­ten. Dem Irak ging es um die Wie­der­ge­win­nung des ölhal­ti­gen Schatt el-Arab. Die USA dräng­ten den Irak zwar zum Angriff, lie­fer­ten aber Waf­fen an beide Sei­ten. Das ist in der Iran-Con­tra-Affäre öffent­lich gewor­den. Unter Umge­hung des Kon­gres­ses schickte die Rea­gan-Admi­nis­tra­tion Pan­zer- und Flug­ab­wehr­sys­teme an den Iran. Die Gewinne aus die­sen Geschäf­ten gin­gen an die Con­tras. Die CIA finan­zierte mit Waf­fen­han­del und Koka­in­schmug­gel den Gue­rilla-Krieg gegen die san­di­nis­ti­sche Regie­rung Nicaraguas.

Der Irak-Iran-Krieg dau­erte acht Jahre und kos­tete 800.000 Men­schen das Leben.

Der Mord an Sol­ei­mani vor genau sechs Jahren

Den­noch war für die USA, nament­lich für Donald Trump, die Scharte des Salz­wüs­ten­de­ba­kels von 1980 noch nicht aus­ge­wetzt. Gele­gen­heit dazu gab es just an einem 3. Januar, eben­falls mor­gens um 1.00 Uhr. Aller­dings im Jahr 2020. Eine US-ame­ri­ka­ni­sche Drohne schoss am Flug­ha­fen Bag­dad fünf Rake­ten auf eine Fahr­zeug­ko­lonne. Sie töte­ten neun Män­ner sowie Gene­ral Qasem Sol­ei­mani, Kom­man­deur der ira­ni­schen Al-Kuds-Bri­ga­den. Sol­ei­mani war kurz zuvor mit dem Lini­en­flug­zeug aus Damas­kus gelan­det und in diplo­ma­ti­scher Mis­sion unter­wegs. Das Atten­tat hatte US-Prä­si­dent Donald Trump befoh­len und noch am sel­ben Tag per Twit­ter gerecht­fer­tigt. Der ira­ki­sche Minis­ter­prä­si­dent Adel Abd Al-Mahdi indes erklärte vor dem Par­la­ment in Bag­dad, „für die Geschichte“: Er habe für Frei­tag mor­gen einen Ter­min mit Gene­ral Qasem Sol­ei­mani gehabt. Die­ser hatte eine Ant­wort der ira­ni­schen Füh­rung auf eine Bot­schaft Saudi-Ara­bi­ens zu über­brin­gen, die der Irak ver­mit­telt habe.

Trump hatte den Mord­be­fehl nicht zur Abwehr einer „unmit­tel­ba­ren Gefahr“ erteilt, wie die offi­zi­elle Begrün­dung lau­tete, son­dern im Gegen­teil zur Eska­la­tion der Lage. Denn es drohte zumin­dest Ent­span­nung, wenn nicht sogar Frie­den im Nahen und Mitt­le­ren Osten. Zweck des Atten­tats war in Wahr­heit: die Ver­mei­dung von Frieden.

Wenn nicht Trump selbst es gedrängt hätte, am Abend sei­nes Tri­um­phes an die­sen Mord – genau sechs Jahre spä­ter – wie an eine Hel­den­tat zu erin­nern, hätte ich ihn nicht erwähnt. Trump freute sich unge­niert: „mit über­wäl­ti­gen­der ame­ri­ka­ni­scher Mili­tär­macht zu Lande, zu Was­ser und in der Luft wurde ein spek­ta­ku­lä­rer Angriff gestar­tet“. Es sei ein Angriff gewe­sen, wie man ihn seit dem Zwei­ten Welt­krieg nicht mehr gese­hen hätte. Das Ziel: Eine „schwer befes­tigte Mili­tär­fes­tung im Her­zen von Cara­cas, um den gesuch­ten Dik­ta­tor Nico­làs Maduro der Jus­tiz zu über­füh­ren.“ „Wir wol­len Frie­den, Frei­heit und Gerech­tig­keit für das groß­ar­tige Volk von Vene­zuela“, beteu­erte Trump. Neben dem bekann­ten Vor­wand, Maduro sei ver­ant­wort­lich für Dro­gen­han­del, sprach Trump ganz offen über das Thema Erdöl.

Über Guant­anomo nach New York

Der Zugriff kos­tete mehr als 100 Men­schen das Leben, dar­un­ter 32 Kuba­nern, die die Auf­gabe hat­ten, das Leben von Maduro zu schüt­zen. Ver­letzte oder getö­tete US-Mili­tärs wer­den nicht erwähnt. Laut Gene­ral Caine erga­ben sich Nico­làs Maduro und eine Frau Cilia Flo­res nach einem anfäng­li­chen Ver­such, sich in einen Schutz­raum zu flüch­ten. Sie wur­den von FBI-Beam­ten fest­ge­nom­men. Bei ihrer Rück­kehr zu den „schwim­men­den Stütz­punk­ten“ gerie­ten die Heli­ko­pter erneut in Gefechte. Caine konnte aber berich­ten: „Um 3:29 Uhr Ost­küs­ten­zeit befand sich die Truppe mit den ange­klag­ten Per­so­nen an Bord über dem Was­ser“. Maduro und seine Frau wur­den in den frü­hen Mor­gen­stun­den per Hub­schrau­ber aus der Haupt­stadt Cara­cas aus­ge­flo­gen und an einem unbe­kann­ten Ort in der Kari­bik an Bord des US-Kriegs­schiffs „USS Iwo Jima“ gebracht. Es folgte ein Flug zur US-Mari­ne­ba­sis Guan­ta­namo Bay auf Kuba und von dort nach New York. Hier sol­len die bei­den vor Gericht gestellt wer­den. Laut US-Jus­tiz­mi­nis­te­rin Pam Bondi lau­ten die Ankla­ge­punkte unter ande­rem „Ver­schwö­rung zum Dro­gen­ter­ro­ris­mus“ und „Ver­schwö­rung zum Kokainimport“.

Apro­pos Guan­ta­namo Bay und Kuba. Am 6. Januar berich­tete die „Washing­ton Post“, dass für Donald Trump und Außen­mi­nis­ter Rubio der Zusam­men­bruch der Regie­rung Kubas nicht nur ein Neben­ef­fekt des Maduro-Aktion sein werde, son­dern Ziel der Aktion. Trump: Ohne Maduro und das vene­zo­la­ni­sche Öl sehe „es so aus, als steht Kuba kurz vor dem Zusam­men­bruch“. (nach Bern­hard Traut­vet­ter, Ossietzky Nr. 226 vom 24. Januar 26)

Offen­kun­dig ver­stößt der Angriff gegen Vene­zuela und die Ent­füh­rung von Maduro gegen das Völ­ker­recht, ebenso wie die Kape­rung von Öltan­kern und die Bom­bar­die­rung von Fischer­boo­ten durch US-ame­ri­ka­ni­sches Mil­tär in den Mona­ten zuvor. Die US-Angriffe auf angeb­li­che Dro­gen­schmugg­ler in die­sen Fischer­boo­ten töte­ten laut US-Medien 90 Menschen.

Ange­sichts hef­ti­ger Auf­stände im Iran wird uns zuge­mu­tet, das zu ver­ges­sen. Aber das Gegen­teil ist rich­tig, die Erin­ne­rung hilft, den Zweck der Ent­füh­rung zu ver­ste­hen. Es geht ums Eigen­tum, darum, wem das Öl gehö­ren soll.

Mos­sa­degh und Pahlavi

Unter der Regie­rung Mos­sa­degh war 1951 die anglo-ira­ni­sche Ölge­sell­schaft (heute Bri­tisch Petro­leum, BP) ver­staat­licht und diese Maß­nahme mit einer gewal­ti­gen Mehr­heit in einer Volks­ab­stim­mung bestä­tigt wor­den. Dar­auf­hin sorgte die CIA 1953 für einen Putsch. Mit Unter­stüt­zung der Bri­ten wurde Reza Pahl­avi zum Allein­herr­scher gemacht, der im Gegen­zug sogleich den US-Gesell­schaf­ten eine Mehr­heit in der neuen Ölge­sell­schaft ver­schaffte. So wurde die angeb­li­che kom­mu­nis­ti­sche Aggres­sion abge­wehrt und die Inter­ven­tion ein Modell für die Eisen­hower-Dok­trin von 1956, durch die allen Golf­staa­ten Wirt­schafts- und Mili­tär­hilfe sowie der Bei­stand von US-Trup­pen gegen sol­cher­art „kom­mu­nis­ti­sche Aggres­sio­nen“ gewährt wurde.

Schon sei­ner­zeit war das anar­chi­sche Gesetz des Stär­ke­ren, der impe­ria­lis­ti­sche Anspruch einer win­zi­gen Min­der­heit von Mil­li­ar­dä­ren, die Siche­rung der Herr­schaft von Eigen­tü­mern der wich­tigs­ten Pro­duk­ti­ons­mit­tel, das Mus­ter der „regel­ba­sier­ten Ord­nung“ nicht zu verkennen.

Sank­tio­nen gegen den Iran

Am 31. Juli 2006 wurde der Iran durch den Sicher­heits­rat (Reso­lu­tion 1696) auf­ge­for­dert, weitere

Uran­an­rei­che­rung zu unter­las­sen. Es wur­den Sank­tio­nen ver­hängt, bis das Land einer

UNO-Reso­lu­tion zustimmte. Sie heißt „Gemein­sa­mer umfas­sen­der Akti­ons­plan“ = Joint Com­pre­hen­sive Plan of Action (JCPOA) und galt ab dem 19. Okto­ber 2015. tech­ni­sche Beschrän­kun­gen und Kon­troll­me­cha­nis­men soll­ten eine nukleare Bewaff­nung ver­hin­dern. Im Gegen­zug war die Auf­he­bung von Sank­tio­nen versprochen.

Es blieb das Embargo für Waf­fen, Rake­ten­be­stand­teile und Nukle­ar­tech­no­lo­gie. Vom Iran sind alle Bedin­gun­gen ein­ge­hal­ten wor­den. Trump war es, der am 8. Mai 2018 den Aus­tritt der

USA aus dem Abkom­men erklärte. Bis zum Abschluss eines bes­se­ren gel­ten seit­dem die alten Sank­tio­nen in vol­ler Härte. Ich habe kei­nen Über­blick über die Sank­tio­nen, aber sie hal­ten das Land in Armut.

Und es lei­det die Lan­des­wäh­rung Rial. Deren plötz­li­cher Kurs­sturz am 28. Dezem­ber 2025 löste hef­tige Pro­teste aus. Wenn man den Berich­ten Glau­ben schen­ken darf, gerie­ten die Pro­teste von Beginn an zu blu­ti­gen Auf­stän­den und durch­schüt­tel­ten noch vor weni­gen Tagen das Land.

Inner­halb des ver­gan­ge­nen Jah­res war der offi­zi­elle Kurs der ira­ni­schen Wäh­rung um 13,7 % gesun­ken, aller­dings gel­ten für den Grau- bzw. Schwarz­markt andere Regeln. Hier muss­ten schon 86 % mehr für einen Euro bezah­len wer­den als vor einem Jahr. Am 28. Dezem­ber wurde der Rial noch ein­mal abge­wer­tet. Der neue Kurs: 1 Euro = 1,42 Mil­lio­nen Rial. Die Abwer­tung führte sogleich zum Rück­tritt des Zen­tral­bank­chefs Moham­med Resa Far­sin. Der Rial befin­det sich ab die­sem Zeit­punkt im freien Fall. Inner­halb von drei Tagen, musste für einen Euro 1,70 Mil­lio­nen Rial auf­ge­wen­det wer­den. Ein Wert­ver­lust von annä­hernd 20 %.

Die rasche Abwer­tung trieb die Preise für Güter des täg­li­chen Bedarfs in die Höhe. Und die Leute auf die Straße. Die Jah­res­teue­rung lag im Dezem­ber dem staat­li­chen Sta­tis­tik­zen­trum zufolge bei 42,2 Pro­zent. Die Preise für Lebens­mit­tel stie­gen um 72 Pro­zent und für Medi­ka­mente um 50 Pro­zent. Hun­derte Laden­be­sit­zer schlos­sen am 29. Dezem­ber ihre Geschäfte in der ira­ni­schen Haupt­stadt und for­der­ten andere auf, sich den Pro­tes­ten anzu­schlie­ßen. Diese fie­len blu­tig aus, offen­bar gab es Tote, je nach Quelle in unter­schied­li­cher Zahl, in der Regel vier­stel­lig. Offen­kun­dig sind von Anfang an auch Ord­nungs­kräfte darunter.

Geringe Recht­fer­ti­gungs­rhe­to­rik

Auf­fäl­lig an der Ope­ra­tion zur Ent­füh­rung von Maduro und sei­ner Frau ist der geringe Auf­wand an poli­ti­scher und völ­ker­recht­li­cher Recht­fer­ti­gungs­rhe­to­rik. Die deut­sche Bun­des­re­gie­rung stützt das Vor­ge­hen wie kaum eine andere EU-Regie­rung. Ursula von der Leyen knüpft an die Ent­führung­ak­tion die Hoff­nung auf mehr Demokratie.

Auch Fried­rich Merz kri­ti­siert Maduro, nicht aber Trump.

«Es gilt, einen geord­ne­ten Über­gang hin zu einer durch Wah­len legi­ti­mier­ten Regie­rung zu gewähr­leis­ten», erklärte er. Die recht­li­che Ein­ord­nung des US-Ein­sat­zes sei «kom­plex», dafür nehme sich die Bun­des­re­gie­rung Zeit.

Merz wört­lich:«Nicolàs Maduro hat sein Land ins Ver­der­ben geführt. Die letzte Wahl wurde gefälscht. Die Prä­si­dent­schaft haben wir – wie viele andere Staa­ten auf der Welt – daher nicht aner­kannt. Maduro spielte in der Region, mit unse­li­gen Alli­an­zen welt­weit und durch die Ver­stri­ckung Vene­zue­las in das Dro­gen­ge­schäft eine pro­ble­ma­ti­sche Rolle.»

Die vor­geb­li­che Oppo­si­ti­ons­füh­re­rin Maria Machado, die am 10. Dezem­ber mit dem Frie­dens­no­bel­preis aus­ge­zeich­net wor­den ist, soll aber keine Rolle in der neuen Regie­rung spie­len: Sie sei laut Trump „nett“, genieße aber kei­nen „Respekt“.

Edmundo Gon­zá­lez, den die USA im Novem­ber 2024 offi­zi­ell als Prä­si­dent aner­kannt hat­ten, wird nicht ein­mal mehr erwähnt. Statt­des­sen will die US-Regie­rung mit Delcy Rodrí­guez zusam­men­ar­bei­ten. Die bis­he­rige Vize­prä­si­den­tin ist gegen­wär­tig die ver­fas­sungs­ge­mäß amtie­rende Präsidentin.

Im Zusam­men­hang mit der Maduro-Ent­füh­rung prahlte Trump ganz offen vom gro­ßen Geschäft mit dem vene­zo­la­ni­schen Öl: „Unsere gro­ßen Ölkon­zerne wer­den viele Mil­li­ar­den inves­tie­ren und die marode Infra­struk­tur repa­rie­ren. Dann wer­den wir Geld machen.“

Just das steht unter­des­sen in Frage.

Exxon Mobil will nicht

Am Sams­tag, den 10. Januar, eine Woche nach der Maduro-Ent­füh­rung bewir­tete Trump die Her­ren der Ölkon­zerne. Der US-Prä­si­dent warb um Inves­ti­tio­nen in Vene­zuela. Die FAZ vom 13. Januar: Da Trump das Tref­fen mit den Ölma­gna­ten eigent­lich nut­zen wollte, um der Welt kund­zu­tun, dass er Schul­ter an Schul­ter mit der US-Wirt­schaft nun wun­der­bare Geschäfte in Vene­zuela und die rei­chen Erd­öl­vor­kom­men dort bald zuguns­tender US-Bür­ger nutz­bar machen werde, war es sei­ner Laune nicht zuträg­lich, öffent­lich Ein­wände mit­ge­teilt zu bekom­men, und das auch noch vom Chef des größ­ten US-Kon­zerns.“ Die Ein­wände kamen von Daren Woods, dem Chef von Exxon Mobil (526 Mrd Dol­lar Bör­sen­wert). Laut Woods erlau­ben der­zeit die recht­li­chen und wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen in Vene­zuela keine Inves­ti­tio­nen. Auf deutsch: der Preis für Leichtöl der Sorte WTI von 58,60 Dol­lar oder der für die Sorte Brent von 63 Dol­lar ist zu nied­rig. Es lohnt nicht.

Der Anlei­he­markt ziert sich

Die Akti­en­märkte reagie­ren eben­falls nicht freund­lich auf Trumps Poli­tik, nament­lich zum Thema Zölle (FAZ 22. Januar 2026). Noch mehr dürfte den Prä­si­den­ten beun­ru­hi­gen, wenn US-ame­ri­ka­ni­sche Anlei­hen auf den Markt gewor­fen wer­den, mit der Folge, dass sie im Preise sinken.

Aller­dings wird die­ser Effekt unter­schied­lich bewertet.

Lucas Zeise schreibt am Sams­tag, 24. Januar, in der jW: „Die Markt­be­we­gun­gen in die­ser Woche waren viel harm­lo­ser als die im April. Und die in euro­päi­schen Zei­tun­gen geäu­ßerte Hoff­nung, den Markt für US-Staats­an­lei­hen bei die­ser Gele­gen­heit in Unruhe ver­set­zen zu kön­nen, wirkte ein wenig lächer­lich. Als 2023 ein paar kali­for­ni­sche Ban­ken umkipp­ten, war ungleich mehr los. Der Gedanke, die Groß­gläu­bi­ger der rie­si­gen US-Staats­schuld (der­zeit etwa 26 Bil­lio­nen US-Dol­lar) könn­ten im gro­ßen Stil und kon­zen­triert ihre Bestände ver­kau­fen, ist absurd. Sie wären bei den dann rasant fal­len­den Prei­sen ihres Ver­mö­gens die größ­ten Ver­lie­rer eines sol­chen Manö­vers.“1

Nun ja, das Pro­blem ist das der Größenordnungen.

Immer­hin hal­ten aus­län­di­sche Gläu­bi­ger Anlei­hen in der Gesamt­höhe von gegen­wär­tig 9355 Mrd Dol­lar. Allein 3141 Mrd lie­gen bei euro­päi­schen, 1203 Mrd bei japa­ni­schen, 939 Mrd bei chi­ne­si­schen Gläubigern.

Nun hat ein däni­scher Pen­si­ons­fonds unter dem Ein­druck von US-Expan­si­ons­be­stre­bun­gen Rich­tung Grön­land mit­ge­teilt, sich von US-Staats­an­lei­hen im Wert von 100 Mil­lio­nen Dol­lar (= 0,1 Mrd Dol­lar) tren­nen zu wol­len. Das ist in der Tat keine Grö­ßen­ord­nung, die den US-Anlei­he­markt erschüt­tern könnte. Der schwe­di­sche Pen­si­ons­fonds Alecta ver­kauft, wie „Dagens Indus­tri“ am 21. Januar berich­tet, eben­falls. Hier betrifft es ein Volu­men von 7,7 bis 8,8 Mrd US-Dol­lar (jW 22.1.26). Das ist schon eine andere Haus­num­mer. Ein noch grö­ße­res Gewicht hat die Nach­richt, dass sich die Invest­ment­ge­sell­schaft Pimco von US-ame­ri­ka­ni­schen Ver­mö­gens­wer­ten tren­nen möchte. Das Unter­neh­men Pimco gehört zum Münch­ner Alli­anz Ver­si­che­rungs­kon­zern. Es hat sich auf Anlei­hen spe­zia­li­siert und ist zwar inzwi­schen mit 1,87 Bil­lio­nen US-Dol­lar Anla­ge­ver­mö­gen eines der größ­ten Unter­neh­men in die­sem Seg­ment, aber als Nr. 14 in der Rang­liste immer noch klein im Ver­hält­nis zum Bran­che­ners­ten Blackrock.

Tat­sa­che ist aber auch, dass die Risi­ken nicht pro­por­tio­nal zu den schie­ren Sum­men der Anlei­hen aus­fal­len. Denn schon die erwähn­ten Ansa­gen lie­ßen die Ren­di­ten für zehn­jäh­rige US-Staats­an­lei­hen auf 4,3 % klet­tern. Immer­hin sind 26 Bil­lio­nen US-Dol­lar in Gestalt von Anlei­hen im Umlauf. Bei sin­ken­der Nach­frage oder wach­sen­den Ver­kaufs­zah­len sin­ken die Kurse. Folg­lich stei­gen bei fes­ten Zin­sen die Ren­di­ten. Die Schul­den­auf­nahme wird also teu­rer. Die Zins­last wächst aber nicht nur für den Fis­kus, son­dern für alle US-Ame­ri­ka­ne­rin­nen und US-Ame­ri­ka­ner, die heute schon unter der hohen Infla­tion und wach­sen­den Hypo­the­ken­zin­sen emp­find­lich lei­den. Denn nicht nur der Staat lebt auf Pump, son­dern auch der nor­male US-Bürger.

Die staa­li­che Schul­den­last ist hoch. Und sie wächst. Laut Sta­tis­ti­schem Bun­des­amt (Sta­tista) ist sie von 14,4 Bil­lio­nen Dol­lar in 2010 auf 38,3 Bil­lio­nen Dolar (2025) ange­wach­sen. Inso­fern ist es von erheb­li­chem Belang für die poli­ti­schen Spiel­räume nicht nur von Trump, ob er nied­rige Zin­sen durch­set­zen kann. Wenn also der Supreme Court, das höchste Gericht der USA, den Raus­wurf der FED-Direk­to­rin Lisa Cook durch Trump nicht abseg­nen sollte – und danach sieht es heute, am 23. Januar, aus – hätte Trump mal wie­der eine Nie­der­lage ein­zu­ste­cken und Fis­kus wie US-Bür­ger sich auf stei­gende Zin­sen, Infla­tion samt Crashs in der Folge ein­zu­stel­len. Wir haben es alle­mal mit Wir­kun­gen der Über­pro­duk­ti­ons­krise zu tun. Mit Kapitalismus.

Flood the zone

Unter­des­sen fällt auf, dass die Auf­merk­sam­keit der gro­ßen Medien nicht mehr auf Berich­ten und Ein­schät­zun­gen zum Thema Ent­füh­rung Madu­ros und die Fol­gen für Vene­zuela liegt. Statt­des­sen hören wir von den Auf­stän­den im Iran, einem Land, dem die CIA schon früh aller­lei Regeln oktroy­ierte. Wir lesen vom Kampf der dschi­ha­dis­ti­schen Regie­rung Syri­ens gegen die Kur­den im Nord­os­ten des Lan­des. Fotos aus dem Oval Office zei­gen eine pro­vo­kante Karte von ganz Nord­ame­rika inklu­sive Kanada und Grön­land, grun­diert mit der US-Flagge. Trumps Auf­tritt in Davos und bei der Grün­dung eines bizar­ren Frie­dens­ra­tes fül­len Bild­schirme und Talk­shows. Dürf­ti­ger fal­len die Berichte über wach­sende Pro­teste der US-Bevöl­ke­rung gegen King Trump („No King!“) und das Vor­ge­hen der ICE-Truppe aus.

Es scheint, dass hier eine von Steve Ban­non emp­foh­lene Tak­tik wal­tet. Es geht um Des­ori­en­tie­rung mit­tels Reiz­über­flu­tung. Steve Ban­non sprach 2018 in einem Inter­view von „Flood the zone with shit”. Geg­ner sei nicht die Demo­kra­ti­sche Par­tei, son­dern die Medien. Diese könn­ten sich immer nur auf wenige Dinge kon­zen­trie­ren. Ban­non: „Alles, was wir tun müs­sen, ist: Den Raum über­flu­ten, jeden Tag. Drei Dinge auf ein­mal tun. Wenn sie sich an einer Sache fest­bei­ßen, erle­di­gen wir schon die nächste.“

Diese Tak­tik indes beschreibt einen Methode, poli­ti­schen Ein­fluss zu gewin­nen, nicht jedoch die Ziele. Die fin­den sich im „Pro­ject 2025“ der Heri­tage Foun­da­tion, aber auch in der „Natio­na­len Sicher­heits­stra­te­gie“ (NSS) vom Novem­ber 2025. Hier ste­hen kenn­zeich­nende Äuße­run­gen über das Ver­hält­nis zur UNO, inter­na­tio­nale Orga­ni­sa­tio­nen und deren Regeln. Ver­weise auf die Ver­bind­lich­keit des Völ­ker­rechts feh­len. Zu Beginn des schma­len Tex­tes heißt es: „Vor­rang des Natio­na­len: Die grund­le­gende poli­ti­sche Ein­heit der Welt ist und bleibt der Natio­nal­staat. Es ist natür­lich und gerecht, dass alle Natio­nen ihre Inter­es­sen in den Vor­der­grund stel­len und ihre Sou­ve­rä­ni­tät wah­ren. Wir ste­hen für die Sou­ve­rä­ni­täts­rechte der Natio­nen, gegen die sou­ve­rä­ni­täts­un­ter­gra­ben­den Ein­griffe der auf­dring­lichs­ten trans­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen und für die Reform die­ser Insti­tu­tio­nen, damit sie die indi­vi­du­elle Sou­ve­rä­ni­tät unter­stüt­zen statt behin­dern und die ame­ri­ka­ni­schen Inter­es­sen fördern.“

Aber die Begeis­te­rung für natio­nale Sou­ve­rä­ni­tät hat Gren­zen. Wei­ter unten zum Thema „West­li­che Hemi­sphäre“ pro­kla­miert die NSS: „Nach Jah­ren der Ver­nach­läs­si­gung wer­den die Ver­ei­nig­ten Staa­ten die Mon­roe-Dok­trin wie­der gel­tend machen und durch­set­zen, um die Vor­rang­stel­lung Ame­ri­kas in der west­li­chen Hemi­sphäre wie­der­her­zu­stel­len und unser Hei­mat­land sowie unse­ren Zugang zu wich­ti­gen geo­gra­phi­schen Gebie­ten in der gesam­ten Region zu schüt­zen. Wir wer­den Wett­be­wer­bern außer­halb der Hemi­sphäre die Mög­lich­keit ver­wei­gern, Streit­kräfte oder andere bedroh­li­che Kapa­zi­tä­ten in unse­rer Hemi­sphäre zu posi­tio­nie­ren oder stra­te­gisch wich­tige Ver­mö­gens­werte zu besit­zen oder zu kontrollieren.“

Klaus, MV der DKP Köln Innen­stadt, 26. Januar 2026

Fuß­no­ten:

1 Zum Thema „Umkip­pen eini­ger kali­for­ni­scher Ban­ken“: https://dkp-rheinland-westfalen.de/index.php/aus-den-kreisen/koeln/5193-was-ist-und-welche-folgen-hat-die-rezession bzw: https://drive.google.com/file/d/1QyNQcH26bn1znTCxl6AIFWrnhXnYHNmf/view


Exkurs: Vene­zuela, Roh­öl­preise und Gewinnschwellen

Gemäß US-Prä­si­dent Trump sol­len min­des­tens 100 Mrd. Dol­lar durch die Erd­öl­in­dus­trie in Vene­zuela inves­tiert wer­den. Diese Summe erscheint für den sonst äußerst grö­ßen­wahn­sin­nig auf­tre­ten­den US-Prä­si­den­ten außer­or­dent­lich wenig.

Mehr als 180 Mil­li­ar­den US-Dol­lar wären nach Schät­zung der inter­na­tio­na­len Bera­tungs­firma Rystadt Energy, die ihren Haupt­sitz in Oslo hat, erfor­der­lich, um die För­de­rung von der­zeit etwa 800.000 auf zwei Mil­lio­nen Bar­rel pro Tag zu stei­gern, und es könne bis 2040 dau­ern, die­ses Ziel zu errei­chen.“1

US-Ener­gie­se­kre­tär Chris Wright will lt. Reu­ters die täg­li­che För­de­rung glaubt man sei­nen Aus­sa­gen in Davos am 21. Januar um 30 % kurz- bis mit­tel­fris­tig heben.2 Für etli­che Indus­trie­ver­tre­ter ist unklar, was ihnen das nüt­zen soll.

Wahr­schein­lich ist jedoch die Aneig­nung des vene­zo­la­ni­schen Öls durch die USA nicht im Kon­text kurz­fris­ti­ger Pro­fit­in­ter­es­sen zu ver­ste­hen, son­dern es geht hier ver­mut­lich eher um die lang­fris­tige Kon­trolle und Siche­rung des Regio­nal­machts­sta­tus der USA. Bei der rela­tiv gerin­gen Bedeu­tung der vene­zo­la­ni­schen Erd­öl­för­de­rung für den Welt­markt, darf nicht außer acht gera­ten, wel­che unge­heu­ren Men­gen in Vene­zue­las Boden lie­gen (303 Mrd. Bar­rel) und dass Kuba nun kein vene­zo­la­ni­sches Erdöl mehr erhält. Bei­des sind stra­te­gi­sche Ziele der US-Poli­tik. Vene­zuela war vor dem US-Angriff und der Ver­schlep­pung des Prä­si­den­ten der größte Öllie­fe­rant für Kuba mit angeb­lich 26 500 bar­rel-per-day (bpd)3. Das lag zwar weit unter dem Bedarf Kubas, doch das Aus­blei­ben der Lie­fe­run­gen wird die Ver­sor­gungs­lage auf der sozia­lis­ti­schen Insel wahr­schein­lich vor große Her­aus­for­de­run­gen stellen.

Vene­zue­las Ölquel­len bestehen über­wie­gend aus Schweröl, was auf­wän­dig zu för­dern ist, ins­be­son­dere muss es für den Trans­port ver­dünnt und erwärmt wer­den. Es ist mehr zäh asphalt­ar­tig als flüs­sig. Dar­über hin­aus schwe­fel­hal­tig, was es „sauer“ macht und spe­zi­elle Raf­fi­na­ti­ons­pro­zesse erfor­dert. Damit gibt es deut­lich höhere Kos­ten, bis es erschlos­sen, geför­dert, trans­por­tiert und schließ­lich gehan­delt wer­den kann, als das andere För­de­rungs­tech­ni­ken für Erdöl bie­ten können.

Im fol­gen­den soll kurz betrach­tet wer­den, wann sich aktu­ell die För­de­rung von Öl für Her­stel­ler lohnt. Für den Roh­öl­preis, ab dem ein Fass Erdöl für den Her­stel­ler „wirt­schaft­lich“ ist, es sich also lohnt, es zu pro­du­zie­ren, zu ver­kau­fen und sich damit Mehr­wert erwirt­schaf­ten lässt, gibt es die Bezeich­nung „Break-Even-Point“; Gewinn­schwelle. An die­sem Punkt sind Gewinn und Ver­lust Null.

Die Geschichte der OPEC ist ein Kapi­tel für sich. Doch 2024 bil­de­ten Nicht-OPEC-Län­der, vor allem die USA 65 % des glo­ba­len Roh­öl­markts, wes­halb die OPEC und OPEC+ zwar leicht an Bedeu­tung ver­lo­ren haben, bei zeit­gleich nach wie vor rela­tiv nied­ri­gen Gewinnschwellen.

Täg­li­che Ölpro­duk­tion in Vene­zuela: 800 000 ­– 900 000 Barrel

In den 70ern lag die täg­li­che Pro­duk­tion noch bei 3,5 Mil­lio­nen bpd.. Heute trägt Vene­zuela etwas weni­ger als 1 % zur Welt­pro­duk­tion bei. Täg­lich wer­den 2025 welt­weit 106 Mil­lio­nen bpd. geför­dert. Inso­fern ist frag­lich, was ein 30 % Anstieg der rela­tiv gerin­gen För­der­menge von Vene­zuela für Aus­wir­kun­gen hätte. Ins Gewicht fal­len diese welt­weit offen­sicht­lich kaum. Die USA ist der welt­weit größte Ener­gie­pro­du­zent gewor­den, ins­be­son­dere durch Schie­feröl und Zer­stö­rung und Ver­gif­tung gan­zer Land­stri­che und Lebens­räu­men. Die Zer­stö­rung von Umwelt und Natur ist eine Eigen­schaft von jeg­li­cher Ölför­de­rung und ‑ver­bren­nung, doch die boden­lose För­de­rung der Frack­ing­tech­no­lo­gie in den USA zur Öl- und Gas­ge­win­nung ist auf Pump auf Kos­ten von Mensch und Umwelt und bei einem gerin­gen Ölpreis (wie der­zeit) nicht ein­mal ren­ta­bel. Die größ­ten Kon­kur­ren­ten der USA in Ölfra­gen sind Saudi Ara­bien und Russ­land. Kanada, China und Bra­si­lien fol­gen, vor dem Irak und Iran, den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten und Kuwait. Das sind die Top-10 der erd­öl­pro­du­zie­ren­den Län­der (Vene­zuela ist auf Platz 18). Ende Novem­ber 2025 hat die OPEC beschlos­sen, das aktu­elle Niveau der Erd­öl­för­de­rung bei­zu­be­hal­ten. Seit­dem ist der Roh­öl­preis bei rund 60 $ pro Bar­rel Öl (Brent), was zu den tiefs­ten Wer­ten seit knapp 5 Jah­ren gehört.

Die fol­gende Tabelle stellt die Break-Even-Preise für ver­schie­dene För­de­rungs­tech­ni­ken dar:

FörderungsartBreak-Even Punkt in $
Konventionelles Onshore‑Öl (Mittlerer Osten)ca. 27 $
Offshore‑Shelf (Kontinentalschelf, bis 200 m)ca. 37 $
Offshore‑Tiefwasser (Deepwater, 200-1500 m)ca. 43 $
Nordamerikanisches Schiefer‑/Tight‑Oilca. 45 $, Non-Opec Durchschnitt: 47 $, bis zu 64 $ Permian, siehe EIA.
Ölsande (Oil Sands)ca. 57–75 $
Schwerstöl (Heavy Oil)ca. 50–100 $
Enhanced Oil Recovery (EOR)ca. 50–70 $
Ultra‑Tiefwasser / Arktische Förderung> 70 $

Quelle: Die Zah­len sind haupt­säch­lich aus der Rystad‑Energy‑Studie vom Okto­ber 2024 (glo­bale Segment‑Break‑Evens).4 Für Frack­ing-Gas sind auch die Zah­len der US-Ener­gie­be­hörde EIA vom April 2025 zu US‑Schiefer‑Break‑Evens inter­es­sant.5

Entwicklung des Ölpreises, Screenshot von: https://www.finanzen.net/rohstoffe/oelpreis

Vene­zo­la­ni­sches Öl fällt unter die Kate­go­rie Schwers­töl und damit wird deut­lich, dass es unter aktu­el­len Umstän­den und mit dem aktu­el­len Roh­öl­preis kaum attrak­tiv für US-ame­ri­ka­ni­sches Mono­pöl­ka­pi­tal sein dürfte, groß­ar­tig in Vene­zuela zu inves­tie­ren. Wer wei­ter­hin die Roh­stoffe des vene­zo­la­ni­schen Vol­kes kon­trol­lie­ren und über sie bestim­men wird, ist noch nicht ent­schie­den, aber eines ist klar: So ein­fach, wie sich die regie­rende Olig­ar­chen­cli­que in den USA das vor­ge­stellt hat, wird das nicht und es gibt viele Bei­spiele dafür, dass sie ihre Rech­nun­gen ohne den Wider­stand der Völ­ker Süd­ame­ri­kas und ihren Kampf um Würde, Sou­ve­rä­ni­tät und Soli­da­ri­tät gemacht haben.

M, MV der DKP Köln-Innen­stadt, 26. Januar 2026

Fuß­no­ten:

1 junge Welt, 14.01.26 „Kriegs­beute Ölre­ser­ven“, Knut Mel­len­thin, https://www.jungewelt.de/artikel/515606.geo-und-energiepolitik-kriegsbeute%C3%B6lreserven.html

2 „Vene­zuela oil out­put can rise 30% in near-term, US energy secre­tary tells exe­cu­ti­ves“, Reu­ters, https://www.reuters.com/business/energy/wright-tells-oil-executives-that-venezuelas-output-can-rise-30-sources-say-2026–01-21/

3https://www.nytimes.com/2026/01/17/world/americas/cuba-venezuela-oil-power-blackouts.html

4 https://www.rystadenergy.com/news/upstream-breakeven-shale-oil-inflation

5 https://www.eia.gov/todayinenergy/detail.php?id=65024


Zum Refe­rat «Was folgt auf die Ent­füh­rung von Maduro» als PDF

Zum Refe­rat «Vene­zuela, Roh­öl­preise und Gewinn­schwel­len» als PDF