Trumps kur­zer Zollkrieg

Dead man walking

Am Mitt­woch, den 2. April, lässt Trump ein Red­ner­pult in den Rosen­gar­ten hin­ter dem Wei­ßen Haus stel­len, bit­tet seine Entou­rage samt Pres­se­pup­pen auf die Gar­ten­stühle, ver­kün­det Zölle und erhebt die­sen Tag zum Libe­ra­tion Day, zum Tag der Befrei­ung.
Der US-ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent begrün­det seine Maß­nah­men mit dem US-Han­dels­bi­lanz­de­fi­zit. Im Jahr 2024 haben die USA für 918 Mil­li­ar­den Dol­lar mehr an Waren aus dem Aus­land bezo­gen, als sie expor­tier­ten. Trump sagt aber, das Land würde von sei­nen Han­dels­part­nern über den Tisch gezo­gen. Die Zölle sol­len das Defi­zit aus­glei­chen. Und er kün­digt an, dass ab dem 5. April Ein­fuh­ren aus 185 Län­dern pau­schal mit Zöl­len von zehn Pro­zent belegt wür­den. Auf die­sen Grund­stock kom­men wei­tere, je nach Land unter­schied­li­che Zoll­sätze. Das ist eine lange Liste von Län­dern, die er auf gro­ßen Tafeln in die Kame­ras reckt.

Die neuen Zoll­sätze sol­len ab dem 9. April gel­ten. Trump beruft sich auf den Inter­na­tio­nal Emer­gency Eco­no­mic Powers Act (IEEPA) aus dem Jahr 1977. Also auf einen Not­stand. Auf die­ser Grund­lage hatte er schon im Februar auf chi­ne­si­sche, mexi­ka­ni­sche und kana­di­sche Waren Zölle ver­hängt. Angeb­lich ging es dabei um Straf­maß­nah­men im Kampf gegen das Opioid Fen­ta­nyl und die ille­gale Einwanderung.

Die jewei­lige Län­der­quote errech­net sich gemäß der fol­gen­den For­mel: das Han­dels­de­fi­zit der USA mit einem bestimm­ten Land wird durch die Gesamt­ex­porte die­ses Lan­des in die USA geteilt und dann hal­biert. Folg­lich kommt Trump auf die 39 respek­tive 20 Pro­zent im Falle der EU: Der Han­dels­über­schuss von 235,6 Mil­li­ar­den Dol­lar wird geteilt durch 605,8 Mil­li­ar­den Dol­lar Exporte. Das ergibt 0,39 – also in der Trump­schen Mathe­ma­tik einen Zoll­satz der EU auf US-Waren von 39 Pro­zent. Der errech­nete Zoll­satz von 39 Pro­zent wird groß­zü­gig hal­biert. Das Resul­tat – zau­ber, zau­ber! – ergibt wie­derum auf­ge­run­det den neuen US-Zoll­satz auf EU-Importe von 20 Prozent.

Offen­bar will die neue Regie­rung der USA mit­tels Zoll­ein­nah­men Steu­er­sen­kun­gen finan­zie­ren. Sie beein­träch­tigt damit aber den Welt­han­del sowie die Indus­trie­pro­duk­tion, nicht zuletzt Gewinne von US-ame­ri­ka­ni­schen Fir­men. Tat­säch­lich aber droht nicht nur eine Rezes­sion der US-Wirt­schaft, son­dern auch eine Finanz­krise, sobald die exor­bi­tan­ten US-Staats­schul­den wegen stei­gen­der Zin­sen nicht mehr zu bedie­nen sind.

Neo­ko­lo­niale Umverteilung

Sehr kleine Han­dels­part­ner wer­den mit hohen Zöl­len trak­tiert, etwa Syrien und Myan­mar. Die här­tes­ten Zölle belau­fen sich auf 50 Pro­zent. Sie tref­fen exem­pla­risch den afri­ka­ni­schen Klein­staat Leso­tho. Leso­tho hat 2,3 Mio Ein­woh­ner und ist voll­stän­dig von der Repu­blik Süd­afrika umschlos­sen. Es gehört zu den ärms­ten Län­dern der Welt. AIDS ist dort das größte Pro­blem, gesund­heit­lich und demo­gra­phisch. Im Jahr 2017 war ein Vier­tel der 15- bis 49-Jäh­ri­gen damit infi­ziert. Zudem belegt Leso­tho laut WHO bei den Sui­zid­ra­ten welt­weit mit Abstand den Spit­zen­platz. Bis­lang kam es in den Genuss des Afri­can Growth and Oppor­tu­ni­ties Act (AGOA). Das ist ein Pro­gramm der US-Regie­rung, das vor­gibt, die Wirt­schaft in Afrika durch zoll­freie Ein­fuh­ren in die USA zu sti­mu­lie­ren, aber alle­mal die Bevöl­ke­run­gen bot­mä­ßig hält. Das Pro­gramm ist im Jahr 2000 beschlos­sen worden.

In Leso­tho wer­den Jeans US-ame­ri­ka­ni­scher Mode­mar­ken von etwa 35.000 Nähe­rin­nen und Nähern pro­du­ziert und in die USA expor­tiert. Im Gegen­zug kom­men nur wenige US-ame­ri­ka­ni­sche Waren in das Land. Folg­lich wird Leso­tho zu den Län­dern gezählt, die laut Trump die USA schlecht behan­deln. Ähn­lich soll es die Insel­gruppe Saint-Pierre und Mique­lon tref­fen, die zu Frank­reich gehören.

Es fol­gen Kam­bo­dscha mit einem Zoll­satz von 49 Pro­zent und Laos von 48 Pro­zent vor Mada­gas­kar mit 47 Pro­zent. Viet­nam muss 46 Pro­zent ver­kraf­ten. In die­sem Land lässt der US-Sport­ar­ti­kel­kon­zern Nike laut Süd­deut­scher Zei­tung (5. April 2025) die Hälfte sei­ner Schuhe und ein Vier­tel der Tex­ti­lien fer­ti­gen. Rech­net man Indo­ne­sien (32 % Zoll) und China (vor drei Wochen noch 34 %, mitt­ler­weile 145 % Zoll) hinzu, sind 95 % der Nike-Pro­dukte von den Zöl­len betrof­fen. Diese Pro­dukte sind für den US-Markt bestimmt. Natur­ge­mäß kann der Nike-Kon­zern kei­ner­lei Inter­esse haben an einer Zoll­po­li­tik, die seine Pro­duk­ti­ons­kos­ten mas­siv erhöht – und steht damit exem­pla­risch für viele Unter­neh­men mit glo­ba­ler Pro­duk­tion (siehe Franz Garn­rei­ter, ISW, „Trumps Zoll­krampf: Schwere Ver­ken­nung der Kapi­tal­in­ter­es­sen“, 11. April 2025).

Weni­ger harte Zölle ste­hen für Groß­bri­tan­nien, Bra­si­lien und Sin­ga­pur auf den Tafeln – Staa­ten, die im ver­gan­ge­nen Jahr Han­dels­de­fi­zite gegen­über den USA auf­wie­sen. Den­noch soll für sie der Basis­zoll­satz von zehn Pro­zent gel­ten.
Zudem gibt es Zölle für bestimmte Waren­grup­pen. Auf alle in die USA impor­tier­ten Autos, ver­sprach Trump, wer­den sie in Höhe von 25 Pro­zent erho­ben. Für Auto­teile soll diese Straf­maß­nahme spä­tes­tens ab 3. Mai grei­fen. Auch die Stahl- und Alu­mi­ni­um­ein­fuh­ren wer­den mit 25 Pro­zent belegt.

Die Reak­tion der Finanzmärkte

Die­ser Ankün­di­gung fol­gen welt­weit prompt Tur­bu­len­zen an den Finanz­märk­ten. Die Bör­sen stür­zen ab. Am 7. April bricht der DAX im frü­hen Han­del um bis zu 10,4 Pro­zent auf 18.489 Punkte ein, kann sich aber wie­der erho­len und zur Mit­tags­zeit sein Minus auf rund vier Pro­zent begren­zen. Doch es ist bereits der dritte tief­schwarze Han­dels­tag in Folge.
In Japan rutschte der Nik­kei-Index um rund sie­ben Pro­zent ab. Beim Dow-Jones-Index beträgt der Abschlag am 9. April 16 Pro­zent. „Steile Tal­fahrt an den Bör­sen“ über­ti­telte die FAZ einen Arti­kel am 10. April.
Am Mon­tag, 7. April, ver­lie­ren Aktien der Deut­schen Bank und der Com­merz­bank mehr als acht Pro­zent. Anle­ge­rin­nen und Anle­ger fürch­ten, dass die US-Zoll­erhö­hun­gen eine glo­bale Rezes­sion aus­lö­sen könn­ten.
Viel Geld wird in die­sen Tagen mit Leer­ver­käu­fen ver­dient. Laut Bloom­berg ver­bu­chen Akti­en­händ­ler, die auf fal­lende Kurse gewet­tet haben, in nur sechs Han­dels­ta­gen knapp 160 Mil­li­ar­den Dol­lar an Gewin­nen, nach­dem der ame­ri­ka­ni­sche Akti­en­markt um mehr als zehn Pro­zent abge­stürzt ist (FAZ 10. April). Es wird zudem gemun­kelt, dass Ban­ken von sin­ken­den Zin­sen bei kur­zen Lauf­zei­ten und anzie­hen­den Ren­di­ten pro­fi­tie­ren, „die auch durch angeb­li­che Ver­käufe des gro­ßen Gläu­bi­gers China her­vor­ge­ru­fen wer­den.“ Die­ses Gerücht aber weist immer­hin auf die hohen Bestände von Anlei­hen, die von Aus­län­dern („Major For­eign Hol­ders of Tre­asury Secu­ri­ties“) gehal­ten wer­den, näm­lich in Höhe von 8817.2 Mil­li­ar­den, also fast 9 Bil­lio­nen Dollar.

Nach Anga­ben des US-Schatz­am­tes ver­fügt allein Japan im Februar 2025 über US-Staats­an­lei­hen in Höhe von 1125.9 Mrd Dollar,

  • die Volk­re­pu­blik China über 784.3 Mrd,
  • Groß­bri­tan­nien 750.3 Mrd,
  • Cayman Islands 417.8 Mrd,
  • Luxem­bourg 412.5 Mrd, …
  • Deutsch­land 103.8 Mrd.

In der Summe sind es („Grand Total“) 8817.2 Mrd Dol­lar („Of Which: For­eign Offi­cial“): 3898.7 Mrd Dol­lar. https://ticdata.treasury.gov/resource-center/data-chart-center/tic/Documents/slt_table5.html

US-Staats­an­lei­hen gel­ten in der Regel als „siche­rer Hafen“ für Anle­ge­rin­nen und Anle­ger, wenn die Akti­en­kurse fal­len. Aber am Diens­tag, 8. April, sind die Kurse an den US-Anlei­he­märk­ten in die Tiefe gerauscht – par­al­lel zu den ein­bre­chen­den Akti­en­kur­sen. Außer­dem gab der Dol­lar nach. Paul Diggle, Chef­öko­nom des bri­ti­schen Ver­mö­gens­ver­wal­ters Aber­deen, zeigt sich alar­miert: „Fal­lende Akti­en­kurse, ein schwä­che­rer US-Dol­lar und zugleich stei­gende Anlei­he­ren­di­ten stel­len eine toxi­sche Kom­bi­na­tion dar. In jedem ande­ren Land würde man dies ver­mut­lich als Staats­krise bezeich­nen.» (Tages­schau online vom 9. April)
Mar­tin Hock am 10. April in der FAZ: „Jede Ära hat ihre Gewiss­hei­ten. Wenn Akti­en­kurse fal­len, kauft man Anlei­hen. Wenn Unsi­cher­heit herrscht, flüch­tet man in den Dol­lar und in Gold. Nun, aus Unsi­cher­heit dar­über, wie sich die Wirt­schafts­ord­nung der Welt und ihre kon­junk­tu­relle Situa­tion ent­wi­ckelt, fehlt es der­zeit gewiss nicht. Nur: Es sind just die USA, von denen aus ein Hur­ri­kan zu kom­men scheint, der über die Welt­wirt­schaft und die Finanz­märkte hin­weg­fe­gen könnte.“

Der Rück­zug

Ange­sichts des­sen zieht Trump die Not­bremse und ver­kün­det am 9. April die Aus­set­zung der umstrit­te­nen neuen Zölle für 90 Tage. Bis auf eine Aus­nahme. Für Ein­fuh­ren aus der Volks­re­pu­blik China, die 2024 einen Han­dels­über­schuss von 992 Mil­li­ar­den Dol­lar erzielte, sol­len die neuen Zölle sogar auf 145 Pro­zent erhöht wer­den. China stei­gert im Gegen­zug die Zölle schritt­weise auf 125 Prozent.

Aber auch die Maß­nah­men gegen China erwei­sen sich als nicht zuende gedacht. Schon zwei Tage spä­ter macht die US-Regie­rung einen wei­te­ren Rück­zie­her. Offen­bar ist auf­ge­fal­len, dass eine ganze Reihe von Elek­tro­nik­ar­ti­keln US-ame­ri­ka­ni­scher Mar­ken in China her­ge­stellt wird, andere wie­derum uner­setz­bare Vor­pro­dukte von Gerä­ten sind, die in den USA oder auf dem Weg dort­hin zusam­men­ge­fügt werden.

Bei­spiels­weise wer­den die meis­ten iPho­nes, Ein­zel­teile und wei­tere Geräte von Apple in China gebaut: 80 % des Apple-Ange­bots. Der Kurs der Apple-Aktie war in den bei­den Tagen nach den Zoll­an­kün­di­gun­gen um 16 % gefal­len, erheb­lich mehr als der übrige Akti­en­markt. Am 7. April stürzte der Kurs noch ein­mal um sechs Pro­zent in die Tiefe. App­les Bör­sen­wert hatte in die­sem Jahr schon mal bei 3,5 Bil­lio­nen Dol­lar gele­gen, am 8. April fiel er auf 2,8 Bil­lio­nen Dol­lar. Dabei gehört Apple-Chef Tim Cook zu den Unter­stüt­zern von Trump, ver­sprach immer wie­der, 500 Mrd Dol­lar in den Hei­mat­markt zu investieren.

Zulie­fe­rer von Apple waren betrof­fen. Nin­tendo und Sony aus Japan sowie einige chi­ne­si­sche Fir­men büß­ten mehr als 10 % ein, aber auch der größte Halb­lei­ter­pro­du­zent der Welt, TSMC aus Tai­wan, ver­lor allein am 7. April 10 % sei­nes Bör­sen­wer­tes.
Nach Trumps Kehrt­wende lis­tet ein Doku­ment der US-Zoll- und Grenz­schutz­be­hörde etwa 20 chi­ne­si­sche Pro­dukte auf, die nun­mehr von den Zoll­erhö­hun­gen aus­ge­nom­men wer­den sol­len, dar­un­ter Smart­phones, Com­pu­ter, Fest­plat­ten, Halb­lei­ter, Flach­bild­schirme. Sol­che Pro­dukte machen etwa 44 % der chi­ne­si­schen Exporte in die USA aus. Künf­tig wird der Zoll­satz wie bis­her 20 % betra­gen. Laut Tages­schau beruft sich die Behörde bei die­ser Aus­nah­me­re­ge­lung auf ein Memo­ran­dum von US-Prä­si­dent Donald Trump vom 11. April. Das Weiße Haus selbst hatte die­ses Memo­ran­dum zu die­sem Zeit­punkt noch nicht veröffentlicht.

Die Wahr­neh­mung der neuen glo­ba­len Kräf­te­ver­hält­nisse ist offen­bar ein schwie­ri­ger, zeit­rau­ben­der und zuwei­len schmerz­haft teu­rer Pro­zess. Mitt­ler­weile machen die Exporte in die USA gerade mal 3 % des chi­ne­si­schen BIP aus. Chi­nas Exporte reprä­sen­tie­ren heute nur noch 19,7 % des BIP, gegen­über 36 % im Jahr 2006. Zum Ver­gleich: In Deutsch­land sind es 43,4 %, Süd­ko­rea: 44 %, USA: 11 %, Japan: 21,8 %, Welt­durch­schnitt: 29,27 % (siehe Con­rad Schuh­ler: USA – China: Beginn eines sehr lan­gen Spiels, 18. April 2025).

Ein wei­te­res Pro­blem, das zuvor nicht bedacht wor­den ist: China pro­du­ziert den größ­ten Teil der welt­wei­ten Sel­te­nen Erden und 90 Pro­zent aller Sel­ten­erd­ma­gnete. Sel­tene Erden sind mitt­ler­weile unent­behr­lich in der Automobil‑, Luft- und Raumfahrt‑, Halb­lei­ter- und nicht zuletzt in der Rüs­tungs­pro­duk­tion. Schon zwei Tage nach dem soge­nann­ten Befrei­ungs­tag hatte China die Liste der kri­ti­schen Roh­stoffe erwei­tert, die ohne Geneh­mi­gung nicht aus­ge­führt wer­den dür­fen.
Expor­teure müs­sen nun beim Han­dels­mi­nis­te­rium Lizen­zen bean­tra­gen, ein Ver­fah­ren, das zwi­schen sechs Wochen und meh­re­ren Mona­ten dau­ern kann. „Wenn den Fabri­ken in Detroit und anderswo die leis­tungs­star­ken Sel­ten­er­de­ma­gnete aus­ge­hen, könnte sie das daran hin­dern, Autos und andere Pro­dukte mit Elek­tro­mo­to­ren zu mon­tie­ren“, schreibt die New York Times.

Der Anlei­he­markt

Es deu­tet sich mitt­ler­weile eine Nie­der­lage der neuen US-Regie­rung in die­sem Zoll­krieg an. Zudem unter­schät­zen Trump und seine Leute die Fra­gi­li­tät des Finanz­sys­tems.
Jerome Powell, Prä­si­dent der ame­ri­ka­ni­schen Noten­bank FED, lehnt es ab, die Kurse am US-Anleihe- und Akti­en­markt zu stüt­zen, auch noch, als am 18. April der Wert­ver­lust der Akti­en­in­di­zes Dow Jones und Nasdaq schon mehr als 20 Pro­zent (ab Februar) beträgt.

Er hatte sich anläss­lich der Zen­tral­bank­sit­zung zwei Tage zuvor skep­tisch zur Lage der US-Wirt­schaft und dem Zoll­streit geäu­ßert. „Die bis­her ange­kün­dig­ten Zoll­erhö­hun­gen sind deut­lich grö­ßer als erwar­tet, und das Glei­che dürfte für die wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen gel­ten, zu denen eine höhere Infla­tion und ein lang­sa­me­res Wachs­tum gehö­ren wer­den.“ Es gebe Hin­weise, dass sich das US-Wachs­tum im ers­ten Vier­tel­jahr im Ver­gleich zum Vor­jahr ver­lang­samt habe. Außer­dem werde der Han­dels­streit höchst­wahr­schein­lich zu einem zumin­dest vor­über­ge­hen­den Anstieg der Infla­tion füh­ren. Unter Hin­weis auf Trumps Zoll­krieg wird von der Zen­tral­bank die Pro­gnose für das Wirt­schafts­wachs­tum von 2,1 Pro­zent (Schät­zung im Dezem­ber) auf 1,7 Pro­zent her­ab­ge­setzt und für die Infla­tion von 2,5 auf 2,7 Pro­zent ange­ho­ben. Den Leit­zins lässt die FED indes unver­än­dert bei 4,25 bis 4,5 Pro­zent. Aber zur Min­de­rung des Rezes­si­ons­ri­si­kos redu­ziert sie ihre Anlei­hen­ver­käufe von jetzt noch 25 Mil­li­ar­den US-Dol­lar monat­lich auf fünf Mil­li­ar­den US-Dollar.

Haupt­in­diz die­ses Risi­kos ist die deut­li­che Wert­min­de­rung der Staats­an­lei­hen. Deren Ren­di­ten stie­gen und erreich­ten in der Spitze 4,51 Pro­zent. Noch am Mon­tag, den 7. April, hat­ten sie weni­ger als 3,9 Pro­zent betra­gen. Wegen der Fest­ver­zin­sung steigt die Ren­dite im Maße der Wert­min­de­rung des Papiers. Und in die­sen Tagen unge­wöhn­lich plötzlich.

Auf die Frage, ob die Noten­bank bei einem Markt­ein­bruch ein­grei­fen würde – ein soge­nann­ter „Fed put“ – ant­wor­tete Powell mit Nein. Am gegen­wär­ti­gen Leit­zins wird fest­ge­hal­ten. Die nächste Ent­schei­dung dar­über steht im Mai an.
US-Prä­si­dent Trump for­dert von Jerome Powell immer wie­der, die hohen Zin­sen zu sen­ken. Aber Powell gehorcht nicht. Trump drängt dar­auf­hin auf seine Ent­las­sung. „Powells Kün­di­gung kann nicht schnell genug kom­men“, schreibt Trump auf sei­ner Platt­form Truth Social am 17. April. Aber sechs Tage spä­ter macht Trump auch dies­be­züg­lich einen Rückzieher.

Aller­dings ist der Kon­flikt mit der FED nur auf­ge­scho­ben. Denn es bleibt bei Trumps Plan „Pro­ject 2025“ (The Heri­tage Foun­da­tion „Man­date for Lea­der­ship 2025: The Con­ser­va­tive Pro­mise“ – „Man­dat zur Füh­rung. Das kon­ser­va­tive Ver­spre­chen“ -, Washing­ton 2023, Seite 732 ff), der eine „Ver­klei­ne­rung der Bilanz der Fede­ral Reserve“ verspricht.

Dort heißt es: Seit der Krise von 2008 hät­ten sich die Ver­mö­gens­werte der Natio­nal­bank explo­si­ons­ar­tig ver­mehrt. Die Fede­ral Reserve besitze gegen­wär­tig fast 9 Bil­lio­nen Dol­lar, haupt­säch­lich Bun­des­schul­den (5,5 Bil­lio­nen Dol­lar) und hypo­the­ka­risch gesi­cherte Wert­pa­piere (2,6 Bil­lio­nen Dol­lar) und es gebe der­zeit keine staat­li­che Auf­sicht über die Arten von Ver­mö­gens­wer­ten, die die Fede­ral Reserve kauft. Ihre Käufe hät­ten zwei wesent­li­che Aus­wir­kun­gen: Sie för­der­ten Bun­des­de­fi­zite und stütz­ten poli­tisch begüns­tigte Märkte, zu denen der Immo­bi­li­en­markt und sogar Unter­neh­mens­schul­den gehö­ren. Mehr als die Hälfte der Defi­zite der COVID-Ära wären durch den Ankauf von Staats­an­lei­hen durch die Fede­ral Reserve mone­ta­ri­siert und die Immo­bi­li­en­kos­ten durch den Ankauf von Hypo­the­ken­pa­pie­ren auf his­to­ri­sche Höchst­stände getrie­ben wor­den. Zusam­men­ge­nom­men sub­ven­tio­niere diese Poli­tik die Staats­ver­schul­dung. Soweit „Pro­ject 2025“.
In der Tat betrug im März 2025 die Staats­ver­schul­dung ins­ge­samt 36,5 Bil­lio­nen US-Dol­lar oder 123 % des Brut­to­in­land­pro­dukts. Vor­aus­sicht­lich dürfte sich ihr Anstieg noch­mals beschleu­ni­gen, plant der US-Prä­si­dent doch weit­rei­chende Steu­er­erleich­te­run­gen. Laut Inter­na­tio­na­lem Wäh­rungs­fonds (IWF) würde die Schul­den­quote (= Höhe der Gesamt­ver­schul­dung im Ver­hält­nis zum Brut­to­in­lands­pro­dukt) der Ver­ei­nig­ten Staa­ten 2025 auf 124,1 Pro­zent stei­gen. Damit wären welt­weit nur sie­ben Län­der höher ver­schul­det als die USA.

Die Auf­he­bung der Schuldenbremse

Zum Ver­gleich: Für Deutsch­land rech­net der IWF mit einer Schul­den­quote von 62,1 Pro­zent in die­sem Jahr. Ohne die Las­ten neuer Kre­dite zahlt der Bund auf der Grund­lage die­ses Schul­den­ni­veaus jetzt schon 40 Mil­li­ar­den Euro pro Jahr an Zin­sen, fast ein Zehn­tel des Bun­des­haus­halts. Aber diese ver­hält­nis­mä­ßig gering erschei­nende Schul­den­last der Bun­des­re­pu­blik lockt gegen­wär­tig Kapi­tal nach Europa. Jeden­falls sind es nicht die Divi­den­den­ren­di­ten, die den Kapi­tal­fluss erklä­ren könn­ten. Der DAX hält sich mitt­ler­weile auf dem Niveau von vor dem 2. April. Womög­lich infolge der Auf­he­bung der Schuldenbremse.

Am 18. März 2025 hatte der abge­wählte und nur zu die­sem Zweck zusam­men­ge­ru­fene alte Bun­des­tag die Auf­he­bung der Schul­den­bremse mit den Stim­men der Grü­nen beschlos­sen. Knapp gesagt, sind soge­nannte Son­der­ver­mö­gen beschlos­sen worden.

  1. Für Infra­struk­tur eine halbe Bil­lion Euro,
  2. fürs Mili­tär belie­big viel, sobald es über ein Pro­zent des BIP, etwa 44 Mrd Euro, hinausgeht.
  3. Auch die Bun­des­län­der kön­nen Kre­dite in Höhe von 0,35 Pro­zent des BIP auf­neh­men (umge­rech­net etwa 15 Mrd Euro).

Finan­ziert wird die­ses Paket in der geschätz­ten Höhe von 1,8 Bil­lio­nen Euro durch Staatsanleihen.

Bemer­kens­wert ist, dass der Kre­dit­be­darf quan­ti­fi­ziert wor­den ist, bevor die angeb­lich drin­gen­den Maß­nah­men der Auf­rüs­tung und sol­che der Infra­struk­tur ein­zeln erör­tert, poli­tisch aus­ge­han­delt und ihre Kos­ten addiert wor­den sind.

Das fiel André Berg­heg­ger (CDU) auf, seit eini­gen Mona­ten Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Deut­schen Städte- und Gemein­de­bun­des. Er wurde in der Köl­ni­schen Rund­schau zu den Son­der­ver­mö­gen inter­viewt (22. März 2025). Frage: „Was ist eigent­lich mit Refor­men und Ein­spa­run­gen – braucht es diese nach den Beschlüs­sen die­ser Woche nicht mehr?“ – „So wird es nicht kom­men! Ja, der alte Bun­des­tag hat den Weg für eine höhere Ver­schul­dung für die not­wen­di­gen Inves­ti­tio­nen frei gemacht. Die künf­tige Regie­rung muss nun im neuen Bun­des­tag Refor­men ange­hen und kon­so­li­die­ren. Denn ein Stroh­feuer durch Inves­ti­tio­nen macht uns nicht hand­lungs­fä­hig. Zuge­ge­ben, die Rei­hen­folge mag merk­wür­dig erschei­nen, das stimmt wohl. Aber ange­sichts der gege­be­nen Mehr­hei­ten war es nicht anders möglich.“

Statt­des­sen wird als ers­tes der Gesamt­um­fang der Fonds fest­ge­legt, aus denen die Inves­ti­tio­nen bezahlt wer­den sol­len. Das ist ver­rä­te­risch. Das am 21. März im Bun­des­rat durch­ge­wun­kene Finanz­pa­ket von 1,8 Bil­lio­nen Euro oder mehr trägt offen­bar nicht so sehr spe­zi­fi­schen Vor­ha­ben maß- und plan­voll Rech­nung, son­dern dem Druck über­ak­ku­mu­lier­ter Kapi­tal­mas­sen, deren Eigen­tü­me­rin­nen und Eigen­tü­mer ren­tier­li­che Anla­ge­ge­le­gen­hei­ten und ein Min­dest­maß an staat­lich garan­tier­ter Ver­wer­tung erwar­ten. Kurz: den Zwän­gen der schon lange schwä­ren­den Über­pro­duk­ti­ons­krise. Der Flut anla­ge­su­chen­den Geld­ka­pi­tals wer­den staat­li­cher­seits Fonds, Son­der­töpfe, Son­der­ver­mö­gen und ähn­li­ches ange­bo­ten. Sie sol­len vor der fäl­li­gen Ent­wer­tung ret­ten. Schon die geschei­terte Ampel­re­gie­rung hatte sol­che Son­der­ver­mö­gen bereit gestellt – vor­ne­weg eins für Auf­rüs­tung mit 100 Mrd Euro, aber am Ende stan­den 29 Son­der­töpfe parat.

Diese Form der Kri­sen­be­wäl­ti­gung hat Züge von Panik. Alle­mal ist sie zu kurz gedacht. Denn der Ver­wer­tungs­zwang wie­der­holt sich in kur­zer Frist auf neuer Stufe. Die Kri­sen­er­schei­nun­gen meh­ren sich. Über­schüs­si­ges Kapi­tal drängt in die Rüs­tung und zum Krieg. Das Finanz­we­sen gehört in Gemein­ei­gen­tum, damit es dem Frie­den die­nen kann.

Klaus, MV der DKP Köln Innen­stadt, 28. April 2025


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