Her­mann Kesten

Hermann Kesten. Foto um 1935.

Lite­ra­tur­abend mit Peter Schmoele

DKP Köln-Innen­stadt

Mon­tag, 16. Novem­ber 2026, 19.30 Uhr

Halle Kar­täu­ser­wall 18 (Hin­ter­hof)

Her­mann Kesten

Her­mann Kes­ten wurde am 28. Januar 1900 in Pod­wo­loc­zyska (Österreich/Ungarn, in Gali­zien) heute Ukraine in einer assi­mi­lier­ten jüdi­schen Fami­lie gebo­ren. 1904 über­sie­delte die Fami­lie nach Nürn­berg. Der Vater starb im ers­ten Welt­krieg in einem Kriegs­la­za­rett in Lub­lin (Rus­sisch-Polen).
Kes­ten stu­dierte in Frankfurt/Main zwi­schen 1919 – 1923 Jura, Natio­nal­öko­no­mie, Geschichte, Ger­ma­nis­tik und Phi­lo­so­phie. 1922 stu­diert Kes­ten mit Fritz Lands­hoff und wurde durch des­sen Emp­feh­lung 1927 Lek­tor im Kie­pen­heuer Ver­lag. Der dritte Ger­ma­nist war Wal­ter Land­auer, der kauf­män­ni­sche Abtei­lungs­lei­ter des Kie­pen­heuer Ver­la­ges.
1926 Ver­öf­fent­li­chung des Romans Josef sucht die Frei­heit.
In den zwan­zi­ger Jah­ren lernt Kes­ten die Schrift­stel­ler Tho­mas und Hein­rich Mann, Erich Käst­ner, Kisch, Anna Seg­hers, Joseph Roth, Ernst Tol­ler u.a. ken­nen.
Im März 1933 greift Kes­ten die neue Nazi­re­gie­rung im Ber­li­ner Rund­funk an mit dem Satz: Denn wir glau­ben nicht, dass Dis­kre­tion von den regie­ren­den Mör­dern belohnt würde.
Danach Emi­gra­tion nach Hol­land und Frank­reich.
Auf­bau des Exil­ver­la­ges Allert de Lange in Ams­ter­dam.
Er schreibt in der Samm­lung der Zei­tung von Klaus Mann. In Nizza woh­nen Hein­rich Mann, Her­mann Kes­ten, Joseph Roth und ihre Frauen zusam­men in „einer lite­ra­ri­schen Wohn­ge­mein­schaft.“ In meh­re­ren Roma­nen beschreibt Kes­ten die Spa­ni­sche Inqui­si­tion (Fer­di­nand und Isa­bella, und Ich, der König. König Phil­ipp II. von Spa­nien. ) 1939/40 gelangt Kes­ten durch ein Besu­cher­vi­sum in die USA. Er ret­tet tau­sende Schrift­stel­ler, Bild­hauer, Archi­tek­ten, Maler und arbei­tet eng mit der ame­ri­ka­ni­schen Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tion ERC (Emer­gency Res­cue Com­mit­tee; Varien Frey) zusam­men.
Nach dem zwei­ten Welt­krieg lässt sich Kes­ten in Rom nie­der. Er möchte nicht in die Bun­des­re­pu­blik über­sie­deln. Zahl­rei­che ehe­ma­lige Nazis arbei­ten in Ade­nau­ers Regie­rung (Globke, Theo­dor Ober­län­der) Teile der Gruppe 47 bezeich­nen Exil­li­te­ra­tur als nicht wirk­lich deut­sche Lite­ra­tur (Rich­ter). Mit dem Coper­ni­kus­ro­man gelang Kes­ten ein Roman der Ver­nunft und Aber­glau­ben gegen­über­stellt. 1977 stirbt seine Frau Toni Kesten.

Die letz­ten Jahre ver­bringt Kes­ten in einem jüdi­schen Alten­heim und stirbt 1996.

Peter Schmoele

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