Land­tags­wah­len im Sep­tem­ber 2026

Die Wahleergebnisse der Landtagswahl vom 28.09.26 in Berlin.




Sach­sen-Anhalt • Meck­len­burg-Vor­pom­mern • Abge­ord­ne­ten­haus in Berlin

Sach­sen-Anhalt

Am 6. Sep­tem­ber haben 77,8 % der Wahl­be­rech­ti­gen in Sach­sen-Anhalt von ihrem Wahl­recht Gebrauch gemacht. Die AfD kam auf 43,8 % der Zweit­stim­men. Das ist eine Stei­ge­rung im Ver­hält­nis zur Wahl 2021 von 23 % und darf als Erd­rutsch gel­ten. Die CDU ver­lor ent­spre­chend. Sie kam noch auf 17,2% der Stim­men, ver­lor somit 19,9%.
Mit Aus­nahme des Wahl­krei­ses Halle III war die AfD in allen Wahl­krei­sen die Par­tei mit den meis­ten Zweit­stim­men. In sie­ben Wahl­krei­sen im Süden des Bun­des­lan­des ent­fie­len über die Hälfte der abge­ge­be­nen gül­ti­gen Stim­men auf die AfD. 
Nach­dem die AfD bei der vor­he­ri­gen Wahl 2021 nur ein ein­zel­nes Direkt­man­dat gewon­nen hatte, 
ver­drängte sie nun die CDU in fast allen Wahl­krei­sen und gewann 38 Wahl­kreis­man­date. Elf Kan­di­da­ten wur­den dabei mit einer abso­lu­ten Mehr­heit gewählt. 
Fried­rich Merz war so leicht­fer­tig und hatte zuvor schon Ver­ant­wor­tung für das Abschnei­den der AfD über­nom­men. Er ver­sprach, ihren Stim­men­an­teil zu hal­bie­ren. Tat­säch­lich aber hat er ihn ver­dop­pelt, dafür den der CDU halbiert. 
Ein ähn­li­ches Kunst­stück hatte sei­ner­zeit Ger­hard Schrö­der voll­bracht. Im Sep­tem­ber 1998 erhielt die SPD bei den Bun­des­tags­wah­len 20 Mio Stim­men, nach Hartz IV ver­blie­ben ihr gerade mal 9,9 Millonen. 
Die SPD in Sach­sen-Anhalt konnte sich bei 9,2% der Stim­men (Ver­lust 0,9%) hal­ten. Die Grü­nen kamen (plus 3%) auf 8,9%. Die Links­par­tei blieb mit 8,6% unter den 11% von 2021. Offen­bar ver­lor sie an das BSW, das mit 5,3% dem Ein­zug in den Land­tag geschafft hat. 
Fried­rich Merz und seine Regie­rungs­ko­ali­tion sind in der Tat für den Erfolg der AfD haft­bar zu machen. Der Herbst der Refor­men gerät zum Herbst der CDU, aber zum Früh­ling für die AfD. 
Der ver.di-Vorsitzende Frank Wer­neke warnte am 21. Sep­tem­ber davor, der AfD in Sach­sen-Anhalt zur Regie­rungs­macht zu ver­hel­fen und kün­digte poli­ti­sche Ein­mi­schung an: «Wenn wir uns in die Poli­tik ein­mi­schen, machen wir das für unsere Mit­glie­der. Wir haben Mit­glie­der im öffent­li­chen Dienst, im Gesund­heits­we­sen, an ganz vie­len Stel­len, die natür­lich ganz unmit­tel­bar davon betrof­fen sind, was sich poli­tisch tut, ob die Kom­mu­nen aus­rei­chend finan­ziert sind oder nicht, ob das Gesund­heits­we­sen aus­rei­chend finan­ziert ist oder nicht. Wenn ich an die Paket­zu­stel­lung denke, ob Pakete über 20 Kilo geschleppt wer­den müs­sen oder nicht. Das alles sind poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen, und des­halb mischen wir uns ganz selbst­ver­ständ­lich in die Poli­tik ein. Und übri­gens nicht nur in Details der Arbeits­welt, son­dern auch für eine demo­kra­ti­sche und viel­fäl­tige Gesell­schaft. Denn wenn die Rech­ten hier die Macht über­neh­men, dann ist es mit den Gewerk­schaf­ten vor­bei.»
Wer­neke bekräf­tigte, dass ver.di an der Seite ihrer Mit­glie­der und aller Beschäf­tig­ten in Sach­sen-Anhalt stehe und sie gegen jede Form arbeit­neh­mer­feind­li­cher Poli­tik schüt­zen werde. So hatte die AfD einen Per­so­nal­aus­tausch bis tief in den öffent­li­chen Dienst ange­kün­digt, um mög­li­chen Wider­stand zu bre­chen und durch­re­gie­ren zu kön­nen – zudem ist laut Pro­gramm ein mas­si­ver Stel­len­ab­bau samt Spar­dik­tat geplant. «Wir wer­den uns sol­chen Maß­nah­men mit gro­ßer Ent­schlos­sen­heit ent­ge­gen­stel­len», so Frank Werneke. 

Meck­len­burg-Vor­pom­mern

Am 20. Sep­tem­ber wurde in Meck­len­burg-Vor­pom­mern (MV) und in Ber­lin das Deba­kel für die CDU noch deut­li­cher. Die Wahl­be­tei­li­gung war auch in MV mit 78,1% auf Rekord­höhe. Der CDU, die noch fünf Jahre zuvor auf auf 120.000 Stim­men gekom­men war, folg­ten jetzt nur noch 50.000 Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler (prä­zis: 121.583 Stim­men = 13,3% vor fünf Jah­ren, vor acht Tagen 49.629 Stimmen). 
Am Wahl­abend, kurz nach 18.00 Uhr, hatte Fried­rich Merz in einer klei­nen Anspra­che ans Volk das zu erwar­tende Ergeb­nis als Kata­stro­phe cha­rak­te­ri­siert. Er sei fest ent­schlos­sen, trotz­dem sein Pro­gramm durch­zu­zie­hen. Zu die­sem Zeit­punkt lagen die Pro­gno­sen für die CDU bei 5,5%. Im Laufe des Abends rutschte die­ser Wert aber peu à peu in den Kel­ler, um schließ­lich bei 4,9% zu ver­har­ren. Die CDU MV flog aus dem Land­tag. Ein Aus­ru­fe­zei­chen. Aber auch in MV hat sich die Zustim­mung für die AfD mit 38,2% der Stim­men (2021: 16,7%) ver­dop­pelt, die SPD erhielt noch 35,5% (zuvor 39,6%), die Linke ist von 9,9% auf 6,5% gefal­len, die Grü­nen von 6,3% auf 5,7%. Das BSW kam mit 4,8% nicht in den Land­tag von Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Von den 71 Sit­zen dort ver­fügt die AfD über 32, die SPD 29, Linke und Grüne jeweils 5. 36 sind für eine Mehr­heit nötig. Wahr­schein­lich wird Manuela Schwe­sig Minis­ter­prä­si­den­tin bleiben. 

Ber­lin

Auch bei der Wahl zum Ber­li­ner Abge­ord­ne­ten­haus war die Wahl­be­tei­li­gung hoch: 74,2%. 1,8 Mio von 2,5 Mio Wahl­be­rech­tig­ten (1.846.170 von 2.487.318) haben gewählt, etwa 300.000 mehr als am 12. Februar 2023. Auf die Linke ent­fie­len 25,7% (vor­her 12,2%), sie erreichte 47 Sitze im Abge­ord­ne­ten­haus, auf die CDU ent­fie­len 18,8% (vor­her 28,2%), das ergibt 34 Sitze, die AfD kommt auf 16,3% (von 9,1%) und 29 Sitze, Grüne mit 14,3% (nach 18,4%) auf 26 Sitze. Die SPD erhielt mit 12,1% (nach 18,4%) 22 Sitze. Das BSW bleibt mit 4,7% draußen. 
80 Sitze sind zur Mehr­heit nötig, 95 kämen mit Links­par­tei, Grü­nen und SPD zustande, aber es würde rech­ne­risch auch für eine Koali­tion von CDU, SPD und Grü­nen rei­chen. 82 Sitze wären dazu nötig. Daran wird gegen­wär­tig noch ein wenig gebas­telt, weil die Mehr­heit der Medien, aber auch starke poli­ti­sche Kräfte in Ber­lin und anderswo gegen eine linke Koali­tion sind. Vor allem wäre ihr zuzu­trauen, dass sie das Pro­gramm der Initia­tive «Deut­sche Woh­nen ent­eig­nen» umsetzt. Linke und Grüne hat­ten damit gewor­ben. Die Angst davor lässt jede Scham­haf­tig­keit, ins­be­son­dere bei der Haupt­stadt­presse, aber auch der über­re­gio­na­len Presse schwin­den. Die SPD hofft, mit dem sehr durch­sich­ti­gen Anti­se­mi­tis­mus-Vor­wurf, wahl­weise der dro­hen­den Zusam­men­ar­beit mit Kri­mi­nel­len, die Linke zum Ver­zicht auf die Ver­ge­sell­schaf­tung gro­ßer Woh­nungs­kon­zerne bewe­gen zu kön­nen. Unter­des­sen kur­siert eine Unter­schrif­ten­liste einer wach­sen­den Anzahl von Jüdin­nen und Juden in Ber­lin, die gegen die Dif­fa­mie­rung der Links­par­tei protestieren. 

Nach­wahl­be­fra­gun­gen

Inter­es­sant sind die Ant­wor­ten der Wäh­ler, wenn sie nach den ent­schei­den­den The­men befragt wer­den. Die FAZ vom 22. Sep­tem­ber berich­tet von den Nach­wahl­be­fra­gun­gen. Als wich­tigste Auf­gabe für Meck­len­burg-Vor­pom­mern wurde die soziale Sicher­heit genannt. 91 % der Befrag­ten gaben an, unzu­frie­den mit der Arbeit der Regie­rungs­ko­ali­tion in Ber­lin zu sein, nur sie­ben Pro­zent seien zufrie­den – noch mal vier Pro­zent weni­ger als in Sach­sen-Anhalt. 86 % äußer­ten ihre Ent­täu­schung über Ver­spre­chun­gen, die vor der Wahl aus­ge­spro­chen, aber nicht ein­ge­hal­ten wur­den. Neun von 10 Befrag­ten kri­ti­sier­ten dabei vor allem die hohen Sprit­preise. Die AfD habe, so die FAZ, im Wahl­kampf vehe­ment dafür gewor­ben, die Pipe­line Nord Stream 2 wie­der zu öff­nen und Gas aus Russ­land zu impor­tie­ren. Damit habe sie rich­tig gele­gen. Denn mehr als die Hälfte der Befrag­ten plä­dierte dafür, wie­der bes­sere Bezie­hun­gen zu Russ­land auf­zu­bauen. 47 Pro­zent gaben an, sich daran zu stö­ren, dass Manuela Schwe­sig so klar auf­sei­ten der Ukraine stehe. Viel Zuspruch indes bekam Schwe­sig, wenn sie der Bun­des­re­gie­rung ent­ge­gen­trat. Die Pfle­ge­re­form kri­ti­sierte sie als unmensch­lich, das Ende des Tan­kra­batts als fatal. Noch im Sep­tem­ber warf sie Kanz­ler Fried­rich Merz mit Blick auf die Ren­ten­re­form ein «Bas­ta­po­li­tik» vor. Diese Kon­fron­ta­tion Schwe­sigs mit der Bun­des­re­gie­rung fan­den drei Vier­tel der Befrag­ten gut. 
Nach­wahl­be­fra­gun­gen zu den The­men Kriegs­er­tüch­ti­gung, Wehr­pflicht und Auf­rüs­tung waren offen­bar nicht von Inter­esse – oder sie sind nicht publi­ziert worden. 

Die Mie­ten in Berlin

Die hohe Zustim­mung in Ber­lin für die Linke von 25,7% kam, so wird behaup­tet, uner­war­tet. Ihr Wahl­kampf wurde nicht von Kan­di­da­ten domi­niert, son­dern von The­men – genauer: den Miet­prei­sen. Laut For­schungs­guppe Wah­len war der Woh­nungs­markt für mehr als die Hälfte der Ber­li­ner das drän­gendste Pro­blem. Die FAZ (22. Sep­tem­ber 2026): «Die Par­tei bot Sprech­stun­den für die Prü­fung von Miet­erhö­hun­gen an, warb für Heiz­kos­ten­checks, pla­ka­tierte ‹Miet­ab­zo­cke stop­pen›.» Eine deut­li­che Mehr­heit traue es am ehes­ten den Lin­ken zu, für bezahl­ba­ren Wohn­raum zu sor­gen. Über­haupt war in Ber­lin die Poli­tik der Bun­des­re­gie­rung weni­ger ent­schei­dend. Zwar sei man in Ber­lin mit der Bun­des­re­gie­rung eben­falls nicht zufrie­den, doch viel wich­ti­ger schie­nen die eige­nen Pro­bleme. Mehr als zwei Drit­tel gaben in den Nach­wahl­be­fra­gun­gen an, das Gesche­hen in ihrer Stadt sei für ihre Ent­schei­dung maß­geb­lich gewe­sen. Nur 19 Pro­zent waren mit der Senats­ar­beit zufrieden.
Elif Eralp von der Links­par­tei wird zitiert: «Ich habe immer gesagt, wir arbei­ten ab Tag eins an der Ver­ge­sell­schaf­tung.» Das sei vor allem bei jun­gen Wäh­lern gut ange­kom­men. «Junge Ber­li­ner bis 24 Jahre, die sich 2023 noch mehr­heit­lich für die Grü­nen ent­schie­den hät­ten, stimm­ten jetzt über­wie­gend für die Links­par­tei.»Aber auch in der nächst­hö­he­ren Alters­ka­te­go­rie stimm­ten 40% für die Links­par­tei, wie sich Schö­nen­born am Wahl­abend mehr­fach ver­neh­men ließ.

Am 13. Sep­tem­ber haben Kom­mu­nal­wah­len in Nie­der­sach­sen statt­ge­fun­den – auf deren Aus­wer­tung habe ich ver­zich­tet, zumal die Ergeb­nisse der Stich­wah­len noch ausstehen.
Die FDP ist nir­gendwo in den Land­tag bzw. ins Abge­ord­ne­ten­haus gewählt worden. 
Lei­der ist mir auch noch nicht bekannt, ob, wo, wie und mit wel­chem Ergeb­nis die DKP kan­di­diert hat. 

Klaus, Mit­glie­der­ver­samm­lung der DKP Köln Innen­stadt, 28. Sep­tem­ber 2026 

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