TTIP im Köl­ner Stadtrat

Live­ti­cker vom Beschwerde-Ausschuss

17. März 2015

Zum ers­ten Mal hat der Köl­ner Stadt-Anzei­ger live aus dem Beschwerde-Aus­schuss der Stadt Köln berich­tet. Es ging um Dia­be­ti­ker­warn­hunde, KVB-Roll­trep­pen, eine Bür­ger­wehr für Pro­blem-Veedel und TTIP.

+++ 19.26 Uhr Streit um TTIP, bevor es über­haupt losgeht +++

Bevor der letzte Antrag des Tages ver­han­delt wer­den soll, krie­gen sich die Aus­schuss-Mit­glie­der in die Haare. Zwei Bür­ge­rin­nen haben den Antrag gestellt, dass der Stadt­rat dem Frei­han­dels­ab­kom­men TTIP nicht zustim­men soll, da es auf unzu­läs­sige Weise in die kom­mu­nale Selbst­ver­wal­tung eingreife.

Ein Mit­glied der CDU ver­langt, dass das nächste Thema nicht hier behan­delt wird, son­dern direkt in den Rat ver­wie­sen wer­den soll. Jetzt wird die Frage auf­ge­wor­fen, warum heute über­haupt im Beschwer­de­aus­schuss dar­über gespro­chen wer­den solle.

+++ 19.33 Uhr Antrag­stel­le­rin­nen kom­men nicht zu Wort +++

»Jetzt haben wir uns voll­kom­men umsonst vor­be­rei­tet, haben umsonst hier zwei Stun­den gewar­tet? Ich denke das ist ein Bür­ger-Aus­schuss hier!« Die Antrag­stel­le­rin regt sich auf. Die Aus­schuss-Mit­glie­der haben mit einer knap­pen Mehr­heit von CDU und SPD dafür gestimmt, den Antrag in den Rat zu über­wei­sen. Die Antrag­stel­ler-innen sind nicht begeis­tert, da sie befürch­ten, dass dort ledig­lich die Vor­lage der Ver­wal­tung dis­ku­tiert wird. Die ist ihnen nicht kon­se­quent genug und ließe zu viele Schlupf­lö­cher. Außer­dem haben sie als Bür­ge­rin­nen im Rat kein Rederecht.

+++ 19.46 Uhr TTIP wan­dert in den Rat +++

Der Antrag wird im Sinne der Bür­ger­initia­tive an den Stadt­rat über­wie­sen. Dort dür­fen die Antrag­stel­le­rin­nen dann aus­nahms­weise reden, jeden­falls lau­tet so die Emp­feh­lung des Aus­schus­ses. Auf Umwe­gen haben die Antrag­stel­le­rin­nen also sogar eine noch grö­ßere Platt­form bekommen.

Quelle: Köl­ner Stadt-Anzei­ger, 17.03.2015

Heute haben wir echt etwas Beson­de­res erlebt:

Nach zwei­ein­halb Stun­den des War­tens waren wir vom Köl­ner Bünd­nis »No-TTIP« end­lich dran: Chris­tine Rei­ni­cke und Ange­lika Link-Wil­den saßen am Tisch der Antrag­stel­le­rin­nen – mit Wolf­gang Rei­ni­cke-Abel in Beglei­tung – um end­lich den Bür­ger­an­trag vorzustellen.

Dann kam er, der Geschäfts­ord­nungs­an­trag der CDU: Die Peten­tin­nen soll­ten kein Rede­recht erhal­ten, man wollte sich nicht zwei­mal mit dem Bür­ger­an­trag befas­sen, die Frak­tio­nen hät­ten sich im Hin­ter­grund dar­auf geei­nigt, dass im Rat nächste Woche Diens­tag der Bür­ger­an­trag behan­delt wer­den würde und des­we­gen müsste sich der Beschwer­de­aus­schuss nicht auch noch mit dem Bür­ger­an­trag befassen!

Was war pas­siert? Es gab eine Initia­tive von Jörg Frank, dem Frak­ti­ons­ge­schäfts­füh­rer der Grü­nen, nach der der Beschwer­de­aus­schuss ent­schei­den sollte, dass auf der nächs­ten Rats­sit­zung sowohl unser Bür­ger­an­trag als auch die Ver­wal­tungs­vor­lage an den Rat ver­wie­sen wer­den sollte, damit diese bei­den Vor­la­gen dann zur wei­te­ren Befas­sung und Ent­schei­dung im Sinne unse­rer Bür­ger­ein­gabe im Rat der Stadt Köln behan­delt wer­den kön­nen. Wir erhiel­ten zwar kein Rede­recht beim Beschwer­de­aus­schuss, aber auf Antrag eines Mit­glie­des der Par­tei »Meine Freunde« hat der Beschwer­de­aus­schuss beschlos­sen – offen­sicht­lich in spä­ter Erkennt­nis über die Trag­weite ihrer Ent­schei­dung uns nicht im Aus­schuss reden zulassen‑, dass wir im Rat ein Rede­recht erhal­ten sol­len; über das Rede­recht des Rates ent­schei­det zwar der Ober­bür­ger­meis­ter, man zeigte sich aber zuver­sicht­lich, dass wir es erhal­ten werden.

Wie es wei­ter geht mit unse­rem Bür­ger­an­trag, kann man im Moment nicht abse­hen, den­noch ist es bereits ein gro­ßer Ach­tungs­er­folg, dass unser Antrag mit den Stim­men von CDU, SPD, Grüne und die Par­tei »Die Linke« bei einer Gegen­stimme der FDP-Ver­tre­te­rin in den Rat der Stadt Köln zur wei­te­ren Behand­lung gelangt ist…und das mit der Mög­lich­keit, unse­ren Antrag dort noch­mals zu begründen.

Die Beschluss­vor­lage der Ver­wal­tung bezieht sich auf die kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bände, die die Abkom­men – so wie wir – nicht ableh­nen, son­dern diese kon­struk­tiv beglei­ten und ver­än­dern wol­len. Wir sind nun sehr gespannt, wie das jetzt im Rat aus­se­hen wird: Inwie­fern es zwei Anträge geben wird (unse­ren Bür­ger­an­trag und die Vor­lage der Ver­wal­tung) oder eine gemein­same Reso­lu­tion der Frak­tio­nen der SPD, der Grü­nen, der Par­tei »Die Linke« und der Pira­ten. Der Köl­ner Stadt-Anzei­ger ver­folgte das Gesche­hen inter­es­siert (s. Live­ti­cker) und

möchte mit uns als Bünd­nis ins Gespräch zu kom­men… Schauen wir mal, wie es wei­ter geht, nun müs­sen sie sich mit unse­ren Bür­ger­an­trag auseinandersetzen!

Das nenn› ich mal einen poli­ti­schen Etappensieg!

Wolf­gang Reinicke-Abel