Armuts­pro­gramme wer­den scheitern

Wie aus einer aufgeklappten Bodenluke herausschauend, erscheint Seismos mit entblößtem Oberkörper im Profil. Die linke Hand hat er zur Faust geballt, mit der rechten hält er sich die Nase zu.

Max Beck­mann, „2. Akt / Klas­si­sche Wal­pur­gis­nacht / Seis­mos / «das habe ich ganz / allein ver­mit­telt»“, 1943–1944
Eigen­tum: Bun­des­re­pu­blik Deutschland/Land Hes­sen (Dau­er­leih­gabe: III-15029/063): «Klas­si­sche Wal­pur­gis­nacht. 2. Akt: Seis­mos: Das hab’ ich ganz allein ver­mit­telt!», 2025-08-30 03:29:54 (CC0 @ Freies Deut­sches Hoch­stift / Frank­fur­ter Goe­the-Museum, abge­ru­fen am: 2026-05-20)

 

Wo blei­ben die Mil­li­ar­den?
Macht man sich den Spaß und gibt in die Such­leiste der FAZ den Begriff Sozi­al­kahl­schlag ein, so fällt das Ergeb­nis doch ein wenig über­ra­schend aus. Aus­ge­spuckt wird der­zeit ledig­lich ein Arti­kel zum Thema Büro­kra­tie­ab­bau mit dem Titel «Wie der Staat bes­ser funk­tio­nie­ren soll» vom 8. April 2025 vor dem Hin­ter­grund der Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen zwi­schen CDU und SPD. Des­sen Autoren bekla­gen zu viel Büro­kra­tie, zu wenig Digi­ta­li­sie­rung, zu lange Ver­fah­ren und eine atem­lose Gesetz­ge­bung – die alt­be­kannte Weh­klage aus Wirt­schafts­krei­sen, bür­ger­li­chen Medien und Par­teien, hin­ter der sich vor allem der Wunsch nach weni­ger Sozi­al­staat ver­birgt.
«Wir müs­sen über­all effi­zi­en­ter, ziel­ge­nauer und pro­fes­sio­nel­ler wer­den», wird der SPD-Co-Vor­sit­zende und Finanz­mi­nis­ter Lars Kling­beil zitiert. Es brau­che einen Men­ta­li­täts­wech­sel in Deutsch­land. Sonst wür­den auch die 500 Mil­li­ar­den Euro, die in den nächs­ten Jah­ren in die Infra­struk­tur inves­tiert wer­den sol­len, nicht auf Straße und Schiene kom­men.
Begrüßt wird, dass sich die spä­te­ren Koali­tio­näre darin einig seien, dass die Staats­mo­der­ni­sie­rung samt Struk­tur­re­for­men die zen­trale Auf­gabe der schwarz-roten Regie­rung sein muss. Es wird aller­dings auch Kon­flikt­po­ten­tial aus­ge­macht und der SPD-Füh­rung unter­stellt, da Sozi­al­kahl­schlag zu wit­tern, wo die Union «auch mal mit radi­ka­le­ren Maß­nah­men den Kno­ten zer­schla­gen» will.

Was ist aus den von Lars Kling­beil bereits im Zusam­men­hang mit den Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen ange­spro­che­nen 500 Mil­li­ar­den Euro gewor­den?
Die­ses soge­nannte Son­der­ver­mö­gen, ein schul­den­fi­nan­zier­tes Infra­struk­tur­pro­gramm, wurde noch vom alten Bun­des­tag in einer Son­der­sit­zung mit der für die fäl­lige Grund­ge­setz­än­de­rung nöti­gen Zwei­drit­tel-Mehr­heit von CDU, SPD und Grüne beschlos­sen und in einer Summe von 500 Mrd. Euro aus­ge­stat­tet. 100 Mil­li­ar­den davon waren expli­zit für die Län­der und Kom­mu­nen vor­ge­se­hen. Das Geld soll schritt­weise in einem Zeit­raum von 12 Jah­ren an die Län­der aus­be­zahlt wer­den, die min­des­tens 60 % davon an die Kom­mu­nen wei­ter­zu­lei­ten haben. Dar­über hin­aus wurde den Bun­des­län­dern ermög­licht, Kre­dite in Höhe von 0,35 Pro­zent des BIP auf­neh­men, umge­rech­net etwa 15 Mrd. Euro. Das reichte schon nicht aus, das Defi­zit von 31,9 Mil­li­ar­den Euro, das die Kom­mu­nen im ver­gan­ge­nen Jahr ein­ge­fah­ren haben, aus­zu­glei­chen. Für die­ses Jahr droht gar ein Defi­zit in Höhe von 100 Mil­li­ar­den. Die kom­mu­nale Gesamt­ver­schul­dung erreichte Ende 2024 bereits auf­grund von Inves­ti­ti­ons- und zin­steu­ren Kas­sen­kre­di­ten die vor­läu­fige Rekord­höhe von 343 Mrd. Euro.
Mit dem Geld aus dem Son­der­ver­mö­gen soll­ten die Stra­ßen, Brü­cken, Schu­len, Uni­ver­si­tä­ten und For­schungs­ein­rich­tun­gen saniert, die digi­tale Infra­struk­tur ver­bes­sert und das Breit­band­netz aus­ge­baut wer­den. Außer­dem soll­ten damit Kli­ma­schutz­maß­nah­men wie die ener­ge­ti­sche Sanie­rung von Gebäu­den, der Aus­bau der erneu­er­ba­ren Ener­gien, Moder­ni­sie­rung der Strom­netze und För­de­rung von Ener­gie­spei­cher­tech­no­lo­gien bezahlt wer­den. Allein diese Auf­lis­tung zeigt, in wel­chem Aus­maß die öffent­li­chen Auf­ga­ben in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten ver­nach­läs­sigt wor­den sind und rela­ti­viert die auf den ers­ten Blick hohe Summe. Das Deut­sche Insti­tut für Urba­nis­tik bezif­fert den kom­mu­na­len Inves­ti­ti­ons­stau auf inzwi­schen über 215 Mil­li­ar­den. Laut GEW feh­len 130 Mil­li­ar­den allein im Bil­dungs­be­reich. Schon damals war abzu­se­hen, dass das Geld bei den Kom­mu­nen nicht ankom­men wird und allen­falls in Infra­struk­tur­maß­nah­men fließt, die der Kriegs­be­fä­hi­gung die­nen. Ein Bei­spiel ist die geplante Sanie­rung der Auto­bahn­brü­cke Köln-Roden­kir­chen, denn sie soll Pan­zer und schwe­res mili­tä­ri­sches Gerät tra­gen kön­nen.
Laut Bun­des­rech­nungs­hof wer­den die Mit­tel aus dem Son­der­ver­mö­gen von den Län­dern nur zöger­lich abge­ru­fen und vor allem dazu genutzt, all­ge­meine Haus­halts­lö­cher zu stopfen.

1,8 Bil­lio­nen Euro
Die Summe von 500 Mrd. Euro ist ohne­hin nur das Fei­gen­blatt für die unbe­grenzte, schul­den­fi­nan­zierte Auf­rüs­tung, für die eben­falls am 18. März 2025 im Bun­des­tag der Weg frei gemacht wurde. Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben, und nur diese, sind seit­dem von der Schul­den­bremse aus­ge­nom­men. Auf Initia­tive der Grü­nen gilt das auch für Aus­ga­ben im Bereich der zivil-mili­tä­ri­schen Zusam­men­ar­beit, des Zivil- und Bevöl­ke­rungs­schut­zes, für Cyber­si­cher­heit, Nach­rich­ten­dienste und für die Unter­stüt­zung für völ­ker­rechts­wid­rig ange­grif­fene Staa­ten (sprich: Ukraine). Ins­ge­samt hat das gesamte durch Staats­an­lei­hen finan­zierte Infra­struk­tur- und Auf­rüs­tungs­pa­ket einen Umfang von sage und schreibe 1,8 Bil­lio­nen Euro. Zum Ver­gleich: der Bun­des­haus­halt von 2025 betrug 503 Mil­li­ar­den Euro, das BIP in die­sem Jahr 4,47 Bil­lio­nen Euro.
Um auch etwas von den nicht expli­zit für die Län­der und Kom­mu­nen vor­ge­se­he­nen Mil­li­ar­den zu bekom­men, argu­men­tierte der Deut­sche Städ­te­tag nach der Ver­ab­schie­dung des Infra­struk­tur­pa­kets fol­ge­rich­tig damit, dass auch die Infra­struk­tu­ren in kom­mu­na­ler Hand ver­tei­di­gungs­re­le­vant sein kön­nen und somit in die Mit­fi­nan­zie­rung des Bun­des gehö­ren.
Der Ver­band stellte aber auch fest, dass die «Erhö­hung der Inves­ti­ti­ons­mit­tel nicht die kom­mu­nale Finanz­krise löst» und for­dert «struk­tu­relle Ver­bes­se­rung der kom­mu­na­len Ein­nah­me­seite, eine ‹Kor­rek­tur der Aus­ga­ben­dy­na­mik›». Der erwei­terte Spiel­raum sei durch Locke­rung der Schul­den­bremse für die Län­der mit dem Ziel der Stär­kung der kom­mu­na­len Finanz­aus­stat­tung zu nut­zen. Die Ver­schul­dung der Kom­mu­nen ist struk­tu­rell ange­legt. Sie erfül­len 25 % der öffent­li­chen Aus­ga­ben, erhal­ten aber ledig­lich 14 % der Steuereinahmen.

Töd­li­che Kür­zun­gen
Im April machte der Pari­tä­ti­sche Gesamt­ver­band ein Papier publik, mit dem den Kom­mu­nen über 100 Sei­ten Vor­schläge für Haus­halts­kür­zun­gen unter­brei­tet wer­den. Erar­bei­tet hatte das Papier eine Arbeits­gruppe im Auf­trag von Bund, Län­dern und der kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bände. Es ent­hält 70 Kür­zungs­vor­schläge mit einem Ein­spar­vo­lu­men von min­des­tens 8,6 Mrd. Euro. Leis­tun­gen für Men­schen mit Behin­de­rung sowie für die Kin­der- und Jugend­hilfe hal­ten die Schreib­tisch­tä­ter für ent­behr­lich. Das Wunsch- und Wahl­recht von Men­schen mit Behin­de­rung soll mas­siv ein­ge­schränkt, der Unter­halts­vor­schuss für Allein­er­zie­hende soll begrenzt, min­der­jäh­rige Geflüch­tete ab 16 Jah­ren sol­len in schlech­tere Unter­künfte gesteckt wer­den. Die Hil­fen für junge Erwach­sene, die in Hei­men auf­ge­wach­sen sind und keine fami­liä­ren Netz­werke haben, wer­den für ver­zicht­bar erklärt.
Der Pari­tä­ti­sche Gesamt­ver­band bezeich­nete diese Streich­liste als «dras­ti­schen Ein­schnitt in den Sozi­al­staat». Der OB von Han­no­ver, Belit Onay (Grüne) empört sich in einem Inter­view mit der taz über diese aso­zia­len Kür­zungs­ab­sich­ten. Aber auch er so wie die Oberbürgermeister*innen der ande­ren Lan­des­haupt­städte, die sich im Herbst des ver­gan­ge­nen Jah­res mit einem Brand­brief an Merz gewandt haben, bezeich­nen die stei­gen­den Sozi­al­aus­ga­ben als Haupt­ur­sa­che für die dra­ma­ti­sche Situa­tion der Kom­mu­nen.
Der Zusam­men­hang zwi­schen Auf­rüs­tung und Kahl­schlag im Sozial‑, Gesund­heits- und Infra­struk­tur­be­reich wird von der poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen geflis­sent­lich beschwie­gen.
Der Ver­fall der kom­mu­na­len Infra­struk­tur wie über­haupt die Ver­ar­mung der Kom­mu­nen ist indes­sen gewollt. Auf die Kom­mu­nen wer­den die Kos­ten der Krise, von Auf­rüs­tung und Kriegs­vor­be­rei­tung abgewälzt.

Sozi­al­ab­bau und Krieg als Kri­sen­lö­sung
Der Bun­des­haus­halt für 2026 sieht eine Neu­ver­schul­dung von ins­ge­samt etwa 180 Mrd. Euro vor, davon fällt rund die Hälfte als soge­nann­tes Son­der­ver­mö­gen für Rüs­tung und Infra­struk­tur an. Gern wird die Höhe der Rüs­tungs­aus­ga­ben zum BIP ins Ver­hält­nis gesetzt, denn eine Quote von 2,12 % erscheint gering. Wenn wir sie indes ins Ver­hält­nis zur Summe des Bun­des­haus­halts, der die Höhe von 524,5 Mrd. Euro erreicht, set­zen, wird deut­lich, wie gewal­tig diese Aus­ga­ben sind, näm­lich 21 %, die die Rüs­tungs­kon­zerne für sich bean­spru­chen.
Jeder fünfte Euro des Bun­des­haus­halts geht damit schon jetzt in Auf­rüs­tung und Kriegs­er­tüch­ti­gung, bei Errei­chung des von der NATO bis 2035 vor­ge­ge­be­nen Ziels von 5 % sogar jeder zweite Euro.
Um die­ses Ziel zu errei­chen, muss Geld locker gemacht wer­den. Der selbst­er­nannte Spar­mi­nis­ter Kling­beil hat daher bereits im August letz­ten Jah­res einen Brief an seine Kabi­netts­kol­le­gen und – kol­le­gin­nen ver­schickt, in dem er Spar­maß­nah­men ein­for­dert, ver­se­hen mit der Dro­hung vor allem gegen den arbei­ten­den Teil der Bevöl­ke­rung: «Jeder wird spü­ren, dass wir spa­ren».

Mit der Aus­ar­bei­tung einer Sozi­al­staats­re­form wurde eine im Sep­tem­ber ein­ge­setzte Kom­mis­sion unter der Lei­tung der Arbeits­mi­nis­te­rin Bär­bel Bas (SPD) beauf­tragt. Im Januar legte sie ihren Bericht vor. Vor­geb­lich geht es bei den von der Kom­mis­sion vor­ge­leg­ten Vor­schlä­gen um Moder­ni­sie­rung, Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rung, Effi­zi­enz­stei­ge­rung und die Bün­de­lung von Sozi­al­leis­tun­gen, alles im Sinne der Kun­den­freund­lich­keit, zur Ent­las­tung der Kom­mu­nen und ins­ge­samt für einen «ein­fa­che­ren und gerech­te­ren» Sozi­al­staat. Beschlos­sen hat die Bun­des­re­gie­rung bereits die Abschaf­fung des Bür­ger­gelds zum 1. Juli 2026 zusam­men mit der Ein­füh­rung ver­schärf­ter Sank­tio­nen. Nach den Vor­schlä­gen der Kom­mis­sion sol­len die Grund­si­che­rung, Wohn­geld und Kin­der­zu­schlag unter der Ägide des Job­cen­ters zusam­men­ge­fasst wer­den. Die Bun­des­bau­mi­nis­te­rin Verena Hubertz (SPD) hat bereits ange­kün­digt, im Zuge die­ser Umstruk­tu­rie­run­gen die Aus­ga­ben fürs Wohn­geld um 1 Mrd. zu kür­zen zu wol­len. Aktu­ell sind 1,2 Mil­lio­nen Men­schen auf Wohn­geld ange­wie­sen. Mehr als 18 Mil­lio­nen Men­schen leben in Wohn­ar­mut. Infolge sol­cher Maß­nah­men dro­hen sie, in die Woh­nungs- und Obdach­lo­sig­keit zu fal­len.
Wei­ter­hin plant die Regie­rung die Erhö­hung des Ren­ten­ein­tritts­al­ters und damit die Ren­ten­kür­zung, Sie nennt es Ren­ten­re­form. Der Angriff auf den 8‑Stundentag und die Ent­gren­zung der wöchent­li­chen Arbeits­zeit heißt Arbeits­markt­re­form. Die Redu­zie­rung der Leis­tun­gen für die gesetz­lich Kran­ken­ver­si­cher­ten wer­den uns als Gesund­heits­re­form ver­kauft. Die Mit­ver­si­che­rung der nicht­ar­bei­ten­den Ehe­part­ner wird abge­schafft. Die Gesund­heits­kos­ten für Bezie­her von Trans­fer­leis­tun­gen wer­den wie bis­her auf die gesetz­lich Ver­si­cher­ten über­wälzt.
Einen sozia­len Krieg gegen die eigene Bevöl­ke­rung nannte Sevim Dagde­len bereits die Poli­tik der Ampel-Regie­rung. Erst recht trifft das auf die Merz-Regie­rung zu. Wir haben es mit einem kom­pro­miss­lo­sen Klas­sen­kampf von oben zu tun. Gekürzt wird vor allem bei den Armen, aus­ge­rech­net bei denen, die am meis­ten von stei­gen­den Prei­sen und Woh­nungs­not betrof­fen sind. Spit­zen­ver­die­ner und Ver­mö­gende wer­den geschont. Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Katha­rina Rei­che, Ex- Vor­stands­vor­sit­zende der E.ON-Tochter West­ener­gie AG, macht Poli­tik nur für Rei­che und Konzerne.

Im Som­mer gab es eine Strom­steu­er­sen­kung ledig­lich für Indus­trie­kon­zerne. Eine stär­kere Besteue­rung höhe­rer Ein­kom­men schei­tert am Wider­stand der CDU. Wer Men­schen mit 60.000 bis 80.000 Jah­res­ein­kom­men höher besteuere, treffe genau jene, die «die­ses Land über­haupt am Lau­fen hal­ten», so der CDU-Gene­ral­se­kre­tär Cars­ten Lin­ne­mann. Auch die Wie­der­ein­füh­rung der Ver­mö­gens­steuer lehnt Merz kate­go­risch ab. Nach Schät­zun­gen des Deut­schen Insti­tuts für Wirt­schafts­for­schung würde das jähr­lich Ein­nah­men von bis zu 147 Mrd. brin­gen.
Die Maß­nah­men, die die Regie­rung ange­sichts der stei­gen­den Preise bis­her ergrif­fen hat, haben ent­we­der gar keine oder nur eine geringe Wir­kung. Zu sehr hemmt der poli­ti­sche Wille, die Pro­fite der Erd­öl­kon­zerne als Haupt­trei­ber der Preise nicht anzu­tas­ten. Die Auf­lage, die Sprit­preise nur noch ein­mal am Tag um 12 Uhr an den Tank­stel­len anhe­ben zu dür­fen, führte abseh­bar zu einem wei­te­ren Anstieg der Preise. Der Tan­kra­batt, die Sen­kung der Ener­gie­steuer auf Ben­zin und Die­sel um rund 17 Cent ab dem 1. Mai für zwei Monate, wird nach den Erfah­run­gen, die man damit bereits 2022 gemacht hat, ohne­hin nicht in Gänze an den Ver­brau­cher wei­ter­ge­ge­ben und sub­ven­tio­niert in ers­ter Linie die Pro­fite der Kon­zerne. Und die geplante frei­wil­lige steu­er­freie Ent­las­tungs­prä­mie in Höhe von bis zu 1000 Euro, die sich ohne­hin viele Betriebe ange­sichts der aktu­el­len Wirt­schafts­lage nicht hät­ten leis­ten kön­nen, ist vor dem Bun­des­rat gescheitert.

Im Kri­sen­zy­klus
Die deut­sche Wirt­schaft befin­det sich in der Krise. Monat­lich gehen der­zeit in der Indus­trie 10.000 bis 15.000 Arbeits­plätze ver­lo­ren. Allein im Jahr 2025 sind im ver­ar­bei­ten­den Gewerbe rund 146.000 Stel­len weg­ge­fal­len, davon allein 48.700 in der Auto­in­dus­trie.
Für das lau­fende Jahr gehen unter­schied­li­che Schät­zun­gen der­zeit ledig­lich von einem leich­ten Wirt­schafts­wachs­tum von 0,2 bis 0,6 % des BIP aus. (Zum Ver­gleich: Für die Welt­wirt­schaft wird mit einem Wachs­tum von 3,1% für die­ses Jahr gerech­net.)
Die Zah­len müs­sen stän­dig nach unten kor­ri­giert wer­den. Im Januar war die Regie­rung noch von 1,0 Pro­zent Wachs­tum aus­ge­gan­gen.
In Wirk­lich­keit sta­gniert die deut­sche Wirt­schaft und schrammt bes­ten­falls an einer Rezes­sion vor­bei.
Über­schüs­si­ges Kapi­tal sucht Anla­ge­mög­lich­kei­ten und fin­det sie in der Rüs­tungs­in­dus­trie. Die Nach­frage nach Rüs­tungs­gü­tern ist so hoch wie nie zuvor. Die welt­wei­ten Rüs­tungs­aus­ga­ben sind mitt­ler­weile auf etwa 3 Bil­lio­nen US-Dol­lar ange­stie­gen. Auch die Zahl der Kriege hat einen Höchst­stand erreicht.
Rüs­tungs-Keyne­sia­nis­mus, die Auf­blä­hung des mili­tä­risch-indus­tri­el­len Kom­ple­xes ist neben der Kriegs­ge­fahr und den Ein­schrän­kun­gen von demo­kra­ti­schen und sozia­len Rech­ten, die damit ver­bun­den sind, auch volks­wirt­schaft­lich eine Sack­gasse. Waf­fen haben kei­nen Gebrauchs­wert. Sie sind Destruk­ti­ons­mit­tel und drän­gen auf Ver­wer­tung in Krie­gen. Clau­dia Haydt von der Infor­ma­ti­ons­stelle Mili­ta­ri­sie­rung (IMI): «Der Schwenk zur Rüs­tungs­pro­duk­tion ist für man­che strau­chelnde Betriebe ein öko­no­mi­scher Not­aus­gang. Die Menge der dort gene­rier­ten Arbeits­plätze kann aber bei wei­tem nicht mit­hal­ten mit dem, was bei ver­gleich­ba­ren öffent­li­chen Inves­ti­tio­nen in ande­ren Berei­chen gene­riert wer­den könnte. Betriebs­wirt­schaft­lich funk­tio­niert die (Re-)Konversion für ein­zelne Vor­zei­ge­un­ter­neh­men. Gesamt­ge­sell­schaft­lich ist dies aller­dings eine Sack­gasse. Rüs­tungs­in­ves­ti­tio­nen sind im wahrs­ten Sinn des Wor­tes tote Inves­ti­tio­nen. Das Beste, was mit Rüs­tung gesche­hen kann, ist, dass sie nicht ein­ge­setzt wird. Wenn Rüs­tung ein­ge­setzt wird, dann pro­du­ziert sie kei­nen Mehr­wert, son­dern Zer­stö­rung».

Die Merz-Regie­rung ist noch unbe­lieb­ter als die rot-grün-gelbe Vor­gän­ger­re­gie­rung. Laut einer aktu­el­len Umfrage sind 86 % der Bevöl­ke­rung mit der Poli­tik der Regie­rung unzu­frie­den. Merz hat noch schlech­tere Zustim­mungs­werte als Trump.
Den­noch blei­ben Mas­sen­pro­teste wie 2022 gegen stei­gende Preise bis­lang aus.
Die taz bemän­gelt in einem vor eini­gen Tagen erschie­ne­nen Arti­kel, dass bis­lang zum bru­ta­len Kahl­schlag der Bun­des­re­gie­rung weder von den Gewerk­schaf­ten, noch von den links­ra­di­ka­len Grup­pen viel komme. Das stimmt lei­der. Aber immer­hin hat die DKP zusam­men mit der Frie­dens­in­itia­tive «Nie wie­der Krieg – Die Waf­fen nie­der» mit der Aktion «Wo blei­ben die Mil­li­ar­den?» eine Kam­pa­gne gestar­tet, um auf den Zusam­men­hang von Auf­rüs­tung und feh­len­den Inves­ti­tio­nen in Schu­len und öffent­li­chen Ein­rich­tun­gen auf­merk­sam zu machen.
Die Links­par­tei plant für Juni bun­des­weit Pro­teste gegen die Angriffe der Bun­des­re­gie­rung auf den Sozialstaat.

DGB-Kon­gress
Aber in den Gewerk­schaf­ten rührt sich was. Ein deut­li­ches Stim­mungs­bild bot der 23. DGB-Bun­des­kon­gress in Ber­lin (vom 10. bis 13. April 2026), als 400 Dele­gierte – die aller­meis­ten davon sind Haupt­amt­li­che – deut­lich mach­ten, was sie vom Sozi­al­ab­bau der Bun­des­re­gie­rung hal­ten. Als Merz über die Spar­maß­nah­men bei der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung sprach, gab es die ers­ten Pfiffe, Buhs und Zwi­schen­rufe. Ähn­lich reagier­ten die Dele­gier­ten auf die bevor­ste­hende Ren­ten­re­form. Als Merz behaup­tete, daß es sich dabei sich nicht um «Bös­ar­tig­keit von mir oder von der Bun­des­re­gie­rung» handle, son­dern um «Demo­gra­fie und Mathe­ma­tik.» musste er ange­sichts von Buh­ru­fen und lau­tem Geläch­ter seine Anspra­che zunächst unter­bre­chen.
DGB-Che­fin Yas­min Fahimi warnte vor Angrif­fen auf Arbeits­rechte, ins­be­son­dere auf den Acht-Stun­den-Tag und den Sozi­al­staat. Sie will weder einen wei­te­ren Ein­griff in das Arbeits­zeit­ge­setz noch die Abschaf­fung des Rechts auf Teil­zeit. Fahimi warnte vor Ren­ten­kür­zun­gen. Mit den Gewerk­schaf­ten sei eine «Poli­tik der sozia­len Abriss­birne» nicht zu machen. Gegen die vor­ge­schla­ge­nen Refor­men der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung – mit ein­sei­ti­gen Mehr­be­las­tun­gen durch Zuzah­lun­gen, Leis­tungs­kür­zun­gen und Teil­krank­schrei­bung – ver­spricht sie ent­schie­de­nen Wider­stand. Der DGB for­dere statt­des­sen, die wah­ren Kos­ten­trei­ber anzu­ge­hen, etwa ren­di­te­ge­trie­bene Pri­vate-Equity-Gesell­schaf­ten im Gesund­heits­we­sen.
Die gesetz­li­che Rente müsse sta­bi­li­siert und gestärkt wer­den, das Ren­ten­ni­veau dürfe nicht sin­ken, die Regel­al­ters­grenze nicht wei­ter stei­gen. In der Pflege leh­nen die DGB-Gewerk­schaf­ten höhere Eigen­an­teile strikt ab – Pflege dürfe nicht zum Armuts­ri­siko wer­den.
Im beschlos­se­nen Antrag «Für einen star­ken Sozi­al­staat» heißt es: «Die Kom­mu­nen müs­sen in die Lage ver­setzt wer­den, über ihre Pflicht­auf­ga­ben hin­aus erreich­bare Schwimm­bä­der, Jugend‑, Fami­lien- und Senio­ren­zen­tren sowie Kul­tur­ange­bote zu ermög­li­chen. Pri­va­ti­sie­run­gen, die eine Gewinn­ori­en­tie­rung in bis­lang nicht gewinn­ori­en­tier­ten Berei­chen beför­dern, müs­sen gestoppt und – wo es sinn­voll ist – umge­kehrt wer­den. Denn vie­les regelt der Markt nicht effi­zi­ent oder gar nicht.»
Die Dele­gierte Ulrike Eif­ler aus Würz­burg, die uns auch als Frie­dens­ak­ti­vis­tin bekannt ist, kom­men­tierte am ver­gan­ge­nen Frei­tag (15. Mai): «Es geht bei der Empö­rung über die Pfiffe um deut­lich mehr als um Majes­täts­be­lei­di­gung. Die Gewerk­schaf­ten ste­hen vor einem Wen­de­punkt. Denn aus dem offen erklär­ten Ziel der Bun­des­re­gie­rung, Deutsch­land in den geo­po­li­ti­schen Neu­ord­nungs­pro­zes­sen so zu posi­tio­nie­ren, dass es künf­tig seine Inter­es­sen mili­tä­risch durch­set­zen kann, ergibt sich ein Weg, der sich gegen die Beschäf­tig­ten und ihre Gewerk­schaf­ten rich­tet.»
Dazu pas­sen For­mu­lie­run­gen im Initia­tiv­an­trag «Frie­dens­fä­hig statt kriegs­tüch­tig» – und es ist durch­aus nicht die ein­zige zitier­fä­hige Stelle – : «Welt­weit scheint sich eine neue Poli­tik der Kon­fron­ta­tion und wie­der­erwach­ter Groß­macht­an­sprü­che durch­zu­set­zen, für die nur noch das Recht des Stär­ke­ren zählt und das Völ­ker­recht keine Rolle mehr spielt. Das zeigt erst jüngst auch der ame­ri­ka­nisch-israe­li­sche Angriff auf den Iran. ‹Nie wie­der Krieg!› – das ist die Lehre, die der DGB und seine Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten aus den Welt­kriegs­schre­cken des 20. Jahr­hun­derts und der Zer­schla­gung der Gewerk­schafts­be­we­gung gezo­gen haben. Diese Lehre begrün­det den Sat­zungs­auf­trag des DGB, für eine all­ge­meine und welt­weite kon­trol­lierte Abrüs­tung sowie die Ver­wirk­li­chung und den Erhalt des Frie­dens und der Frei­heit im Geiste der Völ­ker­ver­stän­di­gung ein­zu­tre­ten. Gemein­sam ste­hen wir für die Über­zeu­gung, dass Frie­dens­be­mü­hun­gen die sozia­len, öko­no­mi­schen und poli­ti­schen Ursa­chen von Krieg und Gewalt besei­ti­gen müs­sen.»
Frank Wer­neke hatte am Diens­tag­abend (12. Mai) als Verdi-Vor­sit­zen­der den Initia­tiv­an­trag zu begrün­den. Er kri­ti­sierte die «absurde Höhe» der künf­ti­gen Aus­ga­ben für das Mili­tär, wenn das Fünf­pro­zent­ziel der NATO, zu dem sich die Bun­des­re­gie­rung bekennt, umge­setzt werde. Der Rüs­tungs­haus­halt würde damit auf 220 Mil­li­ar­den Euro stei­gen – das ent­sprä­che der Hälfte des Bun­des­haus­halts. Das sei auch dann nicht zu ver­ant­wor­ten, wenn die Aus­ga­ben nur über Schul­den finan­ziert wür­den. Spä­tes­tens, wenn die Zin­sen anfal­len, lan­de­ten die Aus­ga­ben im Bun­des­haus­halt, so Wer­neke. Er fragte, warum Deutsch­land als ein­zi­ges euro­päi­sches Land einen höhe­ren Mili­tär­haus­halt haben soll als Russ­land.
Laut jW vom Frei­tag, 15. Mai, gab es auch Wider­spruch. So beklagte Daniel Fried­rich (IG Metall Küste) «die Klar­heit» des Antrags und fragte, «brau­chen wir nicht Wehr­haf­tig­keit?» und rei­che es, «nur die­je­ni­gen dahin zu schi­cken, die Spaß daran haben?» Für Sven Hüber (GDP) war der Antrag ein rich­ti­ger Dilemma-Antrag, in dem er den «alten Sound der 80er und 90er Jahre» aus­machte. Er fragte: «Brau­chen wir nicht eine Bun­des­wehr, die in der Lage ist, zu ent­waff­nen und Frie­den zu schaf­fen?» Ähn­lich Ralf Becker (IG BCE): «Dass wir hier in Demo­kra­tie leben, ver­dan­ken wir dem Ein­grei­fen der Alli­ier­ten.»
Das letzte Wort aber hat­ten andere Kol­le­gen. Sarah Such­fort (IG Metall) berich­tete, dass in Han­no­ver die For­de­rung, sich gegen die Wehr­pflicht aus­zu­spre­chen, von der Basis kam, und sie machte klar: «Sol­che gesell­schaft­li­chen Fra­gen ent­schei­den, ob Leute sich in der Gewerk­schaft ein­brin­gen oder nicht.»
Das Ver­spre­chen «mehr Sicher­heit durch Auf­rüs­tung» werde jeden Tag gebro­chen, sagte Witich Roß­mann, der Köl­ner DGB-Vor­sit­zende. Das zeige sich in Nah­ost etwa in Bezug auf Lie­fer­ket­ten.
Über 80 % der Dele­gier­ten stimm­ten für den Antrag «Frie­dens­fä­hig statt kriegs­tüch­tig».
Und der DGB-Kon­gress beschloss mit 74 Pro­zent der Dele­gier­ten den Antrag des Bun­des­ju­gend­aus­schus­ses gegen die Wie­der­ein­füh­rung der Wehrpflicht.

Hans-Jür­gen Urban. IG Metall
Am Sams­tag, 16. Mai, äußerte sich IG-Metall-Sozi­al­vor­stand Hans-Jür­gen Urban in der jW. Titel des Inter­views: «Wir leben in einer kapi­ta­lis­ti­schen Klas­sen­ge­sell­schaft»
Oli­ver Rast, jW: «Sie war­nen seit Jah­ren vor einem ‹Kahl­schla­g’im Sozi­al­staat, beson­ders bei Rente, Gesund­heit und Pflege. Wel­che poli­ti­schen oder öko­no­mi­schen Kräfte trei­ben diese Kür­zungs­or­gie aktu­ell am stärks­ten an?»
Urban: «Die Fel­der der Sozi­al­po­li­tik sind immer Fel­der har­ter Ver­tei­lungs­kon­flikte.»
jW: «Andere spre­chen von Klas­sen­kon­flik­ten – Sie auch?»
Urban: «Ein­ver­stan­den, der Begriff ‹Klas­sen­kon­flikt› passt, weil wir in einer kapi­ta­lis­ti­schen Klas­sen­ge­sell­schaft leben.»
jW: «Wie kön­nen Gewerk­schaf­te­rin­nen und Gewerk­schaf­ter ver­hin­dern, dass wirt­schafts­nahe Kräfte Ren­ten­kür­zun­gen durch ein höhe­res Ren­ten­ein­tritts­al­ter sowie Leis­tungs­kür­zun­gen im Krank­heits­fall – etwa durch die Ein­füh­rung von Karenz­ta­gen – durch­set­zen?»
Urban: «Dazu lässt sich eine all­ge­meine und eine his­to­risch kon­krete Ant­wort for­mu­lie­ren. All­ge­mein gilt: Wenn wir davon aus­ge­hen, dass wir in einer Klas­sen­ge­sell­schaft mit einer kapi­ta­lis­ti­schen Öko­no­mie leben, müs­sen wir auch davon aus­ge­hen, dass wir immer wie­der öko­no­mi­sche Kri­sen erle­ben. Und his­to­risch hat sich gezeigt, dass Unter­neh­men und ihre Ver­bände in sol­chen Pha­sen ver­su­chen, Kri­sen­kos­ten auf Beschäf­tigte abzu­wäl­zen, um ihre Ver­tei­lungs­in­ter­es­sen zu sichern. Das folgt aus den Grund­prin­zi­pien, nach denen unsere Wirt­schaft funk­tio­niert.»
Hans-Jür­gen Urban äußert sich auch zur kapi­tal­ge­deck­ten Alters­vor­sorge. Die pene­tran­ten Appelle zur pri­va­ten Vor­sorge lie­fen ins Leere, wenn Men­schen über keine aus­rei­chende Spar­fä­hig­keit ver­fü­gen. Urban: «Viele Haus­halte kön­nen schlicht keine zusätz­li­chen Bei­träge für pri­vate Alters­vor­sorge auf­brin­gen. Genau des­halb ist die Ries­ter-Rente geschei­tert: Die­je­ni­gen mit den größ­ten Ren­ten­lü­cken konn­ten sie sich am wenigs­ten leis­ten, wäh­rend Gut­ver­die­nende mit hohen Anwart­schaf­ten am stärks­ten pro­fi­tier­ten. Die Erklä­rung ist sim­pel: Pri­vate Vor­sorge funk­tio­niert nur, wenn Ein­kom­men und Spar­fä­hig­keit vor­han­den sind – und das ist bei vie­len Beschäf­tig­ten nicht der Fall.
Hinzu kommt ein zwei­ter Punkt: Wir leben in einem Finanz­markt­ka­pi­ta­lis­mus, in dem der Finanz­sek­tor nicht nur öko­no­misch, son­dern auch poli­tisch enorme Lob­by­macht besitzt. Viele Reform­ideen, die kapi­tal­ge­deckte Modelle der drit­ten Säule stär­ken wol­len, sind daher auch Stra­te­gien zur Erschlie­ßung neuer Geschäfts­fel­der für Finanz­markt­ak­teure. Sie för­dern Finanz­märkte – und ver­la­gern Mit­tel, die bis­her dem soli­da­ri­schen Ren­ten­sys­tem dien­ten, dort­hin.
Kurz gesagt: In der Ren­ten­ver­si­che­rung wer­den jähr­lich mehr als 400 Mil­li­ar­den Euro bewegt. Aus Sicht der Finanz­in­dus­trie ist das eine Ein­la­dung, an die­sen Mit­teln zu par­ti­zi­pie­ren – und lei­der gibt es poli­ti­sche Stra­te­gien, die genau das unter­stüt­zen – auch in der Regie­rungs­ko­ali­tion.
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Zur soge­nann­ten Gesund­heits­re­form sagt Urban, sie sei eine klas­si­sche Kos­ten­dämp­fungs­maß­nahme – mit einer deut­li­chen Schlag­seite zulas­ten der Ver­si­cher­ten. Echte Struk­tur­re­for­men müss­ten die Ursa­chen der Kos­ten­ent­wick­lung adres­sie­ren. Genau diese Struk­tur­re­for­men fehl­ten im aktu­el­len Kon­zept von Frau War­ken.
Urban: «Dabei sind die Kos­ten­trei­ber seit lan­gem bekannt: Über- und Fehl­ver­sor­gung, eine kom­mer­zia­li­sierte Kran­ken­haus­land­schaft, feh­lende sek­tor­über­grei­fende Ver­sor­gung, unzu­rei­chende Prä­ven­tion, über­höhte Arz­nei­mit­tel­preise und ein wach­sen­der Bereich pri­va­ti­sier­ter Leis­tun­gen, der sich stär­ker an Ren­dit­ein­ter­es­sen als an Ver­sor­gung ori­en­tiert. All das bleibt unan­ge­tas­tet, und des­halb ver­misse ich in die­sem Reform­an­satz alles, was wirk­lich an die Ursa­chen her­an­geht – genau die Punkte, die wir seit Jah­ren ein­for­dern.»

Dirk und Klaus, MV der DKP Köln Innen­stadt, 18. Mai 2026


 

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