«Bir­likte» und AfD? Unmöglich!

DKP Köln-Mül­heim soli­da­risch mit
«Keups­trasse ist überall»

Im Fol­gen­den ver­öf­fent­li­chen wir die Erklä­rung von «Keups­trasse ist überall».

Zu der von den «Birlikte»-Organisator_innen geplan­ten Podi­ums­ver­an­stal­tung mit dem AfD-Mit­be­grün­der Kon­rad Adam und der von den Organisator_innen hierzu ver­öf­fent­lich­ten Erklä­rung nimmt die Initia­tive «Keup­straße ist über­all» wie folgt Stellung:

Unse­rer Ein­schät­zung nach hal­ten wir es für einen gro­ßen Feh­ler, dass eine Ver­an­stal­tung mit einem Reprä­sen­tan­ten einer Par­tei, die ras­sis­ti­sche, isla­mo­phobe, frau­en­feind­li­che und grund­ge­setz­wid­rige Posi­tio­nen ver­tritt, an einem Fest wie Bir­likte statt­fin­den soll. «Bir­likte» ist ein Fest, das aus einem Bedürf­nis der Soli­da­ri­täts­be­kun­dung mit den Betrof­fe­nen des Nagel­bom­ben­an­schla­ges des NSU ent­stan­den ist und daher im Namen aller Betrof­fe­nen der Anschläge in der Keup­straße und der Prob­stei­gasse sowie der Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen der Mord­op­fer des NSU ver­an­stal­tet wird. Daher steht diese Ver­an­stal­tung im direk­ten inhalt­li­chen Wider­spruch zur ursprüng­lich pro­pa­gier­ten Idee des «Birlikte»-Festes. Gerade unter die­sem Gesichts­punkt ist es nicht nach­voll­zieh­bar, dass im Vor­feld der «Birlikte»-Planung, die Organisator_innen es anschei­nend nicht für nötig hiel­ten, die Mei­nun­gen der Betrof­fe­nen ein­zu­ho­len und mit ihnen gemein­sam vor­her der­art kon­tro­verse Ver­an­stal­tun­gen zu dis­ku­tie­ren und auf Basis die­ser Gesprä­che Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Die­ses Ver­hal­ten ver­deut­licht nur ein­mal mehr, dass die Betrof­fe­nen zurecht das Gefühl haben, instru­men­ta­li­siert zu wer­den und dem­entspre­chend die Ein­la­dung einer Par­tei, die für die Aus­gren­zung und Stig­ma­ti­sie­rung von Migrant_innen steht, auf «ihrem Rücken» (Zitat eines Betrof­fe­nen) aus­ge­spro­chen wird. Das dies­jäh­rige «Birlikte»-Motto «Zusam­men­re­den» kann nicht hei­ßen, mit Rassist_innen und Rechtspopulist_innen zu reden und ihnen, trotz zahl­rei­cher Pro­teste von anti­ras­sis­ti­schen und anti­fa­schis­ti­schen Grup­pen, eine öffent­li­che Bühne im Schau­spiel­haus und dem WDR zu geben, da dies u.a. als ein Tri­umph in ihrem Kampf um öffent­li­che Akt­zep­tanz aus­ge­legt wer­den wird. Die Pro­pa­ganda ras­sis­ti­scher Agitator_innen, die die Demo­kra­tie abschaf­fen wol­len, kann nicht demo­kra­tisch ver­tei­digt wer­den und schon gar nicht an einem Tat­ort die­ser Pro­pa­ganda, im Bei­sein der­je­ni­gen, die Opfer die­ser men­schen­feind­li­chen Ideo­lo­gien sind.

Die Ver­tei­di­gung und die sture Durch­set­zung der Ver­an­stal­tung sei­tens der Organisator_innen gegen berech­tigte Pro­teste, zeigt Nai­vi­tät, Unein­sich­tig­keit und Dif­fa­mie­rung von bis­he­ri­gen anti­fa­schis­ti­schen und anti­ras­sis­ti­schen Enga­ge­ments, indem in der öffent­li­chen Erklä­rung der Verantalter_innen diese Enga­ge­ments lapi­dar als «Dämo­ni­sie­rung und Hys­te­ri­sie­rung» bezeich­net wer­den. Daher ist die nach­träg­li­che Gesprächs­be­reit­schaft der Veranstalter_innen nur als Vor­täu­schung von Kom­pro­miss­be­reit­schaft zu bewer­ten, denn es hätte auch die Mög­lich­keit alter­na­ti­ver Ver­an­stal­tun­gen auf­grund der Pro­teste geben kön­nen – wie z.B. eine kon­tro­verse Dis­kus­sion genau zu dem Thema «Der AfD ein Podium bie­ten?» – getreu dem Motto «Zusam­men­re­den». In die­sem Zusam­men­hang möch­ten wir aus der Erklä­rung des Bünd­nis­ses «Köln gegen Rechts» zitie­ren: «Zusam­men­re­den heißt für uns, dass nach den Jah­ren der Kri­mi­na­li­sie­rung und Aus­gren­zung der Men­schen in der Keup­straße ein gemein­sa­mer Dia­log mit ihnen statt­fin­det. Dass das Motto jetzt umge­dreht wird und aus einem Zusam­men­re­den mit den Opfern der Anschläge ein „Über sie reden mit einem Ver­tre­ter der AFD“ wird, hal­ten wir für einen Affront gegen die Betrof­fe­nen des ver­such­ten Mas­sen­mor­des auf der Keup­straße sowie aller Migrant_innen.»
Dar­über hin­aus möch­ten wir beto­nen, dass die Fol­gen der Durch­set­zung der Ver­an­stal­tung oder Stö­run­gen bei Bir­likte die Organisator_innen allein zu ver­ant­wor­ten haben und nicht die Pro­tes­tie­ren­den und begrü­ßen daher krea­tive For­men zum Aus­druck des Pro­tes­tes.
Abschlie­ßend möch­ten wir uns als Initia­tive «Keup­straße ist über­all» aus­drück­lich von einer Ver­an­stal­tung mit der AfD an «Bir­likte» und von den Argu­men­ten des «Birlikte»-Bündnisses distan­zie­ren. Der Initia­tive «Keup­straße ist über­all» ist es ein gro­ßes Bedürf­nis, diese Distan­zie­rung öffent­lich zu machen, sodass sie als offi­zi­elle «Unter­stüt­ze­rin» von «Bir­likte» auf der Home­page und als Ver­an­stal­te­rin eines eige­nen Pro­gramms am 5.Juni nicht mit den Organisator_innen des Podi­ums mit der AfD in der gemein­sa­men Ver­ant­wort­lich­keit für diese Verant­stal­tung gese­hen wird.

Mit freund­li­chen Grü­ßen
Initia­tive «Keup­straße ist überall»

http://keupstrasse-ist-ueberall.de/