Auto­krise, Crash, Corona

Auf einem Tisch liegt ein Stapel «De Rude Pooz», daneben steht etwas zu trinken.

Refe­rat im Kreisvorstand

Corona- oder
Wirtschaftskrise 

Die Ent­wick­lung der
Pkw-Neu­zu­las­sun­gen

Die in Deutsch­land ansäs­si­gen Auto­her­stel­ler bau­ten im ver­gan­ge­nen Jahr laut VDA, dem Ver­band der Auto­mo­bil­in­dus­trie (8. Januar 2020), gerade ein­mal 4,66 Mil­lio­nen Autos – das war der nied­rigste Stand seit 1996.

Im Januar 2020 wur­den 246.300 Pkw neu zuge­las­sen und damit ‑7,3 Pro­zent weni­ger als im Januar 2019. Im Februar 239.943 Pkw, das sind ‑10,8 Pro­zent weni­ger als im Vor­jah­res­mo­nat. Und im März war mit 215.119 ein Rück­gang von ‑37,7 Pro­zent zu verzeichnen.

Der VDA machte die stark sin­kende Nach­frage auf den Export­märk­ten (minus neun Pro­zent) für den größ­ten Teil des Pro­duk­ti­ons­rück­gangs ver­ant­wort­lich. Aber erst ab Mitte März dürf­ten seu­chen­be­dingte Kon­takt­ein­schrän­kun­gen die Kauf­zu­rück­hal­tung erklären.

Am 5. Februar ver­merkte die Wirt­schafts­wo­che den Ein­bruch der Auto­pro­duk­tion. U.a. ver­kaufe sich der Ford Fiesta nicht gut. Die Kon­junk­tur vor allem in Süd­eu­ropa und Groß­bri­tan­nien sei schwach, die Umsätze gin­gen zurück. 2200 Ford­wer­ker, so die Wirt­schafts­wo­che, seien folg­lich seit Januar in Kurz­ar­beit, arbei­te­ten statt fünf nur noch vier Tage in der Woche. Schon im letz­ten Jahr sind min­des­tens 3800 von 18.000 Ford­wer­kern in Köln auf die Straße gesetzt wor­den. Die US-ame­ri­ka­ni­sche Kon­zern­mut­ter, die in 2019 noch einen Gewinn von 2,4 Mil­li­ar­den Dol­lar ein­strei­chen konnte, mel­det heute (KR 14. April) einen Ver­lust von 600 Mil­lio­nen Dol­lar im ers­ten Quar­tal. Seit dem 19. März ruht die Pro­duk­tion bei Ford in Europa. Auch bei VW wird seit dem 19. März nicht mehr pro­du­ziert. Daim­ler hat das am 17. März ange­kün­digt. Opel fei­ert seit dem 17. März, Audi seit 23. März. Renault hat in Frank­reich schon am 16. März alle 12 Werke geschlos­sen. Por­sche seit dem 21. März. In der Summe des ers­ten Quar­tals brach die Auf­trags­lage in der Auto­in­dus­trie um 26 % ein, in der übri­gen Metall- und Elek­tro­in­dus­trie um 14%.

Bereits im Okto­ber 2019 waren 72.700 Beschäf­tigte aus der Metall- und Elek­tro-Indus­trie aus kon­junk­tu­rel­len Grün­den in Kurz­ar­beit – damals erst 6624 in der Autoindustrie.

Ins­ge­samt ging das Geschäft der deut­schen Metall- und Elek­tro-Indus­trie laut Kon­junk­tur­be­richt des Arbeit­ge­ber­ver­bands Gesamt­me­tall zurück, schreibt die Wirt­schafs­Wo­che. 2019 war ein Rezes­si­ons­jahr, und eine Trend­wende sei laut Gesamt­me­tall nicht in Sicht. «Sie wird das Jahr 2019 mit einem Minus von gut fünf Pro­zent in der Pro­duk­tion abschlie­ßen, das größte Minus seit der Wirt­schafts­krise 2009.»

Tat­säch­lich schla­gen die aktu­el­len Kri­sen­wir­kun­gen am deut­lichs­ten in der Indus­trie durch. Gesamt­me­tall hält die Effekte laut FAZ von heute, 14. April, schon gegen­wär­tig für här­ter als in der Finanz­krise vor 11 Jah­ren. Die Kapa­zi­täts­aus­las­tung von 7000 Metall- und Elek­tro­be­trie­ben habe ein his­to­ri­sches Tief von 65% erreicht. 1,2 Mil­lio­nen Beschäf­tigte seien in Kurz­ar­beit, 250.000 mehr als vor 11 Jah­ren. Und Gesamt­me­tall erwar­tet bis Mai eine wei­tere Mil­lion – bei einer Gesamt­be­schäf­ti­gung in der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie von vier Mil­lio­nen. 43 Pro­zent von 1400 Metall- und Elek­tro-Betriebe mit zusam­men 860.000 Beschäf­tig­ten nut­zen zur Zeit Kurz­ar­beit, wei­tere 40 Pro­zent pla­nen das. Im Schnitt fal­len zwei Drit­tel der Nor­mal­ar­beits­zeit aus.

Und die Bun­des­agen­tur für Arbeit mel­det 650.000 Betriebe mit Kurzarbeit.

Bis­lang kommt für das Kurz­ar­bei­ter­geld, das die Regie­rung in der Summe zunächst mal auf 10 Mrd Euro geschätzt hatte, die Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung auf – also die dort zurück­ge­hal­te­nen Lohn­an­teile der sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ten in Höhe von 26 Mrd Euro. Sie wer­den bald zusam­men­ge­schmol­zen sein.

 

Sta­gna­tion

Die Wirt­schafts­ent­wick­lung im Jahr 2019 ist als anhal­tende Sta­gna­tion zu charakterisieren.

1. Quar­tal; + 0,5%;

2. Quar­tal: – 0,2%;

3. Quar­tal: + 0,2 %;

4. Quar­tal: 0,0%.

Die Indus­trie­pro­duk­tion betrug im Jahr 2019 minus 5% bei uns im Lande, in der Welt fiel sie von 14% plus im Jahr 2010 auf minus 2%. Im Februar schlug die Rezes­sion auf die Akti­en­kurse durch.

 

Ent­wick­lung des Dax:

Mon­tag, 17. Februar:  13.783,89 100 %  
24. Februar:   13.035,24 94,57% - 5,43%
2. März:   11.857,87 86,03% -13,97%
9. März:  10.625,02 77,08% -22.92%
16. März:   8.742,25 63,42% -36,58%
Mitt­woch 18. März:  8.441,71 61,24% -38,76%
Mon­tag, 23. März:  8.741,15 63,42% -36,58%
30. März:   9.815, 97 71,23% -28,77%
6. April:   10.075,17 73,09% -26,91%
Don­ners­tag: 9. April  10.564,74 76,65% -23,35%

 

Die Summe der Tages­ver­luste der Dax-Kon­zerne vom 17. bis zum 28. Februar 2020 betrug am Ende 13 %. Zusam­men mit dem Kurs­sturz von 8% am Mon­tag, 9. März, addie­ren sich die Kurs­ver­luste auf 23 Pro­zent. Der schlimmste Bör­sen­tag war Don­ners­tag, 12. März 2020. An die­sem Tag sackte der Dax um – 12,24 % auf 9161,13 Punkte ab. Mehr als 18 Bil­lio­nen Dol­lar Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung sind an den Welt­bör­sen in drei Wochen über die Wup­per gegan­gen. Zum Ver­gleich: 3,44 Bil­lio­nen Euro betrug das BIP Deutsch­lands im ver­gan­ge­nen Jahr, das der USA 19,2 Bil­lio­nen Euro. Die Aktien von Com­merz­bank und Deut­scher Bank fie­len allein am 12. März um 14 Pro­zent. Die Auto­ak­tien hat­ten schon mon­tags über­pro­por­tio­nal an Wert ver­lo­ren. Daim­ler ‑13,44 %, VW ‑10,52 %, BMW ‑10,84 %, Ford – 10,53 %.

Kurs­ver­luste ent­ste­hen bekannt­lich durch Ver­käufe. Aber wo wer­den die geret­te­ten Akti­en­er­löse depo­niert? Die Anle­ger flie­hen zunächst in ver­meint­lich sichere Häfen wie Anlei­hen und Gold. Folg­lich sank die Ren­dite zehn­jäh­ri­ger deut­scher Anlei­hen schon am Mor­gen des 9. März um 0,13 Pro­zent­punkte auf minus 0,85 Pro­zent. Das war ein neues Rekordtief.

Han­dels­blatt online (8. März): «Die Flucht der Inves­to­ren in sichere Staats­an­lei­hen hat neue Dimen­sio­nen ange­nom­men. Die Kurse stei­gen so rasant wie lange nicht. Im Gegen­zug mar­kie­ren die Ren­di­ten neue his­to­ri­sche Tief­stände – sowohl in den USA als auch in Deutsch­land. In den USA sackte die Ren­dite der zehn­jäh­ri­gen Staats­an­leihe in der Spitze um ein Drit­tel bezie­hungs­weise 0,27 Pro­zent­punkte auf bis zu 0,66 Pro­zent ab. So einen deut­li­chen Ren­di­te­rutsch gab es seit fast zehn Jah­ren nicht. Übli­cher­weise gel­ten bei Ren­di­ten von siche­ren Staats­an­lei­hen bereits Tages­ver­än­de­run­gen von 0,05 Pro­zent­punk­ten als deut­lich. Die zehn­jäh­rige US-Staats­an­leihe gilt als wich­tigs­ter Bond weltweit.»

Unter­des­sen regis­trierte vor 10 Tagen das Han­dels­blatt (5. April 2020) erheb­li­che Panik bei den Anle­gern an euro­päi­schen Fonds­märk­ten. Im März ver­kauf­ten sie Anteile für netto 202 Mil­li­ar­den Euro. Zitat: «Da herrscht die pure Angst.» Die Stim­mungs­wende sei dra­ma­tisch. Noch im Februar waren 40 Mil­li­ar­den Euro inves­tiert worden.

Die jähe Wende kam bei allen gro­ßen Anla­ge­klas­sen: bei Aktien, Anlei­hen und Misch­fonds. In allen Seg­men­ten gaben die Inves­to­ren Anteile zurück. «Die Anle­ger reagier­ten durch­weg panisch, es schien nur noch einen siche­ren Hafen zu geben, und das war Cash». Erst seien Aktien ver­kauft wor­den, dann ris­kan­tere Anlei­hen, anschlie­ßend Bonds mit gutem Rating, zuletzt sogar die als sicher gel­ten­den Bun­des­an­lei­hen und Gold.

Beson­ders extrem fie­len die Absatz­zah­len bei den Anlei­he­fonds aus. Den Februar-Zuflüs­sen von 26 Mil­li­ar­den Euro folg­ten März-Abflüsse von 106 Mil­li­ar­den Euro. Die größ­ten Anteils­rück­ga­ben gab es bei Pro­duk­ten, die vor allem in Emis­sio­nen aus Schwel­len­län­dern und in Bonds von Unter­neh­men mit schlech­tem Rating inves­tie­ren. Genau dort hat­ten Inves­to­ren in den letz­ten Jah­ren nach locken­den Ren­di­ten gesucht, weil die nied­ri­gen Zin­sen der klas­si­schen Staats­an­lei­hen keine attrak­ti­ven Ein­nah­men mehr lie­fer­ten. Aber die Kurse hoch ver­zins­ter Schwel­len­län­der-Anlei­hen fie­len in die­sem Jahr im Schnitt um fast ein Fünf­tel. Das sind gewal­tige Sprünge.

HB: «(Es) stellt sich die Frage, ob der Bör­sen­ab­sturz nicht eine Kette von Finanz­re­ak­tio­nen aus­lö­sen könnte – eine Art Domi­no­ef­fekt wie 2008, als sich ver­schie­dene nega­tive Effekte gegen­sei­tig ver­stärk­ten und eine Schneise der Ver­wüs­tung durch die glo­ba­len Finanz­märkte schlugen.

Die ent­schei­dende Schwach­stelle der Welt­wirt­schaft liegt in der hohen Ver­schul­dung begrün­det. Nach Jah­ren mit Nied­rig­zin­sen sind die roten Zah­len in nie gekannte Dimen­sio­nen gestiegen.»

Das Insti­tute of Inter­na­tio­nal Finance (IIF) hatte dies­be­züg­lich für Ende März eine Pro­gnose von 247 Bil­lio­nen Dol­lar gestellt, eine Summe, die mehr als das Drei­fa­che des Welt­brut­to­in­lands­pro­dukts reprä­sen­tiert. In die­sem schwar­zen Loch wer­den Bil­lio­nen­sum­men ver­senkt. Ver­geb­lich. Eine gewal­tige Maß­nahme nach der ande­ren und immer höhere Sum­men schaf­fen es nicht, die Kapi­tal­ver­nich­tung zu stop­pen. Zuletzt wurde am Don­ners­tag gemel­det, daß die Fed 2,3 Bil­lio­nen Dol­lar in die Wirt­schaft pumpe. Ges­tern hieß die Nach­richt in der ARD: Die Wall Street starte mit deut­li­chen Verlusten.

 

Aus­lö­ser, nicht Ursache

Seit heute mor­gen um 10.10 Uhr hat eine wun­der­same tech­ni­sche Stö­rung einen Groß­teil des Han­dels an der Deut­schen Börse lahm­ge­legt. Über die Art der Stö­rung und ihre Ursa­chen konnte ein Bör­sen­spre­cher keine Anga­ben machen, man unter­su­che sie der­zeit. Einen Hacker­an­griff könne man aus­schlie­ßen, mel­dete die FAZ heute Mit­tag. Aber um 14.00 Uhr konnte es wei­ter gehen mit einem Kurs von 10.676 Punk­ten, der um 16.10 Uhr seine heu­ti­gen Gip­fel von 10.818 Punk­ten erreichte und um 17.33 Uhr bei 10.706 Punk­ten endete. Auch die ame­ri­ka­ni­schen Bör­sen­werte gaben sich freund­lich. Die FAZ sucht die Gründe in guten chi­ne­si­schen Zah­len. Zitat: «Für Opti­mis­mus sorg­ten Export­da­ten aus China, die bes­ser als erwar­tet aus­ge­fal­len waren.»

 

Und das alles hat ein Virus gemacht?

Con­rad Schuh­ler vom ISW schreibt am 12. April unter der Über­schrift «Das Virus war nicht Ursa­che, son­dern Aus­lö­ser und Ver­schär­fer des Crashs»: Wir hät­ten es mit einer schon ein Jahr­zehnt anhal­ten­den Über­ak­ku­mu­la­ti­ons­krise zu tun: das Wert­schöp­fungs­po­ten­tial über­steigt die effek­tive Nach­frage, wor­auf die Indus­trie, das Herz­stück der Wert­schöp­fung, mit einem Rück­gang ihrer Pro­duk­tion reagiert; und die Finanz­stra­te­gen, die Ver­meh­rer der Geld­ver­mö­gen, reagier­ten mit wei­te­ren Ein­stie­gen in die Finanz­ti­tel, blie­sen den Bal­lon des fik­ti­ven Ver­mö­gens wei­ter auf. Es sei dies die klas­si­sche Struk­tur des Finanz­ka­pi­ta­lis­mus, der ent­spre­chend dem klas­si­schen Mus­ter Kurs genom­men hatte auf den Tief­punkt der Krise, den ulti­ma­ti­ven Crash des Finanzsystems.

 

Zwecks Täu­schung des Publi­kums wird die Krise indes nach ihrem Anlass als Corona-Krise benannt. Tat­säch­lich aber ist sie eine ganz banale kapi­ta­lis­ti­sche Über­pro­duk­ti­ons­krise. Im Kapi­ta­lis­mus sind Pro­duk­tion und Kon­sum­tion der Kapi­tal­ver­wer­tung unter­ge­ord­net. «Der letzte Grund aller wirk­li­chen Kri­sen bleibt immer die Armut und Kon­sum­ti­ons­be­schrän­kung der Mas­sen gegen­über dem Trieb der kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­tion, die Pro­duk­tiv­kräfte so zu ent­wi­ckeln, als ob nur die abso­lute Kon­sum­ti­ons­fä­hig­keit der Gesell­schaft ihre Grenze bilde.» (MEW 25, 501)

Die Seu­che ist aber nicht nur Aus­lö­ser der Krise. Sie wirkt als Ver­stär­ker. Und sie legi­ti­miert Notstandsmaßnahmen.

 

Der Floh

«Fuchs, Wolf, Bär, Löwe, Floh»: Georg Fül­berth erzählt in der Zwei­wo­chen­zeit­schrift Ossietzky (4. April 2020) von einem Mär­chen. Es han­delt von einem Hähn­chen, das ein Hühn­chen begra­ben musste und die­ses auf einen Wagen legte. Der Wagen wird über einen Sumpf zum Fried­hof gezo­gen. Unter­wegs bit­ten ein Fuchs, ein Wolf, ein Bär und ein Löwe darum, auf­sit­zen und mit­fah­ren zu dür­fen. Das wird ihnen erlaubt, ebenso am Ende auch noch einem Floh. Der aber war zu viel: Der Wagen versinkt.

Fül­berth wei­ter: «Auf den ers­ten Blick sieht es so aus, als sei der Floh die Vor­aus­set­zung der Kata­stro­phe gewe­sen. Ohne ihn wäre der Wagen ans Ziel gekom­men. Ande­rer­seits: Erst die Last von Fuchs, Wolf, Löwe und Bär war die Ursa­che dafür, dass am Ende das win­zige Insekt nicht mehr trag­bar gewe­sen ist.»

Und dann erklärt Fül­berth, was diese Meta­pher mit dem Coro­na­vi­rus zu tun hat. Die Seu­che setze Trends fort, die sich bereits vor­her ange­kün­digt hät­ten, und kommt dann auf die Kon­junk­tur­ent­wick­lung zu spre­chen. «Dass die wirt­schaft­li­che Erho­lung, die nach der Krise von 2008/09 ein­ge­setzt hatte und durch die Geld­po­li­tik der Euro­päi­schen Zen­tral­bank ab 2012 am Ver­puf­fen gehin­dert wurde, irgend­wann einer der übli­chen peri­odi­schen Rezes­sio­nen wei­chen müsse, ist nach circa zehn Jah­ren erwar­tet wor­den, ab 2018 häuf­ten sich die Crash-Pro­gno­sen. Der schwarze Don­ners­tag – die Bör­sen­pa­nik vom 12. März 2020 – wurde zwar durch die Furcht vor dem Coro­na­vi­rus aus­ge­löst. Aber sonst hätte ein ande­res Ereig­nis irgend­wann dazu geführt.»

Warum ist es wich­tig, hin­ter der Seu­che die tat­säch­li­che Ursa­che der Wirt­schafts­krise zu erken­nen? Wir ste­hen noch am Anfang der Seu­che, ihr Ende ist viel­leicht zu erah­nen. Sie ver­stellt unter­des­sen den Blick auf die katat­s­tro­phale Wirt­schafts­krise, die sich eben­falls erst zu ent­wi­ckeln beginnt. Die Not­stands­re­geln und Grund­rechts­ein­schrän­kun­gen indes, die jetzt noch sinn­voll und als Seu­chen­prä­ven­tion begrün­det erschei­nen, wer­den bald zur Sedie­rung der Bevöl­ke­rung die­nen, wenn Arbeits­plätze, Bar­geld, Lebens­mit­tel, Ver­kehrs- und Ver­stän­di­gungs­mit­tel knapp werden.

 

Infek­ti­ons­schutz­ge­setz und Epidemiegesetz

Das lehrt zunächst mal der Blick auf die ein­schlä­gi­gen Gesetze. Da ist das Infek­ti­ons­schutz­ge­setz, das am 25. März novel­liert wurde und eine Reihe von Grund­rech­ten zur Dis­po­si­tion stellt. Ihm folgt das soge­mannte Epi­de­mie­ge­setz des Lan­des, das heute im Land­tag beschlos­sen wurde. Laschet wollte es schon am 1. April durch den Land­tag jagen, stieß aber auf Wider­stand. Eine Exper­ten­an­hö­rung wurde nötig. Es kam grund­sätz­li­che Kri­tik, unter ande­rem gegen die geplante Zwangs­ar­beit medi­zi­ni­schen Per­so­nals, zur Spra­che. Der Gesetz­ent­wurf musste ent­schärft werden.

 

Bun­des­wehr im Inneren

Im Kri­sen­stab von Innen- und Gesund­heits­mi­nis­te­rien ist die Bun­des­wehr füh­rend ver­tre­ten. 15.000 Sol­da­ten sind seit Anfang April mobi­li­siert. 9.000 von ihnen kämp­fen im Sinne des Arti­kels 35 GG (Rechts- und Amts­hilfe, Kata­stro­phen­hilfe) gegen den Virus. Aber 6.000 Sol­da­ten und Feld­jä­ger erfül­len seit dem 3. April Poli­zei­auf­ga­ben. Damit ver­lässt die Bun­des­wehr den Boden des Grund­ge­set­zes, wenn wir nicht davon aus­ge­hen wol­len, dass die Regie­rung den Span­nungs- und Ver­tei­di­gungs­fall (Arti­kel 115a GG) vor­be­rei­tet. Das Grund­ge­setz kennt für den Ein­satz im Inland sonst nur noch den Fall des Inne­ren Not­stands nach Arti­kel 87 a, Absatz 4. Vor­aus­set­zung eines der­ar­ti­gen Ein­sat­zes ist eine Bedro­hung des Bun­des, eines Lan­des oder der Ver­fas­sungs­ord­nung durch mili­tä­risch orga­ni­sierte und bewaff­nete Unru­hen. Offen­bar wird sowas erwartet.

Gegen Grund­rechte ver­sto­ßen wei­tere behörd­li­che Maßnahmen.

 

Track­ing

Stän­dig wer­den wir mit dem Ver­such gelang­weilt, uns das Track­ing schmack­haft zu machen, also die Auf­zeich­nung von Bewe­gungs­pro­fi­len von Han­dy­nut­zern, angeb­lich zu dem Zweck, uns vor Anste­ckung zu schützen.

 

Arbeits­zeit

Seit dem ver­gan­ge­nen Diens­tag, 7. April, gilt eine neue «Ver­ord­nung zu Abwei­chun­gen vom Arbeits­zeit­ge­setz infolge der COVID-19-Epi­de­mie» (COVID-19-Arbeits­zeit­ver­ord­nung), nach der künf­tig «die werk­täg­li­che Arbeits­zeit der Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer auf bis zu zwölf Stun­den ver­län­gert wer­den» darf.

 

Ver­hin­der­ter Ostermarsch

Die Poli­zei notierte am Oster­sams­tag die Per­so­na­lien von Oster­mar­schie­rern, die sich trotz Absage am Treff­punkt vor dem Museum Lud­wig in Köln ein­fan­den, ins­be­son­dere, wenn sie durch Frie­dens­tau­ben auf ihren T‑shirts kennt­lich waren, und kün­digte Straf­an­zei­gen an.

 

Ver­hin­der­ter Pro­test gegen Zwangsräumung

Hin­ter dem Schirm der Aus­geh­ver­bote hofft die Stadt, Zwangs­räu­mun­gen ohne läs­tige Pro­teste vor­neh­men zu kön­nen. Für den 7. April, 11.00 Uhr, war eine Zwangs­räu­mung in der Mon­ta­nus­straße 49 ange­setzt. Die Ober­ge­richts­voll­zie­he­rin Mela­nie Pesch wollte eine Fami­lie mit zwei klei­nen Kin­dern aus der Wohung trei­ben. Rai­ner Kippe vom SSM hat das mit­tels Pres­se­mit­tei­lung skan­da­li­sie­ren kön­nen. Die Räu­mung wurde abge­sagt. Die ört­li­che Presse berich­tete. Etwa 10 Men­schen hat­ten sich ein­ge­fun­den, um zu pro­tes­tie­ren. Ihre Per­so­na­lien wur­den regis­triert. Kalle wurde unter dem Vor­wand einer Alko­hol­kon­trolle in einer Poli­zei­wa­che fest­ge­hal­ten. Trotz Null Pro­mille erwar­tet ihn eine Anzeige. Er habe sein Handy im Auto benutzt.

 

Ver­hin­der­ter Pro­test gegen unmensch­li­che Flüchtlingspolitik

Am Oster­sams­tag­nach­mit­tag hat die Poli­zei eine Demons­tra­tion von 60 bis 100 Betei­lig­ten am Aache­ner Wei­her auf­ge­löst und die Daten von 15 Per­so­nen notiert, als sie ihrer hab­haft wer­den konnte. Sie hat­ten für die Rechte von Flücht­lin­gen demonstriert.

 

Ver­hin­derte Demons­tra­tion für das Grundgesetz

In Ber­lin jagte die Poli­zei Ver­tei­le­rin­nen und Ver­tei­ler von Grund­ge­setz­bro­schü­ren, wie der Sen­der 3sat kurz berichtete.

 

Behin­de­rung der Kommunalwahl

Der DKP Köln wurde die Kreis­mit­glie­der­ver­samm­lung, die zur Auf­stel­lung von Kan­di­da­ten anbe­raumt war, ver­bo­ten und die­ses Ver­bot auf Nach­frage beim Wahl­amt bekräf­tigt. Für Ter­mi­nie­rung einer erneu­ten KMV samt Ein­la­dung mit Vier­wo­chen­frist ist der 19. April abzu­war­ten. Distanz­ge­bote und Zeit­gründe erschwe­ren die Samm­lung von Unter­stüt­zungs­un­ter­schrif­ten. Sie müs­sen bis zum 16. Juli vor­lie­gen und vom Wahl­amt geprüft sein. Wahl­kampf ist unter den obwal­ten­den Umstän­den erschwert.

 

Bill Gates ahnt ein Geschäft

Am Oster­sonn­tag wurde von den Tages­the­men gemel­det, dass Micro­soft-Grün­der Bill Gates hoffe, dass es in etwa 18 Mona­ten einen Impf­stoff gegen das Coro­na­vi­rus geben werde. Er sagte nicht, dass Fir­men, an denen er Anteile hat, an sol­chen Impf­stof­fen arbei­ten. Dar­un­ter ist die Firma Cur­e­vac in Tübin­gen. Aber er ist zuver­sicht­lich, dass in 18 Mona­ten ein Impf­stoff bereit­ge­stellt wer­den kann. Und wirbt schon dafür: Man müsse den Impf­stoff auf Unbe­denk­lich­keit und Wirk­sam­keit prü­fen, dann die indus­tri­el­len Kapa­zi­tä­ten zur Her­stel­lung auf­bauen. Bill Gates besitzt aber auch über seine Stif­tung Anteile der Johns Hop­kins Uni­ver­sity, die uns täg­lich über den Umfang und die Ent­wick­lung der Corona-Seu­che auf dem Lau­fen­den hält. Para­graph 20 des Infek­ti­ons­schutz­ge­set­zes (IfSG) regelt die Pflicht zur Schutz­imp­fung sowie deren Bezah­lung. In Kapi­tel 6 und 7 des Natio­na­len Pan­de­mie­plans I geht es aus­führ­lich um das Vor­hal­ten und die Finan­zie­rung von Impfstoff.

 

Klaus, 14. April 2020

Abschied vom Grund­ge­setz, 3sat-Video
7 Min. | Ver­füg­bar bis: 06.04.2021