Ende von Trump, aber noch nicht des Trumpismus

USA ProudBoys Trump Plakat
Die Zeit von jetzt an bis zum Tag der Amts­ein­füh­rung Bidens könnte gefähr­lich sein, meint der lei­tende Redak­teur von «People‘s World», C. J. Atkins


13.11.2020 |
Die Nie­der­lage von Trump bedeu­tet nicht das Ende der rechts­extre­men Make Ame­rica Great Again-Basis ++ Trump hat eine Mas­sen­be­we­gung hin­ter sich, die eine Mas­sen­ba­sis für Faschis­mus bil­den kann ++ Trump wurde durch eine «all-people’s front» besiegt ++ die Demo­kra­ti­sche Par­tei ist eine Kampf­arena: Biden wird nicht ein­fach die glei­che neo­li­be­rale Poli­tik wie­der auf­grei­fen kön­nen, das durch Ber­nie San­ders aus­ge­löste «sozia­lis­ti­sche Moment» wird wei­ter wachsen.

 

Vor­be­mer­kung: Der Text ist eine Arbeits­über­set­zung eines Bei­trags des lei­ten­den Redak­teurs der Online-Zei­tung «People’s World», C. J. Atkins, zum Aus­gang der US-Prä­si­den­ten­wahl. Der Bei­trag wurde am 6. Novem­ber mit dem Titel «Nach­ruf auf die Ära Trump» ver­öf­fent­lichte, einen Tag, bevor die end­gül­tige Wahl­nie­der­lage von Donald Trump und der Sieg des demo­kra­ti­schen Kon­kur­ren­ten Joe Biden und sei­ner Vize­prä­si­den­tin Camilla Har­ris in der US-Öffent­lich­keit bekannt­ge­macht wurden. 

Er bie­tet einen Ein­blick in die Über­le­gun­gen und teil­weise auch noch kon­tro­ver­sen Debat­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Lin­ken an die­sem aktu­el­len poli­ti­schen Wen­de­punkt, der sich in dem Wahl­aus­gang abzeichnet. 

«People’s World» gilt als eine der KP der USA nahe­ste­hende mar­xis­tisch ori­en­tierte Online-Zei­tung, die aber selbst Wert dar­auf legt zu beto­nen, dass sie par­tei- und orga­ni­sa­ti­ons­un­ab­hän­gig ist und neben der Mei­nung von US-Kommunist*innen auch die ande­rer lin­ker Strö­mun­gen und Bewe­gun­gen sowie aus den Gewerk­schaf­ten ver­öf­fent­licht und die Stimme der ver­schie­den­ar­tigs­ten «Graswurzel»-Bewegungen sein will.
C. J. Atkins ist Dok­tor der Poli­ti­schen Wis­sen­schaf­ten der York Uni­ver­sity in Toronto mit dem Schwer­punkt For­schun­gen und Lehr­tä­tig­keit in Poli­ti­scher Öko­no­mie und spe­zi­ell der Ent­wick­lung der Poli­tik und Ideen der ame­ri­ka­ni­schen Linken.

Georg Poli­keit

 

Nach­ruf auf die Ära Trumps

C. J. Atkins

Die ame­ri­ka­ni­sche Bevöl­ke­rung hat ihre ulti­ma­tive Ent­schei­dung über das Schick­sal von Donald Trump bekannt­ge­ge­ben, und seine Bot­schaft an den Rea­lity-TV-Star lau­tet: Sie sind gefeuert!

Das Ren­nen war in vie­len Bun­des­staa­ten enger, als die Umfra­gen vor­her­ge­sagt hat­ten und die Aus­zäh­lung der Stim­men wird noch einige Tage wei­ter­ge­hen, aber es sind genü­gend Daten ver­füg­bar, um zu sehen, dass Joe Biden gewon­nen und Trump kei­nen Weg zu einer Wie­der­wahl mehr hat. Die Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler fäll­ten ihr Urteil über den Prä­si­den­ten und kehr­ten zu dem Schuld­spruch zurück, den der von den Repu­bli­ka­nern (»REPs») kon­trol­lierte Senat beim Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren gegen ihn schänd­li­cher Weise ver­wei­gert hatte.

Mehr als 70 Mil­lio­nen Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler über­wan­den alle Bestre­bun­gen der «REPs», ihre Stimm­ab­gabe zu blo­ckie­ren, Säu­be­run­gen von schwar­zen und Latino-Wähler*innen aus den Wäh­ler­ver­zeich­nis­sen, mani­pu­lierte Ver­än­de­run­gen von Wahl­be­zir­ken, Sabo­tage der US-Post­dienste, Ein­schüch­te­rung durch bewaff­nete rechts­extreme Mili­zen, Wahl­ver­bote für ehe­mals Inhaf­tierte, ver­schlos­sene Wahl­lo­kale und Trumps Ver­such, die Wahl zu steh­len, noch bevor die Aus­zäh­lung been­det ist. Nichts davon hat ausgereicht.

Die Zeit von jetzt an bis zum Tag der Amts­ein­füh­rung könnte gefähr­lich sein

Er fuch­telt mit dem Vor­wurf des Mas­sen-Wahl­be­trugs herum, aber dafür gibt es kei­ner­lei Beweise. Die Zeit von jetzt an bis zum Tag der Amts­ein­füh­rung (20. Januar 2021, Übers.) könnte gefähr­lich sein, da Trump mit Ver­schwö­rungs­theo­rien hau­sie­ren geht und ver­sucht, seine rech­ten Mobs zu mobi­li­sie­ren, um Chaos zu schaf­fen. Des­halb müs­sen die Anstren­gun­gen der Bevöl­ke­rung, das Wahl­er­geb­nis zu schüt­zen, fort­ge­setzt und sogar noch ver­stärkt werden.

Die faschis­ti­sche, bewaff­nete Miliz «Proud Boys» will wie Trump den Wahl­sieg von Joe Biden nicht akzep­tie­ren. Donald Trump hatte die para­mi­li­tä­risch orga­ni­sierte Schlä­ger­truppe wäh­rend des ers­ten TV-Duells mit Joe Biden dazu auf­ge­ru­fen, zunächst einen Schritt zurück­zu­tre­ten, sich aber «bereit­zu­hal­ten», damit der Wahl­sieg nicht gestoh­len wird.
Auf­ge­hetzt von Trump, der sei­nen Anhänger*innen seit Tagen erzählt, dass ihm die Wahl «gestoh­len» wor­den sei, rufen die «Proud Boys» jetzt für kom­men­den Sams­tag (14.11.) unter den Losun­gen «Mil­lion Maga March» (Make Ame­rica Great Again) und «Stop the Steal» (Stoppt den Dieb­stahl) zu einer Groß­kund­ge­bung in Washing­ton auf.

Aber die Kon­trolle des Wei­ßen Hau­ses wird schließ­lich an Biden gehen, der die Corona-Pan­de­mie zu bekämp­fen haben wird und gleich­zei­tig ver­su­chen muss, die Wirt­schaft anzu­kur­beln. Die Demo­kra­ti­sche Par­tei wird die Mehr­heit im Reprä­sen­tan­ten­haus behal­ten, obwohl sie Sitze ver­lo­ren hat. Über den Senat wird nicht vor Januar ent­schie­den wer­den, wegen gro­ßer Stich­wahl­kämpfe in Geor­gia (die erst im Januar ange­setzt sind, Übers.), die wahr­schein­lich erst end­gül­tig ent­schei­den, wer dort die Kon­trolle bekommt. Auf der Ebene der Bun­des­staa­ten ist das Bild noch nicht voll­stän­dig, aber die Demo­kra­ten haben sicher­lich nur glanz­lose Ergeb­nisse zu verzeichnen.

US-Außen­mi­nis­ter:
Es wird eine Amts­über­gabe geben – von Trump zu Trump

USA Pompeo Bolsonaro

Wäh­rend das Weiße Haus die Ein­lei­tung der Amts­über­gabe von Donald Trump an Joe Biden blo­ckiert und von Wahl­fäl­schun­gen spricht, gießt US-Außen­mi­nis­ter Mike Pom­peo Öl ins Feuer: «Es wird eine glatte Über­gabe geben – zu einer zwei­ten Trump-Regie­rung», zitiert die Nach­rich­ten­agen­tur Bloom­berg aus einem Presse-Brie­fing des Außen­mi­nis­ters.
Vor dem Hin­ter­grund, dass die USA immer wie­der aus­län­di­sche Regie­run­gen auf­for­dern, demo­kra­ti­sche Ent­schei­dun­gen zu akzep­tie­ren, wies der Außen­mi­nis­ter den Vor­wurf der Heu­che­lei zurück. (zitiert nach ntv, US-Wahl-Live­ti­cker, Diens­tag, 10. Novem­ber 2020, 19:31)

Es ent­behrt nicht einer gewis­sen Iro­nie, dass die US-Bot­schaft in der Elfen­bein­küste am 4.11. den Wahl­sie­ger der dor­ti­gen Prä­si­dent­schafts­wahl auf­for­derte, Demo­kra­tie und Rechts­staat­lich­keit zu ach­ten. Staats­chef Alas­sane Ouat­tara hat die Wahl in dem west­afri­ka­ni­schen Land mit über­wäl­ti­gen­der Mehr­heit (94%) gewonnen.

In Washing­ton wer­den die REP-Sena­to­ren, genau wie sie es wäh­rend der Obama-Jahre seit 2010 gemacht haben, nach der Amts­ei­füh­rung von ‚Biden ver­su­chen, jeden fort­schritt­li­chen Vor­schlag oder Gesetz­ent­wurf zu blo­ckie­ren; wenn sie (im Senat) die Mehr­heit haben, wer­den die Dinge noch schlim­mer. Das heißt, fort­ge­setzte Ein­heit der Anti-Trump-Koali­tion ist not­wen­dig, wenn wir begin­nen wol­len, den von Trump ange­rich­te­ten Scha­den zu beheben.

Das offen­sicht­lichste und schlimmste Erbe sei­nes Regimes wer­den die 235.000 Ame­ri­ka­ner sein, die am Coro­na­vi­rus gestor­ben sind, und die 100.000 oder mehr, von denen erwar­tet wird, dass sie noch vor sei­nem Aus­schei­den aus dem Amt ster­ben wer­den. Diese gräss­li­che Sta­tis­tik, gepaart mit den über 25 Mil­lio­nen Arbeits­plät­zen, die infolge der von in sei­ner Amts­zeit ein­ge­tre­te­nen wirt­schaft­li­chen Depres­sion ver­nich­tet wur­den, machen Trump mit Sicher­heit zum schlech­tes­ten Prä­si­den­ten in der Geschichte der USA.

Doch schon bevor Covid-19 auf­kam, ver­dien­ten seine Taten Ver­ur­tei­lung. Rie­sige Steu­er­sen­kun­gen haben die Super­rei­chen noch rei­cher gemacht, das Ein­wan­de­rungs­sys­tem wurde in eine breite Allee der Mas­sen­ein­ker­ke­rung ver­wan­delt, die Gewalt wei­ßer Ras­sis­ten und der Poli­zei ist sprung­haft ange­wach­sen, Far­bige und Frauen wur­den zur Ziel­scheibe von Angrif­fen, die Gerichte nei­gen jetzt zum Rechts­extre­mis­mus und der mili­tä­risch-indus­tri­elle Kom­plex ist mäch­ti­ger denn je.

In den kom­men­den Tagen und Wochen wird es detail­lierte Ana­ly­sen dar­über geben, wie genau sich der Sturz von Trump ent­wi­ckelt hat. Aber wir kön­nen damit begin­nen, dar­auf zurück­zu­bli­cken, wel­che gesell­schaft­li­chen, klas­sen­mä­ßi­gen und poli­ti­schen Kräfte sei­nen Auf­stieg zur Macht unter­stützt und wel­che ihn been­det haben.

Der Auf­stieg von Trump

Es lohnt sich, noch ein­mal fest­zu­hal­ten, dass Trump genau wie 2020 auch schon 2016 die Abstim­mung der Wäh­ler­mas­sen nicht gewon­nen hatte. Hilary Clin­ton schlug ihn mit drei Mil­lio­nen Stim­men mehr. Das heißt, es ist unbe­streit­bar, dass Trump zu gro­ßen Tei­len an die Macht gelangte, weil er eine Mas­sen­be­we­gung hin­ter sich hatte, die ihn unter­stützte. Sie war am stärks­ten in den Süd­staa­ten und Tei­len des Mitt­le­ren Wes­tens, wo er sich unter Nut­zung von kras­sem Ras­sis­mus, Frau­en­feind­lich­keit, Isla­mo­pho­bie und Anti-Immi­gran­ten-Gefüh­len Unter­stüt­zung verschaffte.

Trump hat eine Mas­sen­be­we­gung hin­ter sich … sie bil­det die Mas­sen­ba­sis für Faschismus

Die gute Nach­richt, wenn es über­haupt eine gibt, ist, dass seine ein­ge­fleisch­ten Anhän­ger bis­her nur etwa ein Drit­tel der Wäh­ler­schaft aus­mach­ten. Sie bil­den die Mas­sen­ba­sis für Faschis­mus in den USA, wenn es Trump’s faschis­ti­schen Ten­den­zen ermög­licht wor­den wäre, sich in einer zwei­ten Amts­zeit zu beschleu­ni­gen. Dies sind die Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler, die lei­der zu Trump ste­hen, egal wie empö­rend seine Rhe­to­rik und seine Taten wer­den. Selbst hun­dert­tau­sende Corona-Tote haben ihren Glau­ben nicht erschüt­tert. Die schlechte Nach­richt ist, dass frühe Daten­er­he­bun­gen zu den Wah­len zeig­ten, dass ihre Rei­hen gegen­wär­tig zah­len­mä­ßig ange­wach­sen sein dürften.

2016 ver­band Trump diese Basis mit genü­gend wei­ßen Wäh­le­rin­nen und Wäh­lern aus der Arbei­ter­klasse in indus­tri­ell ent­wi­ckel­ten Staa­ten, die übli­cher­weise Demo­kra­ten wähl­ten, um einen Sieg im Wahl­leute-Kol­le­gium her­aus­zu­ho­len. Jahr­zehn­te­lange uner­füllte «Glo­ba­li­sie­rungs»- und «Freihandels»-Wohlstandsversprechen machen die Men­schen in die­sen Gebie­ten emp­fäng­lich für Behaup­tun­gen, dass Trump «die Jobs zurück­brin­gen» werde.

Das fand natür­lich nicht statt, und nun sieht es so aus, dass Mil­lio­nen Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler in Gebiete wie Wis­con­sin, Michi­gan und Penn­syl­van­nia ihn ver­las­sen haben. Sein Ver­sa­gen bei der Behand­lung der Covid-19-Pan­de­mie trug sicher­lich dazu bei, noch mehr davon loszulösen.

Inner­halb des poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Estab­lish­ments sind die Gründe, warum sie Trump unter­stützt haben, unter­schied­li­cher. Für viele repu­bli­ka­ni­sche Poli­ti­ker war Trump ein­fach ein Mit­tel zum Zweck. Sie stimm­ten nicht über­ein mit sei­nem chao­ti­schen Stil oder sei­nen Ver­schwö­rungs­theo­rien, aber er lie­ferte die Steu­er­sen­kun­gen, die Dere­gu­lie­rung, die Mili­tär­aus­ga­ben und kon­ser­va­ti­ven Rich­ter, die sie woll­ten. Außer­dem ver­fügte er über eine mes­sia­ni­sche Herr­schaft über die Wäh­ler­ba­sis, die ihre Kar­rie­ren aus­ma­chen oder abbre­chen konnte.

Nun, da ihr König vom Thron gestürzt ist, wäre es nicht über­ra­schend, wenn viele plötz­lich begin­nen wür­den zu behaup­ten, dass sie immer Zwei­fel über Trump hat­ten. Aber die Repu­bli­ka­ni­sche Par­tei trägt die direkte Ver­ant­wor­tung für sei­nen poli­ti­schen Auf­stieg. 35 Jahre Rep-Extre­mis­mus, begin­nend mit der Über­nahme der Repu­bli­ka­ni­schen Par­tei durch die Rech­ten wäh­rend der Prä­si­dent­schaft Rea­gans, die Ein­füh­rung der neo­li­be­ra­len Poli­tik, die Jobs ver­nich­tete, mas­sive Kon­zen­tra­tion des Reich­tums, Unter­stüt­zung für die ras­sis­ti­sche Tea Party und die Ver­fes­ti­gung eines rechts­las­ti­gen Medien Wirt­schafts­sys­tems, all das kam zusam­men, um einen Kan­di­da­ten wie Trump mög­lich zu machen.

Die kapi­ta­lis­ti­sche Klasse wurde 2016 weit­ge­hend gespalten

Was die kapi­ta­lis­ti­sche Klasse angeht, wurde sie 2016 weit­ge­hend gespal­ten. Trumps Rück­sichts­lo­sig­keit und spal­te­ri­sche Poli­tik wurde als eine Gefahr für die inter­na­tio­nale neo­li­be­rale Ord­nung gese­hen. Des­halb waren Trumps frü­heste Unter­stüt­zer aus der Wirt­schaft meist Ver­tre­ter des klei­nen und mitt­le­ren Kapi­tals und der ein­hei­mi­schen Energiekonzerne.

Sek­to­ren wie die gro­ßen Öl‑, Finanz- und Hoch­tech­no­lo­gie-Unter­neh­men hät­ten wahr­schein­lich lie­ber einen Kan­di­da­ten aus dem repu­bli­ka­ni­schen Estab­lish­ment wie ein Jeb Bush oder einige wenige zuletzt sogar eine Demo­kra­tin wie Clin­ton vor­ge­zo­gen. Ihr Geschäft ist inter­na­tio­nal, sodass viele unwil­lig waren, jeman­den wie Trump zu unter­stüt­zen, der damit drohte, Gren­zen zu schlie­ßen und den freien Han­del ein­zu­schrän­ken. Für diese war das ent­schei­dende Kri­te­rium ein kom­pe­ten­tes Manage­ment des kapi­ta­lis­ti­schen Systems.

Nach­dem Clin­ton ver­lor, begrüßte aller­dings die ganze Kapi­ta­lis­ten­klasse natür­lich erfreut die von einer Trump-Prä­si­dent­schaft dar­ge­bo­te­nen Steu­er­erleich­te­run­gen und Dere­gu­lie­run­gen. Einige Sek­to­ren wie der Mili­tär-Indus­trie-Kom­plex erleb­ten, dass ihre Gewinne unter ihm explo­dier­ten. Alle von ihnen stell­ten fest, dass sein iso­la­tio­nis­ti­scher Pro­tek­tio­nis­mus nicht alles war, was er vor­gab zu sein. Am Ende lief es auf einen Zoll-Krieg gegen China und einige andere weni­ger dra­ma­ti­schen Schritte hinaus.

Fak­tisch hät­ten die meis­ten gro­ßen Kapi­ta­lis­ten vor COVID-19 eine zweite Amts­zeit Trump im Jahr 2020 befür­wor­tet. Doch mit der eska­lie­ren­den Coro­na­vi­rus-Kata­stro­phe und der wirt­schaft­li­chen Depres­sion erwärm­ten sich viele an der Wall Street und im Sili­con Val­ley im Lauf des Som­mers und Herbsts für eine Biden-Admi­nis­tra­tion. Sie sind immer noch nicht begeis­tert von Bidens Vor­schlag für Steu­er­erhö­hun­gen für Unter­neh­men und Pri­vat­ein­kom­men über 400.000 Dol­lar, aber wenn der Senat unter der Kon­trolle von Mitch McCon­nell bleibt, wird die Wall Street das von ihr gewünschte gespal­tene Ergeb­nis erhalten.

Klar gab es aber auch wei­ter­hin große Kapi­tal-Kreise, die Trump unter­stütz­ten. Mana­ger von mil­li­ar­den­schwere Hedge­fonds und Immo­bi­lien-Mogule gehör­ten zu sei­nen größ­ten Geld­ge­bern, und die Fox News von Rupert Mur­doch über­tru­gen jeden Abend loyal seine Ver­laut­ba­run­gen Ange­sichts von Trumps Bemü­hun­gen, noch in den letz­ten Tagen vor der Wahl Geld ein­zu­sam­meln, sieht es so aus, dass dies nur Aus­nah­men gewe­sen sein könn­ten. Letzt­lich bewies Trump wie für den Rest des Lan­des, dass er eine pola­ri­sie­rende Kraft auch für die Kapi­ta­lis­ten-Klasse war.

Ende von Trump, aber noch nicht des Trumpismus

Die Koali­tion, die Trump besiegte, ist die brei­teste Wäh­ler-Grup­pie­rung, die es seit Jahr­zehn­ten gege­ben hat. Im Wesent­li­chen han­delt es sich um eine «all-people’s front», die die Arbei­ter­klasse (sowohl Gewerk­schaf­ten als auch Unor­ga­ni­sierte), Black Lives Mat­ter und Orga­ni­sa­tio­nen der ame­ri­ka­ni­schen Urein­woh­ner, Lati­nos und Immi­gran­ten­grup­pen, Frauen- und LGBTQ-Grup­pen, asia­ti­sche und jüdi­sche Orga­ni­sa­tio­nen, junge Men­schen, pro­gres­sive Mus­lime und mehr ein­be­zog. In ihren Rei­hen sind Linke, Libe­rale, Zen­tris­ten, einige Kon­ser­va­tive und Teile der Geschäftswelt.

Ange­sichts solch einer Ver­schie­den­heit von Klas­sen- und sozia­len Inter­es­sen wird es zu inne­ren Span­nun­gen kom­men, wenn wir in die Kämpfe der Nach-Trump-Peri­ode ein­tre­ten. Das war bereits zu sehen, als Anfang die­ses Jah­res die Demo­kra­ti­sche Platt­form aus­ge­ar­bei­tet wurde. Die Linke drängte auf Medi­care für alle, wäh­rend die Lob­by­is­ten der Ver­si­che­rungs­fir­men Wider­stand leis­te­ten. Das Ergeb­nis war der «public option» genannte Kom­pro­miss, der pri­vate Ver­si­che­run­gen unan­ge­tas­tet ließ. Das ist nur ein Bei­spiel, aber es wer­den sicher noch mehr zustande kommen.

Die Demo­kra­ti­sche Par­tei ist eine Kampfarena

Aber für jene, die den­ken mögen, dass Biden-Har­ris nur eine wei­tere neo­li­be­rale Admi­nis­tra­tion der Demo­kra­ten sein wird, gibt es Gründe, noch ein­mal nach­zu­den­ken. Wir sind nicht in den 1990er oder 2000er Jah­ren, viel hat sich ver­än­dert. Die USA ste­hen einer töd­li­chen Pan­de­mie und einer Wirt­schafts­krise gegen­über, wie es sie seit der Gro­ßen Depres­sion nicht mehr gege­ben hat. Die Lin­ken und Volks­be­we­gun­gen sind akti­ver und mobi­li­sier­ter, als sie es seit Jah­ren gewe­sen sind. Wenn man all dies zusam­men­zählt, bedeu­tet es, dass Biden und die Demo­kra­ten nicht ein­fach das glei­che neo­li­be­rale Poli­tik­buch wie­der auf­grei­fen können.

Natür­lich ist die Demo­kra­ti­sche Par­tei eine Kampf­arena. Große Teile des Finanz­ka­pi­tals und des High-tech-Kapi­tals kon­kur­rie­ren um Ein­fluss gegen die Arbei­ter- und pro­gres­sive Bewe­gun­gen. Das Kapi­tal wird ver­su­chen, eine Biden-Admi­nis­tra­tion in seine Rich­tung zu zie­hen, gegen die Bedürf­nisse der Bevöl­ke­rung. Das ist der Grund, warum der Kampf wei­ter­ge­hen wird, auch wenn die Demo­kra­ten das Weiße Haus gewon­nen haben.

Alles wird domi­niert wer­den von der Not­wen­dig­keit, die REPs im Senat zu bekämp­fen, was es noch schwie­ri­ger machen wird, eine pro­gres­sive Agenda durch­zu­set­zen, unab­hän­gig davon, ob McCo­nell (Frak­ti­ons­chef der REPs im Senat) dort die Füh­rung hat oder nicht.

Was die rechts­extreme MAGA-Basis (MAGA = Make Ame­rica Great Again –» Mache Ame­rika wie­der groß», Trumps zen­tra­ler Wahl­slo­gan, Übers.) angeht, bedeu­tet die Nie­der­lage von Trump nicht, dass sie am Ende ist. Die letz­ten vier Jahre haben die übels­ten ras­sis­ti­sche und reak­tio­nä­ren Ele­mente ermu­tig – sie wer­den nicht plötz­lich ver­schwin­den. Und die Auf­gabe, viele Mil­lio­nen Men­schen aus der – über­wie­gend wei­ßen – Arbei­ter­klasse, die noch im Bann von Trump ste­hen, davon los­zu­rei­ßen, wird ernst­haf­tes Nach­den­ken und stra­te­gi­sches Vor­ge­hen verlangen.

Selbst wenn Trump von der Bühne abtritt, wird es Repu­bli­ka­ner geben, die in seine Fuß­stap­fen tre­ten wer­den, um seine Bewe­gung am Lau­fen zu hal­ten, die sich den Mode­ra­ten bei den REPs wider­set­zen wer­den, die ver­su­chen, ihre Par­tei vom faschis­ti­schen Rand zurück­zu­zie­hen. Es wird aus­ge­dehnte Frak­ti­ons­kämpfe in der Repu­bli­ka­ni­schen Par­tei geben, aber lei­der wird es für lange Zeit immer noch Trum­pis­mus mit oder ohne Trump geben.

Gefahr und Hoffnung

Die unmit­tel­bare Gefahr, mit der das Land im Anschluss an diese Wahl kon­fron­tiert ist, ist der Umstand, dass es noch zwei wei­tere Monate Trump geben wird.

Eine Menge mehr Men­schen wer­den mit Covid-19 infi­ziert wer­den und allzu viele wer­den daran ster­ben. Am 10. Novem­ber kommt der Afforda­ble Care Act vor den von den Repu­bli­ka­nern beherrsch­ten Obers­ten Gerichts­hof, womit die Gesund­heits­vor­sorge von Mil­lio­nen in Gefahr gerät. (Anm.: unter Obama beschlos­se­nes Gesetz für die Gesund­heits­vor­sorge. Der Oberste Gerichts­hof hat am 10.11. das Gesetz an den Kon­gress zurück über­wie­sen.) Mit der Ver­ab­schie­dung eines neuen wirt­schaft­li­chen Ret­tungs­pa­kets in der Grö­ßen­ord­nung des HEROES Act ( ), das mög­li­cher­weise ver­senkt wird, wenn die REPs im Senat die Mehr­heit behal­ten, wird sich die Job- und Zwangs­räu­mungs­krise über den Win­ter ver­schär­fen. Wäh­rend sich die Unter­neh­mens­plei­ten beschleu­ni­gen und Schock­wel­len durch das Finanz­sys­tem schi­cken, droht der Corona-bedingte Abschwung zu einer grö­ße­ren und aus­ge­dehn­te­ren Krise des Kapi­ta­lis­mus zu werden.

Trump abzu­wäh­len, war die erste Hürde, aber noch höhere ste­hen an

Das ist die Situa­tion, mit der Biden und die Volks­be­we­gun­gen nun kon­fron­tiert sind. Trump abzu­wäh­len, war die erste Hürde im Kampf um die Ret­tung des Lan­des, aber noch höhere ste­hen an.

Trotz der bei­spiel­lo­sen Gefah­ren, die über uns hän­gen, ver­mit­teln der Aus­gang die­ser Wahl und das Anwach­sen der Wider­stands­be­we­gun­gen unter Trump gute Gründe für Hoffnung.

Der Kampf um Jobs, per­sön­li­che Schutz­aus­rüs­tun­gen, höhere Löhne, Gefah­ren­zu­la­gen und die Gewerk­schaf­ten haben die Bewe­gung der Arbei­ter­klasse ange­kur­belt. Black Lives Mat­ter (BLM) wurde zu einer stän­di­gen Ein­rich­tung und wird seine Arbeit fort­set­zen, die mit dem anti­ras­sis­ti­schen Auf­stand begon­nen hat, der in die­sen Som­mer durch das Land fegte. Viele BLM-Führe und Akti­vis­ten stel­len eine Ver­bin­dung zwi­schen Kapi­ta­lis­mus und ras­sis­ti­scher Unter­drü­ckung her, und sie wis­sen, dass eine wirk­li­che Been­di­gung der­sel­ben eine völ­lige Über­ho­lung des Wirt­schafts­sys­tems erfor­dert. Mit Cori Bush gewann Diens­tag­nacht min­des­tens eine BLM-Füh­re­rin einen Sitz im Kon­gress und wird sich dem sich aus­wei­ten­den pro­gres­si­ven Block im Reprä­sen­tan­ten­haus anschlie­ßen. Das ist eine Bewe­gung, die über den Kampf gegen den Trum­pis­mus hin­aus­geht, und sie hat schon einen his­to­ri­schen Ein­fluss auf die USA-Gesell­schaft gehabt.

Das «sozia­lis­ti­sche Moment», das durch den Wahl­kampf von Ber­nie San­ders aus­ge­löst wurde, wird auch wei­ter wach­sen und Früchte tra­gen. Mil­lio­nen junge Men­schen und Arbei­ter sind poli­ti­siert wor­den und sind jetzt offen für die Idee des Sozia­lis­mus – selbst wenn ihnen noch unklar ist, was genau damit gemeint ist. Refor­men wie Gesund­heits­vor­sorge für alle, Besteue­rung der Rei­chen, kos­ten­lose Bil­dung, Gewerk­schafts­rechte und Stopp des Kli­ma­wan­dels – das alles ist jetzt Teil der Main­stream-Dis­kus­sion, und die orga­ni­sierte Linke, ganz beson­ders die Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei und die Demo­kra­ti­schen Sozia­lis­ten Ame­ri­kas haben ein rasches Wachs­tum erlebt.

Mehr Men­schen denn je zuvor stel­len den kapi­ta­lis­ti­schen Sta­tus quo in Frage und ler­nen, dass sie, wenn sie sich ver­ei­nen, Ver­än­de­rung errei­chen kön­nen. Die Nie­der­lage von Trump ist der größte Beweis dafür, was mög­lich ist. Jetzt ist es an der Zeit, sein Erbe zu begra­ben und den Kampf fort­zu­set­zen für eine gerech­tere, von mehr Gleich­heit geprägte und nach­hal­tige Zukunft.

Von kommunisten.de

Quelle: People’s World, 6. Novem­ber 2020: Obituary for the Trump era
https://www.peoplesworld.org/article/obituary-for-the-trump-era/