8. Mai 1945: Wer wurde befreit?

Refe­rat zum 80. Jah­res­tag der Befrei­ung und des Kriegs­en­des in Europa

Am 8. Mai 1945 kapi­tu­lierte die deut­sche Wehr­macht bedin­gungs­los. Ber­lin war bereits ein­ge­nom­men. Für Mil­lio­nen Men­schen in Europa ging damit die Zeit der faschis­ti­schen Herr­schaft und Besat­zung zu Ende. Der Zweite Welt­krieg war in Europa vor­bei. In der Nacht zum 9. Mai wurde die Kapi­tu­la­ti­ons­ur­kunde auch im Haupt­quar­tier der Roten Armee in Ber­lin-Karls­horst unter­zeich­net, was dazu führte, dass die Sowjet­union und viele ihrer Ver­bün­de­ten den 9. Mai als Tag des Sie­ges fei­ert. Bis heute ist in Russ­land der 9. Mai ein Fei­er­tag. Viele vom deut­schen Faschis­mus besetzte Län­der, Städte und Gebiete haben ihren eige­nen Jah­res­tag der Befrei­ung, z.B. die Befrei­ung von Paris am 25. August 1944, die Befrei­ung Athens am 12. Okto­ber 1944, die Befrei­ung Däne­marks am 3. Mai, die Befrei­ung Prags am 5. und 6. Mai, Nor­we­gens am 6. Mai oder die Befrei­ung Ita­li­ens vom „Duce“ (ita­lie­nisch für „Füh­rer“) am 28. April 1945. Hit­ler folgte ihm zwei Tage spä­ter.
Im Pazi­fik dau­erte der Zweite Welt­krieg bei Japan noch bis zum 2. Sep­tem­ber. Der Abwurf zweier Atom­bom­ben durch die USA auf die japa­ni­schen Städte Hiro­shima und Naga­saki zwang Japan zur Kapi­tu­la­tion. Die Anwen­dung die­ser Mas­sen­mord­tech­no­lo­gie musste auch als klare Ansage und Dro­hung gegen die Sowjet­union im Kon­text der Sys­tem­kon­fron­ta­tion ver­stan­den werden.

Von was für einer Befrei­ung ist hier die Rede?

Im Schwur von Buchen­wald der Über­le­ben­den des KZs, das sich selbst befreite, vom 19. April 1945 heißt es: „Heute sind wir frei! Wir dan­ken den ver­bün­de­ten Armeen der Ame­ri­ka­ner, Eng­län­der, Sowjets und allen Frei­heits­ar­meen, die uns und der gesam­ten Welt den Frie­den und das Leben erkämp­fen.“ [1]

Der Begriff Befrei­ung ist viel­deu­tig, gerade für uns Kom­mu­nis­tin­nen und Kom­mu­nis­ten. Wir wol­len – sehr ver­kürzt aus­ge­drückt – die Mensch­heit von der Knecht­schaft des Kapi­tals befreien und eine Welt, „[so]dass der Mensch dem Men­schen ein Hel­fer ist“ (Brecht). Davon kann im Mai 1945 in Deutsch­land zwar nicht die Rede sein, aber die totale mili­tä­ri­sche Nie­der­lage des deut­schen Impe­ria­lis­mus war den­noch eine Befrei­ung von Krieg, faschis­ti­scher Besat­zung, Will­kür­herr­schaft, Ter­ror, Zwangs­ar­beit, Lager­haft und Tyran­nei für Mil­lio­nen Men­schen in Europa, für die Mehr­heit. Gleich­zei­tig war sie auch eine Befrei­ung zum Auf­bau einer fried­li­chen, demo­kra­ti­schen und sozia­lis­ti­schen Zukunft in Europa. Wie wir heute wis­sen, ver­lief diese Ent­wick­lung mit der DDR im Osten und der BRD im Wes­ten ab 1949 in Deutsch­land gänz­lich unter­schied­lich und endete mit der vor­läu­fi­gen Nie­der­lage des Sozia­lis­mus in Deutsch­land in Form der DDR im Jahre 1989/90.

Wem nützt Faschismus?

Die herr­schende Klasse des Finanz­ka­pi­tals in Deutsch­land brauchte den Krieg gegen die Sowjet­union, den Hit­ler führte, um Pro­fite zu stei­gern, Res­sour­cen aus­zu­beu­ten und Kri­sen zu expor­tie­ren. Sie nutzte den Faschis­mus als Werk­zeug, um ihre Macht zu sichern und ging in ihren Ver­bre­chen und dem Ras­sen­wahn noch viel wei­ter. Die Nazis mach­ten dar­aus kei­nen Hehl. Die orga­ni­sierte Arbei­ter­klasse in Deutsch­land wurde zwölf Jahre zer­schla­gen, inhaf­tiert, ver­folgt, gefol­tert, eli­mi­niert, was bis heute große Nar­ben hin­ter­las­sen hat. Beson­ders getrof­fen hat es auch Jüdin­nen und Juden, Sinti und Roma, Kranke und Behin­derte, Homo­se­xu­elle, reli­giöse Min­der­hei­ten oder soge­nannte „Aso­ziale“: Mil­lio­nen von Men­schen.
Befreit wur­den folg­lich alle, die kein Inter­esse an Krieg, Mas­sen­mord, Ver­fol­gung und Faschis­mus haben: Das ist die Arbei­ter­klasse, die Bau­ern­schaft, das Klein­bür­ger­tum sowie die Intel­li­genz, aber auch die bür­ger­li­chen Demo­kra­ten.
Doch in allen Klas­sen, hat­ten sich viele mit­schul­dig gemacht und sind bis­wei­len gut mit den Faschis­ten aus­ge­kom­men. Sie dürf­ten sich nicht befreit gefühlt haben, zumin­dest nicht sofort. Die Pro­fi­teure von „Ari­sie­rung“ und Zwangs­ar­beit bei den Groß­grund­be­sit­zern und IG Far­ben, Sie­mens, Daim­ler Benz, Krupp, BMW, Volks­wa­gen und Co auch nicht.
Die Mehr­heit in der Bevöl­ke­rung hatte gese­hen, wohin Kapi­ta­lis­mus und Impe­ria­lis­mus füh­ren: Das Land liegt in Schutt und Asche. Die wirt­schaft­li­chen, mili­tä­ri­schen und poli­ti­schen Eli­ten des Bür­ger­tums hat­ten inner­halb von etwa 30 Jah­ren zwei Welt­kriege los­ge­tre­ten und ver­lo­ren und es wur­den unge­heure Ver­bre­chen begangen.

Die Lage und Rolle der deut­schen Bevölkerung

Der His­to­ri­ker und Faschis­mus­for­scher Kurt Pät­zold fasst die letz­ten Kriegs­mo­nate und die Zeit danach ins­be­son­dere hin­sicht­lich der Rolle der deut­schen Bevöl­ke­rung und ihren Bezug zur Befrei­ung zuletzt 2014 wie folgt zusammen:

„Über­all folg­ten die deut­schen Sol­da­ten wei­ter­hin den Befeh­len ihrer Vor­ge­setz­ten. Nir­gendwo lie­fen auch nur kleine Ein­hei­ten zum Geg­ner über oder gaben sich aus eige­nem Ent­schluss gefan­gen. Ebenso wenig regte sich im Hin­ter­land Wider­stand gegen die Fort­set­zung des Kämp­fens und Ster­bens. Frag­lich war, wie lange diese dumpfe Gefolg­schaft und der selbst­mör­de­ri­sche Gehor­sam anhal­ten, wie viele deut­sche Sol­da­ten und Zivi­lis­ten das Kriegs­ende nicht erle­ben wür­den, und wel­che Opfer den Befrei­ern Euro­pas noch bevor­stan­den, jenen Mil­lio­nen Sol­da­ten, die den letz­ten Kriegs­tag und ihre Rück­kehr in die Hei­mat her­bei­sehn­ten.
Ange­sichts der Fort­set­zung eines schon lange ver­lo­re­nen Krie­ges musste auch die Hal­tung der Offi­ziere und Sol­da­ten in den Armeen der Anti-Hit­ler-Koali­tion immer erbit­ter­ter wer­den. Dazu tru­gen die um die Welt gegan­ge­nen Bild­do­ku­mente bei, die in von der Sowjet­ar­mee befrei­ten Kon­zen­tra­ti­ons- und Ver­nich­tungs­la­gern, in Maj­da­nek und Ausch­witz, gemacht wor­den waren. Diese Deut­schen waren selbst in die­ser Phase des Krie­ges offen­kun­dig nur mit äußers­ter Gewalt zur Auf­gabe zu zwin­gen. Am meis­ten beka­men das unter den Zivi­lis­ten in den letz­ten Kriegs­mo­na­ten Bewoh­ner deut­scher Städte zu spü­ren, als über Dres­den, Würz­burg, Pforz­heim, Hil­des­heim, Pots­dam, Chem­nitz und wei­te­ren zwi­schen Februar und April ein ver­nich­ten­der Bom­ben­ha­gel nie­der­ging.
An Trüm­mer­mau­ern erschie­nen Paro­len wie »Wir kapi­tu­lie­ren nie«. […] Die Mehr­heit der Deut­schen folgte Hit­ler und sei­ner Füh­rungs­klün­gel schick­sals­er­ge­ben in die sich abgrund­tief abzeich­nende Kata­stro­phe. Zum einen sahen sie keine Mög­lich­keit alter­na­ti­ven Han­delns, zum ande­ren stan­den sie unter dem Ein­druck der ver­häng­nis­vol­len Dro­hung der Macht­ha­ber, die das Aus­hal­ten bis zum End­sieg ver­lang­ten und Defä­tis­mus und Ver­wei­ge­rung mit dem Tod bedroh­ten. Der Ter­ror­ap­pa­rat des Regimes funk­tio­nierte und trat in des­sen letz­ten Wochen und Mona­ten noch ein­mal grau­sam und öffent­lich und nun gegen die eige­nen »Volks­ge­nos­sen« in Aktion.
Wei­ter­hin blieb jedoch, wenn auch stol­pernd, die Orga­ni­sa­tion des Kriegs­all­tags in Takt. Zwar wur­den ver­schie­dene Ein­schrän­kun­gen des Lebens immer drü­cken­der, und gleich­zei­tig wuchs die psy­chi­sche Last ange­sichts des schon unge­wiss gewor­de­nen nächs­ten Tages. Doch die Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung mit Lebens­mit­teln, der Betrieb loka­ler Ver­kehrs­mit­tel, die Arbeit der Schu­len dau­erte fort, die Tages­zei­tun­gen wur­den aus­ge­lie­fert, der Rund­funk sen­dete, Kinos, hat­ten sie keine Bom­ben­schä­den erlit­ten, boten ihre Pro­gramme. Vor allem wur­den nach wie vor Waf­fen und Muni­tion zur Ver­sor­gung der Hee­res­ein­hei­ten pro­du­ziert. Nahezu alles wurde impro­vi­siert, aber das Reichs­ge­biet, das kein Hin­ter­land mehr, son­dern Kampf­feld gewor­den war, ver­sank nicht im Chaos. So gelähmt das Den­ken von Mil­lio­nen Deut­schen auch sein mochte, sie setz­ten fort, was ihnen seit Jah­ren als Pflicht bezeich­net wurde und mach­ten, ermü­det und aus­ge­hun­gert, stumpf und dumpf wei­ter.
Noch immer funk­tio­nier­ten die Appa­rate, mit denen Mil­lio­nen Zwangs­ar­bei­ter und Gefan­gene über­wacht, beherrscht und arbeits­fä­hig gehal­ten wur­den. Nir­gendwo kam es – abge­se­hen von den aller­letz­ten Kriegs­ta­gen – auch nur zu begrenz­ten, kurz­zei­ti­gen Aktio­nen der Arbeits- und Gefolg­schafts­ver­wei­ge­rung. Alle Män­ner und junge Bur­schen fan­den sich befehls­ge­mäß zu Übun­gen des Volks­sturms ein. […]
Vor dem Ansturm der sowje­ti­schen Trup­pen hat­ten sich, auf­grund von War­nun­gen loka­ler Behör­den oder von Mili­tär­stä­ben, oder um dem Inferno der Schlach­ten zu ent­ge­hen, Mil­lio­nen Zivil­per­so­nen auf die Flucht nach Wes­ten bege­ben, die einen anfangs noch mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln, andere in Trecks auf Fahr­zeu­gen, Pfer­de­wa­gen oder zu Fuß, dritte, die in Küs­ten­nähe gewohnt hat­ten, gelang­ten auf deut­sche Kriegs­schiffe und so nach Wes­ten. Mit sich führ­ten sie ein Gerin­ges ihrer Habe, deren Masse sie zurück­las­sen muss­ten. Meist hat­ten Nazi­funk­tio­näre nicht viel Mühe, den Flucht­strom zu erzeu­gen. Viele fürch­te­ten, in den Zugriff der »Rus­sen« oder »Bol­sche­wis­ten« zu gera­ten, und viele wuss­ten, würde mit ihnen ver­fah­ren, wie es die deut­schen Erobe­rer mit den in ihre Hände gefal­le­nen Sowjet­bür­gern getan hat­ten, dass ihnen dann Ent­setz­li­ches bevor­stand.
Nicht allen Flüch­ten­den gelang es, der unauf­halt­sam näher­kom­men­den Front zu ent­kom­men. Schon auf ihren Flucht­we­gen star­ben viele, vor allem Alte und Kin­der. Andere gerie­ten zwi­schen die Fron­ten und inmit­ten von Kämp­fen. Die Über­le­ben­den sind spä­ter von der bür­ger­li­chen Geschichts­schrei­bung sämt­lich als die von »Sowjets«, »Rus­sen« oder Polen Ver­trie­be­nen sub­su­miert wor­den, und sie und die Toten wur­den zu unschul­di­gen Opfern erklärt. Opfer waren sie gewiss, aber die von ihrem Land ver­schul­de­ten, häu­fig von ihnen selbst mit­ver­schul­de­ten Krieg, und dann die, die sie in der Janu­ar­kälte ins Unge­wisse geschickt hat­ten. Und die deut­schen Mili­tärs brauch­ten für die Fort­set­zung des Kriegs freies Schuss­feld, und die Sol­da­ten soll­ten nicht in die Lage kom­men, unter den eige­nen Frauen und Kin­dern zu kämp­fen, denn in einem von Men­schen geleer­ten Gelände.
Wäh­rend die sowje­ti­schen Armeen die Wehr­macht aus Polen und den ost­deut­schen Gebie­ten ver­trie­ben, nutz­ten die West­al­li­ier­ten die Zeit, die eige­nen Kräfte für ihren Vor­marsch nach Osten ins Reichs­in­nere zu for­mie­ren. Dafür bil­dete das rhei­nisch-west­fä­li­sche Gebiet, die letzte den deut­schen Macht­ha­bern ver­füg­bare Waf­fen­schmiede, das nun nahe Haupt­ziel. Inzwi­schen flos­sen in Über­le­gun­gen und Ent­schei­dun­gen bei allen Alli­ier­ten auch das Inter­esse ein, mög­lichst weit in das Zen­trum Deutsch­lands vor­zu­sto­ßen, am bes­ten bis Ber­lin, und so einen beson­ders gro­ßen Anteil an den Sie­gen in der Schluss­phase des Krie­ges zu gewin­nen. Das betraf nicht die Frage, wer nach Deutsch­lands Kapi­tu­la­tion wel­che Teile des Lan­des beset­zen werde. Die Ent­schei­dung über die Gren­zen künf­ti­ger Besat­zungs­zo­nen in Deutsch­land und Öster­reich war 1944 und abschlie­ßend in Jalta bereits ein­ver­nehm­lich getrof­fen wor­den.
Im Februar und März 1945 began­nen die Offen­si­ven der bri­ti­schen Trup­pen, deren Gene­ral­rich­tung Nord­deutsch­land und damit die Küste der Nord­see mit Ham­burg und Bre­men bil­dete, und der US-ame­ri­ka­ni­schen Trup­pen, die in die Mitte Deutsch­lands ein­drin­gen soll­ten. Das alli­ierte Ober­kom­mando mied zunächst den Süden, wo sich den eige­nen Ver­bän­den in Mit­tel­ge­bir­gen mehr Hin­der­nisse zur Ent­fal­tung ihrer Tech­nik und den Deut­schen, waren sie auch ins­ge­samt hoff­nungs­los unter­le­gen, mehr Mög­lich­kei­ten der Gegen­wehr boten als in der nord­deut­schen Tief­ebene. Zuvor war die Rhein­li­nie zu errei­chen und zu über­win­den. Das gelang, als Bri­ten und Ame­ri­ka­ner unter ande­rem Min­den, Trier, Köln und Mainz erreich­ten und zwei Brü­cken­köpfe über den Strom erkämpf­ten.
Am 24. März eröff­ne­ten bri­ti­sche Ver­bände bei Wesel den Vor­stoß in das rechts­rhei­ni­sche Gebiet mit dem Ziel, die Häfen an der Nord­see ein­zu­neh­men. Am 26. April war Bre­men in ihrer Hand. Eben­falls noch Ende März stie­ßen ame­ri­ka­ni­sche Trup­pen aus Brü­cken­köp­fen über den Rhein und besetz­ten Darm­stadt, Frank­furt a. M., Mann­heim und Kas­sel, am 4. April waren sie in Köln […].
Bis heute geden­ken Men­schen in vie­len euro­päi­schen Staa­ten des 8. oder 9. Mai als des Tages des Kriegs­en­des und des Sie­ges über die Haupt­macht des Faschis­mus und erin­nern an jene Mil­lio­nen, die in den Kämp­fen an den Fron­ten, als Par­ti­sa­nen oder Wider­stands­kämp­fer ihr Leben ein­setz­ten und ver­lo­ren und an die im Kriegs­ver­lauf als Zivi­lis­ten zu Tode Gekom­me­nen. An die­sem Sieg waren Men­schen aller Kon­ti­nente betei­ligt, aus Län­dern fern von Europa, dar­un­ter viele, die als Sol­da­ten in den Armeen Groß­bri­tan­ni­ens, der USA und Frank­reichs und als deren Ver­bün­dete gekämpft hat­ten. Aus­tra­lier und Inder, Neu­see­län­der und Kana­dier, Polen, Spa­nier, die aus ihrem von Faschis­ten beherrsch­ten Hei­mat­land geflo­hen waren, Ange­hö­rige von Völ­kern Afri­kas, Juden aus Paläs­tina. Von der Nor­man­die bis Sta­lin­grad zeu­gen Fried­höfe mit end­lo­sen Rei­hen von Gedenk­stei­nen und ‑kreu­zen von den Opfern die­ses Krie­ges, benann­ten und namen­lo­sen.
Und die Deut­schen? Eine ver­schwin­dende Zahl von ihnen hat an der Seite die­ser welt­wei­ten Koali­tion gestan­den. Wenige kämpf­ten in den Rei­hen der alli­ier­ten Armeen oder stie­ßen in Grie­chen­land, Jugo­sla­wien und Frank­reich zu den Par­ti­sa­nen. Im Reich selbst wirk­ten kleine orga­ni­sierte Grup­pen im Unter­grund, blu­tig ver­folgt von der Gehei­men Staats­po­li­zei und der Jus­tiz, sol­che die von Ange­hö­ri­gen poli­ti­scher anti­fa­schis­ti­scher Par­teien gebil­det wor­den waren, vor­wie­gend von Kom­mu­nis­ten und Sozi­al­de­mo­kra­ten, andere in Zusam­men­schlüs­sen bür­ger­li­cher Hit­ler­geg­ner, dazu todes­mu­tige Ein­zel­kämp­fer, alle­samt Men­schen, für die Anstand, Hilfs­be­reit­schaft und Soli­da­ri­tät Hand­lungs­grund­sätze geblie­ben waren. Die Namen man­cher, der kom­mu­nis­ti­schen Grup­pen um Bern­hard Bäst­lein, Wil­helm Knö­chel, Anton Saef­kow, Georg Schu­mann, Robert Uhrig, der Münch­ner »Wei­ßen Rose« und die Geschwis­ter Hans und Sophie Scholl, der Mit­glie­der der »Roten Kapelle« mit Hans und Hilde Coppi, Arvid Har­nack und Harro Schulze-Boy­sen, des Ber­li­ner Krei­ses »Onkel Emil« u.a. ste­hen in Geschichts­bü­chern und für das Ganze, auf das Ganze gese­hen aber für das Geringe.
Zu den Deut­schen gegen Hit­ler gehör­ten in vie­len ihrer Zufluchts­län­der auch aus dem Reich Ver­trie­bene, Künst­ler, Schrift­stel­ler und Wis­sen­schaft­ler zumal, die in Wort und Schrift zum Kampf rie­fen, sich in eige­nen Orga­ni­sa­tio­nen – zu denen im Osten wie im Wes­ten gebil­dete Natio­nal­ko­mi­tees »Freies Deutsch­land« gehör­ten – zusam­men­schlos­sen, Bücher und Zei­tun­gen her­aus­ga­ben, auf poli­ti­schen Kund­ge­bun­gen spra­chen, sich über Rund­funk­sen­der und durch Texte, die u.a. Flug­zeuge abwar­fen, oder als Front­be­auf­tragte an Wehr­machts­sol­da­ten und ihre Lands­leute im Reich wand­ten. Man­che fun­gier­ten in mili­tä­ri­schen und zivi­len Insti­tu­tio­nen ihrer Gast­län­der als Bera­ter, ins­be­son­dere wenn es darum ging, die Wir­kung und die Aus­sich­ten von Maß­nah­men zur pro­pa­gan­dis­ti­schen Beein­flus­sung der »Volks­ge­nos­sen« abzu­schät­zen.
Im Mai 1945 schwie­gen in Europa die Waf­fen. Der Krieg war auf dem »alten« Kon­ti­nent zu Ende gegan­gen. […]
Das Kriegs­ende begin­gen Mil­lio­nen Men­schen zwi­schen dem fran­zö­si­schen Brest und dem sowje­ti­schen Wla­di­wos­tok, zwi­schen Nar­vik und Kreta und jen­seits des Atlan­tik in den USA und Kanada als Fest­tag und Jubel, andere Mil­lio­nen taten es im Geden­ken an Men­schen, die ihnen nahe gestan­den und die ihnen im Kriege genom­men wor­den waren. Es fei­er­ten die Sol­da­ten, die befrei­ten Kriegs­ge­fan­ge­nen, die ver­schlepp­ten Zwangs­ar­bei­ter und die Häft­linge von Gefäng­nis­sen, Zucht­häu­sern und Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern. Mit ihnen deut­sche Wider­stands­kämp­fer und Emi­gran­ten in den Län­dern ihrer Zuflucht. Müt­ter und Väter selbst im fer­nen Aus­tra­lien und in Indien erwar­te­ten die Rück­kehr ihrer Söhne, die in Europa gekämpft hat­ten, und das taten auch Ehe­frauen und Bräute und Mil­lio­nen Kin­der.
Da war die grau­sige Bilanz die­ses Krie­ges in ihrem Aus­maß noch nicht voll ins Bewusst­sein der Über­le­ben­den getre­ten und die Zahl der Mil­lio­nen Toten auch durch Schät­zun­gen noch nicht annä­hernd ermit­telt. Damit sind bis heute For­scher nament­lich in Staa­ten befasst, deren Bevöl­ke­rungs­sta­tis­ti­ken in den vier­zi­ger Jah­ren des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts unzu­ver­läs­sig oder in denen sie noch gar nicht ein­ge­führt waren. Erfasst und unter­schie­den wur­den die durch unmit­tel­bare Kriegs­hand­lun­gen in den Kämp­fen an den Fron­ten und im Par­ti­sa­nen- und Bom­ben­krieg Umge­kom­me­nen, was zu einer Schät­zung von 50 bis 56 Mil­lio­nen Toten führte. Dazu kom­men die Opfer der Kriegs­ver­bre­chen, des Ter­rors, der Gei­sel­er­schie­ßun­gen, des Hun­gers in den besetz­ten Gebie­ten, des Mas­sen­ster­bens in den Lagern der Kriegs­ge­fan­ge­nen, sodann die ermor­de­ten euro­päi­schen Juden, Sinti und Roma, Kran­ken und Behin­der­ten und schließ­lich die in Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern getö­te­ten und nach Gerichts­ur­tei­len hin­ge­rich­te­ten Wider­stands­kämp­fer vie­ler Natio­nen, Anti­fa­schis­ten, Nazi-Geg­ner, Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rer, Homo­se­xu­elle. Allein die Opfer der deut­schen Kriegs- und Mensch­heits­ver­bre­chen wur­den auf mehr als 13 Mil­lio­nen errech­net, deren größte Gruppe die getö­te­ten Juden bil­den, deren Zahl auf zwi­schen 5,7 und 6,3 Mil­lio­nen ein­ge­grenzt wurde. Die Gesamt­summe der im Zwei­ten Welt­krieg Umge­kom­me­nen wird ver­schie­dent­lich mit mehr als 60 Mil­lio­nen ange­ge­ben, ver­schie­dent­lich auch auf etwa 80 Mil­lio­nen geschätzt. Die­ses Töten und Mor­den hatte mit dem Sieg der Alli­ier­ten ein Ende, jedoch nicht das Ster­ben, denn noch auf Jahre gin­gen Men­schen an den Kriegs­fol­gen, phy­si­schen und psy­chi­schen Lei­den zugrunde.
Die Mehr­heit der Deut­schen, die im Mai 1945 zwar auf­at­mete und im Bewusst­sein ihres Über­le­bens erleich­tert sein konnte, wurde aber zugleich von einer Unzahl an Unge­wiss­hei­ten bedrückt. Dass die­ser Tag auch der ihrer eige­nen Befrei­ung war, begrif­fen viele erst spä­ter und nicht wenige bis zu ihrem Tode nicht. Für die weit­aus meis­ten gilt: sie waren ohne ihr Zutun vom schänd­lichs­ten Dasein befreit, das Deut­sche in der euro­päi­schen und Welt­ge­schichte je gelebt hat­ten. Sie waren welt­weit zum meist gehass­ten Volk gewor­den und teil­ten sich diese Rolle allen­falls mit dem Japa­ni­schen. Aber sie wür­den – vor­aus­ge­setzt, die Sie­ger­mächte han­del­ten nach der Devise, die Sta­lin in einem Armee­be­fehl am 23. Februar 1942 for­mu­liert hatte, wonach geschicht­li­che Erfah­run­gen besag­ten, dass die Hit­ler kom­men und gehen, das deut­sche Volk aber bleibe – nun eine Chance erhal­ten, sich unter den Völ­kern einen ande­ren Platz zu erobern und, wie es bald hieß, in deren Gemein­schaft zurück­zu­keh­ren, von der sie vor­erst aus­ge­schlos­sen waren.
Mil­lio­nen Wehr­machts­sol­da­ten, ins­ge­samt gerie­ten im Kriegs­ver­lauf und nach Kriegs­ende mehr als 11 Mil­lio­nen deut­sche Män­ner in Gefan­gen­schaft, befan­den sich 1945 in Lagern der Sie­ger­mächte, bri­ti­schen, US-ame­ri­ka­ni­schen, sowje­ti­schen, pol­ni­schen, fran­zö­si­schen, jugo­sla­wi­schen und, weil sie zu Zwe­cken der Wie­der­gut­ma­chung dahin über­ge­ben wur­den, in weit gerin­ge­rer Zahl in sol­chen der Nie­der­lande, Bel­gi­ens, Luxem­burgs und der Tsche­cho­slo­wa­kei. Für die Masse blieb das ihr Lebens­ort nur für Monate, für viele aber auf Jahre hin­aus. Sie arbei­te­ten in Koh­len­gru­ben Frank­reichs, andere in Wäl­dern des fer­nen Sibi­ri­ens. Die einen wie die ande­ren leis­te­ten einen ins­ge­samt gerin­gen Bei­trag zur Besei­ti­gung der immensen mate­ri­el­len Schä­den und Zer­stö­run­gen, die sie ver­ur­sacht hat­ten. Für man­che ver­ging ein Jahr­zehnt, bis sie die Frei­heit wie­der­erlang­ten. Die letz­ten kehr­ten 1955 aus der UdSSR zurück. Etwa jeder 10. der in Gefan­gen­schaft gera­te­nen Sol­da­ten hatte nicht über­lebt, eine Zahl, die wesent­lich durch die Bedin­gun­gen und Ver­hält­nisse bestimmt war, unter denen sie die Waf­fen gestreckt hat­ten. Wer wie die Ange­hö­ri­gen der 6. (Stalingrad-)Armee den Kampf mit Zehn­tau­sen­den erst ein­stellte, als er von Stra­pa­zen, Krank­hei­ten und Erfrie­run­gen phy­sisch und psy­chisch aufs äußerste geschwächt war, ging schon auf Mär­schen und Trans­por­ten in die Lager zugrunde.
Mil­lio­nen Deut­sche zwi­schen Oder und Rhein began­nen sich im Mai 1945 ihr Leben in den Trüm­mern ihrer Städte ein­zu­rich­ten und das auf unab­seh­bare Zeit. Wei­tere Mil­lio­nen, sofern sie nicht schon vor den Kriegs­er­eig­nis­sen west­wärts geflo­hen waren, hat­ten ihre Wohn­orte zu ver­las­sen, weil Tsche­chen, Polen und Jugo­sla­wen, aber auch die einst ver­bün­de­ten Ungarn sie in ihren Lebens­räu­men nicht län­ger dul­den woll­ten und Deutsch­lands Ost­grenze gegen­über dem wie­der erstan­de­nen pol­ni­schen Nach­bar­staat ent­lang von Oder und Lau­sit­zer Neiße neu bestimmt wurde. Lange hielt sich unter die­sen Aus­ge­sie­del­ten und Ver­trie­be­nen, die sich in der Bun­des­re­pu­blik in Ver­bän­den zusam­men­schlos­sen, die Vor­stel­lung, sie könn­ten eines Tages in die Orte zurück­keh­ren, die sie unter die­sem oder jenem Zwang ver­las­sen hat­ten. Dazu trug bei, dass die Regie­rung in Bonn die Oder-Neiße-Grenze Jahr­zehnte lang nicht als die defi­ni­tive zwi­schen Deut­schen und Polen aner­kannte.“ [2]

Bür­ger­li­che Erinnerungspolitik

Die sog. Erin­ne­rungs­po­li­tik der unmit­tel­ba­ren Nach­kriegs­zeit oder der Umgang mit den Nazi-Ver­bre­chern in Ost- und West­deutsch­land kann hier nicht voll­stän­dig nach­ge­zeich­net wer­den, wobei jedoch fest­zu­hal­ten ist, dass die Ent­na­zi­fi­zie­rung und Demi­li­ta­ri­sie­rung in der sowje­ti­schen Besat­zungs­zone beson­ders gründ­lich erfolgt ist, wie es im Pots­da­mer Abkom­men der Anti-Hit­ler-Koali­tion im August 1945 auch fest­ge­hal­ten wurde.
Man gewinnt beim Lesen von Arti­keln in der bür­ger­li­chen Presse zum 80. Jah­res­tag der Befrei­ung den Ein­druck, dass der Tag wei­test­ge­hend vom Inhalt befreit wer­den soll. Es geht dort selbst­ver­ständ­lich nicht um die Frage, wie Krieg und Faschis­mus ver­hin­dert wer­den kann, denn das würde u.a. unwei­ger­lich die Sys­tem­frage stel­len. Statt­des­sen geht es darum, die DDR und ihr anti­fa­schis­ti­sches Erbe zu ver­un­glimp­fen, indem behaup­tet wird, die Men­schen im Gebiet der spä­te­ren DDR seien gar nicht befreit wor­den und der Anti­fa­schis­mus sei ja bloß „ver­ord­net“ gewe­sen. Das behaup­tet unter ande­rem der unsäg­li­che Huber­tus Knabe in sei­nem Gast­ar­ti­kel in der FAZ am 7. Mai. [3] Richard von Weiz­sä­cker hatte sich das in sei­ner bekann­ten Rede ‘85 noch nicht getraut. Beliebt in reak­tio­nä­ren Krei­sen ist heute auch die Legi­ti­mie­rung der ukrai­ni­schen Angriffe auf Russ­land, inklu­sive die Auf­rüs­tung und das Trai­ning bewaff­ne­ter Neo­na­zi­struk­tu­ren vor Ort durch NATO-Aus­bil­der im Namen des Tages der Befrei­ung. Per­ver­ser geht es kaum.


Der Kampf für den Frie­den ist auch 80 Jahre nach dem Sieg über den Deut­schen Faschis­mus not­wen­dig und der Impe­ria­lis­mus plant aktu­ell – wie­der – Russ­land und China mili­tä­risch anzu­grei­fen. Foto: DKP Köln

Wie ist es heute?

Seit 2020 wird der Tag auf Bun­des­ebene als „Tag der Befrei­ung vom Natio­nal­so­zia­lis­mus und der Been­di­gung des Zwei­ten Welt­kriegs in Europa“ bezeich­net, ein gesetz­li­cher Fei­er­tag ist er jedoch nach wie vor nicht. Unsere Par­tei setzt sich dafür ein. Ledig­lich im Stadt­staat Ber­lin ist der 8. Mai alle 5 Jahre ein gesetz­li­cher Fei­er­tag.
In ande­ren Län­dern ist der 8. oder 9. Mai ein Fei­er­tag, z.B. in Frank­reich („Tag des Sie­ges“, seit 1946/81), Tsche­chien („Tag der Befrei­ung“) und der Slo­wa­kei („Tag des Sie­ges“, frü­her 9. Mai), Ser­bien („Tag des Sie­ges“). Die Nie­der­lande fei­ert jähr­lich am 5. Mai ihren Befrei­ungs­tag, er ist jedoch nicht arbeits­frei. Öster­reich und Polen haben keine eige­nen Fei­er­tage anläss­lich des Kriegs­en­des oder dem Ende der Besat­zung (mehr).

Seit 1964 wird ver­sucht, den 9. Mai als sog. „Euro­pa­tag“ zu eta­blie­ren, da es der Jah­res­tag der Unter­zeich­nung des sog. Schu­man-Plans dar­stellte, einer Koope­ra­tion zwi­schen West­deutsch­land und Frank­reich für Kohle- und Stahl­pro­duk­tion, was ein Vor­läu­fer der Euro­päi­schen Union dar­stel­len soll. Luxem­burg (seit 2019) und der Kosovo fei­ern den 9. Mai als Euro­pa­tag. Seit 2023 hat die Ukraine den Tag des Sie­ges mit dem Euro­pa­tag ersetzt. Der Euro­pa­tag kann als bür­ger­li­cher Ver­such ver­stan­den wer­den, die Geschichte und Leh­ren des Zwei­ten Welt­kriegs und aus faschis­ti­scher Herr­schaft in Europa reak­tio­när umzudeuten.

Befrei­ung – Was sonst?!

Nicht alle Deut­schen wur­den damals befreit, viele wur­den auch besiegt. Und von den letz­te­ren schi­cken sich heute ein­fluss­rei­che Kräfte des deut­schen und west­li­chen Finanz­ka­pi­tals erneut an, ihre Aggres­sion wie­der gegen Russ­land und China zu rich­ten, was aus Sicht des Autors durch die dies­jäh­rige Aus­la­dung rus­si­scher Ver­tre­ter zu den offi­zi­el­len Geden­ken durch das Aus­wär­tige Amt noch­mal unter­stri­chen wird.
Es gab nicht den Wider­stand gegen den Faschis­mus. In jedem Land gab es unter­schied­li­che For­men. So gab es die Resis­tance in Frank­reich, die Par­ti­sa­nen in Jugo­sla­wien mit Tito, die Par­ti­sa­nen in Grie­chen­land und Polen, die Resis­tenza in Ita­lien sowie andere unzäh­lige zivile oder mili­tante For­men des Wider­stands von Män­nern und Frauen.
Allen Län­dern ist gemein­sam, dass die orga­ni­sierte Arbei­ter­klasse in Form von kom­mu­nis­ti­schen und sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­teien und Orga­ni­sa­tio­nen stets in den vor­ders­ten Rei­hen des Wider­stands gegen Krieg und Faschis­mus aktiv waren. Und in die­ser Tra­di­tion ste­hen wir. Wir müs­sen das Geden­ken, Erin­nern und Mah­nen des Zwei­ten Welt­kriegs ver­bin­den mit dem Fei­ern über das Kriegs­ende und den mili­tä­ri­schen und poli­ti­schen Tri­umph über den deut­schen und ita­lie­ni­schen Faschis­mus. Die Mehr­heit der Bevöl­ke­rung wurde objek­tiv durch die Alli­ier­ten von Krieg und Faschis­mus befreit, trotz teil­weise wider­spre­chen­dem sub­jek­ti­vem Emp­fin­den. Das bedeu­tet auch, dass wir den Ver­su­chen von Rechts, den Tag geschichts­re­vi­sio­nis­tisch umzu­deu­ten, ent­ge­gen­tre­ten müs­sen. Ins­be­son­dere in Zei­ten, in denen unwi­der­spro­chen und unver­hoh­len in bür­ger­li­chen Debat­ten die Geschichte zurück­ge­rollt wer­den soll, der 1. Welt­krieg von tau­meln­den Schlaf­wand­lern begon­nen wor­den sein soll, Putin mit Hit­ler ver­gli­chen wird oder die Kriegs­füh­rung der rus­si­schen Armee in der Ukraine als „Ver­nich­tungs­krieg“ bezeich­net wird. Es ist unsere Auf­gabe, dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Sowjet­union den größ­ten Bei­trag zur Befrei­ung leis­tete mit 18 Mil­lio­nen ermor­de­ten Zivi­lis­tin­nen und Zivi­lis­ten und 9 Mil­lio­nen toten Sol­da­ten. Der deut­sche bar­ba­ri­sche Ver­nich­tungs­feld­zug gegen die Sowjet­union, der am 22. Juni 1941 begann mit der sog. „Ope­ra­tion Bar­ba­rossa“ ist nicht zu ver­glei­chen mit der Art der Nazi­kriegs­füh­rung in West­eu­ropa. Es war die geno­zi­dale Absicht der groß­deut­schen Herr­schen­den im faschis­ti­schen Deutsch­land, min­des­tens 30–50 Mil­lio­nen Sowjet­bür­ger durch Hun­ger, Ter­ror und Erschie­ßun­gen zu ver­nich­ten [4].
Es darf auch nicht ver­ges­sen wer­den, dass im faschis­ti­schen Franco-Spa­nien der Faschis­mus an der Macht noch nicht erle­digt war. Auch Por­tu­gal befand sich im Mai 1945 fest in den Hän­den von reak­tio­nä­ren Kräf­ten. Der Dik­ta­tor Sala­zar, der seit 1933 als Minis­ter­prä­si­dent von Por­tu­gal einen stark repres­sive bür­ger­li­che Dik­ta­tur errich­tete, war glü­hen­der Bewun­de­rer von Mus­so­lini. Erst die Nel­ken­re­vo­lu­tion im April 1974 schaffte wie­der bes­sere Bedin­gun­gen für die Lage der arbei­ten­den Klas­sen in Portugal.

Ich möchte enden mit einem Zitat aus dem Vor­wort zu einem Buch über den anti­fa­schis­ti­schen Wider­stand in Europa von 1922–1945 des grie­chi­schen Wider­stands­kämp­fers Mano­lis Gle­zos, der u.a. die Haken­kreuz­flagge von der Akro­po­lis in Athen holte und damit zum Nach­den­ken anregen:

„Wer erin­nert sich heute noch an Wal­ter Funk? Die­ser Mann war der Finanz­mi­nis­ter für Hit­ler von Januar 1939 bis zum Ende am 8. Mai 1945. Die­ser Mann war der Erste der die Idee einer Euro­päi­schen Wirt­schafts­ge­mein­schaft ersann (so lau­tete auch der gleich­na­mige Titel sei­nes ein­schlä­gi­gen Berichts, der im Jahr 1942 ver­öf­fent­licht wurde ‚Die Euro­päi­sche Wirt­schafts­ge­mein­schaft‘), damit das Dritte Reich alleine die Res­sour­cen Euro­pas kon­trol­lie­ren konnte. Dann jedoch wurde der Nazis­mus mit der mili­tä­ri­schen Nie­der­lage kon­fron­tiert und Wal­ter Funk vor Gericht gestellt. In Nürn­berg wurde er als Kriegs­ver­bre­cher ver­ur­teilt. […] Heute ähnelt Europa weit mehr dem von Wal­ter Funk gedach­ten Europa.“ [5]

M auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung im Mai 2025 der DKP Gruppe Köln-Innenstadt

Anmer­kun­gen

[1]: Schwur von Buchen­wald, https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Schwurvonbuchenwald.gif
[2]: Kurt Pät­zold, Basis­wis­sen Zwei­ter Welt­krieg, Papy­Rossa Ver­lag, 2014, S. 99ff
[3]: Huber­tus Knabe „Besiegt – oder befreit?“, https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/8‑mai-1945-besiegt-oder-befreit-110455068.html, 7. Mai 2025
[4]: Vgl. „Gene­ral­plan Ost“ 1941/42 oder auch den sog. „Backe-Plan“ /“Hungerplan“ 1941 benannt nach dem nach dem Staats­se­kre­tär im Reichs­mi­nis­te­rium für Ernäh­rung und Land­wirt­schaft, Her­bert Backe
[5]: Zitiert aus dem Vor­wort von Mani­los Gle­zos am 13. Mai 2015 zum Buch „Anti­fa­schis­ti­scher Wider­stand in Europa 1922–1945“ von Ulrich Schnei­der und Jean Car­doen, Papy­Rossa Ver­lag, 2015


Refe­rat zum Jah­res­tag der Befrei­ung als PDF