Gemein­sam für Paläs­tina auf den Stra­ßen Kölns

Zum geno­zi­da­len Krieg Isra­els und der BRD in Palästina

Die jun­gen paläs­ti­nen­sisch-deut­schen Frauen fal­len auf, als Red­ne­rin­nen, immer wie­der. Durchs Mikro­phon, über die Laut­spre­cher­an­lage sind sie schon laut, aber mit­un­ter reden sie zusätz­lich noch mit so viel Nach­druck – über die Zeit­gleich­heit vom Geno­zid in Gaza und der ent­spann­ten Ein­kaufs­at­mo­sphäre der nahen Schil­der­gasse. Die Kund­ge­bung der Paläs­ti­nen­si­schen Gemeinde Köln auf dem Neu­markt am 16. März war dabei nur die letzte von eini­gen Demons­tra­tio­nen, auf denen ich seit dem Novem­ber letz­ten Jah­res war, wenn es meine Schicht­ar­beit zuließ.

Immer geht es den Kol­le­gin­nen darum, Gegen­öf­fent­lich­keit her­zu­stel­len. Und nie­mand kann da seine Emo­tio­nen davor las­sen, schon gar nicht, wenn Ange­hö­rige in Gaza leben oder durch den Krieg Isra­els ermor­det wur­den. Eine der Kol­le­gin­nen am Mikro­phon zählt an die­sem Sams­tag einige der Namen von Kin­dern auf, die von Isra­els Mili­tär straf­los erschos­sen wur­den – schon seit Jah­ren. Aber es geht auch darum, Iden­ti­tät öffent­lich zu machen, die seit Jahr­zehn­ten bes­ten­falls als nach­ran­gig zur israe­li­schen dar­ge­stellt wird. Zu sagen: ihr kommt an unse­rem Leben, unse­rer Kul­tur, unse­rer Per­spek­tive nicht vor­bei! Nichts ande­res hatte ich auch auf der Nakba Ver­an­stal­tung auf dem Heu­markt vor 3 Jah­ren (2021) erlebt: es war ein Fest paläs­ti­nen­si­scher Iden­ti­tät. Dort wurde auch gesun­gen und getanzt, dabei die Fahne Paläs­ti­nas geschwenkt; es gibt uns, wir sind nicht nie­mand, wir sind wer und ihr könnt uns nicht hin­dern! (1)

Gegen­öf­fent­lich­keit her­stel­len: das ist in Deutsch­land beson­ders schwie­rig. Nicht nur auf­grund des engen, seit dem Ukraine-Krieg sich noch wei­ter ver­en­gen­den zuläs­si­gen Mei­nungs­ka­nals, son­dern zusätz­lich erschwert hier begin­nend mit dem Tausch­ge­schäf­tes, das die noch junge Bun­des­re­pu­blik und der neue Staat Israel ab 1948 voll­zo­gen. Beide Staa­ten brauch­ten sich gegen­sei­tig, so para­dox das ange­sichts des Geno­zids der Deut­schen an den euro­päi­schen Juden ist. Die BRD brauchte ein bil­li­ges Ticket für ihrer inter­na­tio­nale Reha­bi­li­ta­tion und das auf ganz unsi­che­ren Füßen ste­hende Israel mas­sive Finanz‑, Wirt­schafts- und mili­tä­ri­sche Mit­tel, um sich zu sta­bi­li­sie­ren. Die­ses bil­lige Ticket der soge­nann­ten „Wie­der­gut­ma­chung“ ermög­lichte erst die gefahr­lose Inte­gra­tion der Nazis in Staat und Gesell­schaft der BRD der fünf­zi­ger Jahre. (2) (3) Schließ­lich wurde dar­aus Jahr­zehnte spä­ter die Maxime der Staats­rä­son in bezug auf Israel. Das nun aber dann auch im Inne­ren, Grund­rechte und die Mei­nungs­frei­heit ein­gren­zend. (4) Flan­kiert wird das immer durch die Ver­pflich­tung der Bun­des­re­gie­rung auf die Anti­se­mi­tis­mus-Defin­tion der IHRA, die zusätz­lich noch aus­ge­wei­tet wurde. (5)

Die spielt natür­lich auch aktu­ell in Köln eine Rolle. (6)

So sub­su­miert z.B. der KSTA vom 09.01.24 unter Anti­se­mi­tis­mus die Erfah­rung einer „jüdi­schen Stu­den­tin“ in Köln, die ihren Platz in einer WG räu­men musste, weil eine dort auch woh­nende paläs­ti­nen­si­sche Stu­den­tin „mit nie­man­dem eine Woh­nung tei­len könne, der pro­is­rae­lisch ist“. (7) Natür­lich muss eine sol­che Äus­se­rung nicht „per se“ (8) anti­se­mi­tisch sein – und wir alle soll­ten doch sehr auf­pas­sen, dass auch lokal hier in Köln keine Debat­ten­räume noch wei­ter ver­engt werden.

Doch zurück zu den Demons­tra­tio­nen paläs­ti­nen­sisch-deut­scher Kol­le­gIn­nen hier in Köln, da war doch über die Monate eine Ver­än­de­rung fest­stell­bar. War es noch im Novem­ber auf Demos ver­bo­ten, Israel einen Geno­zid in Gaza vor­zu­wer­fen, so änderte sich das dann im spä­ten Dezem­ber. Ich erin­nere mich noch gut an eine Demons­tra­tion von „Paläs­tina Soli Köln“ im Novem­ber, an die Hilf­lo­sig­keit, Trauer, Ohn­macht, den Zorn, den man den Plak­ta­ten und den Reden ent­neh­men konnte. Das Gefühl des Iso­liert­sein gegen­über einer alle Werte negie­ren­den, zum mas­sen­haf­ten töten berei­ten Staats­rä­son als Reak­tion auf das geno­zi­dale Pro­grom der Hamas. (9) Ein Pla­kat einer jun­gen Schü­le­rin brachte damals den Irr­sinn sehr schön zum Aus­druck: „Wenn ein Atten­tä­ter sich in einem Klas­sen­zim­mer ver­steckt, bom­bar­diert man dann die gesamte Schule?“ . (10) Bei man­chen Din­gen ist es eben ein­fach, einen mora­li­schen Kom­pass zu haben – nicht so die Bun­des­re­gie­rung (11).

Im Dezem­ber dann wurde man nicht mehr von der Poli­zei dies­be­züg­lich bedrängt.

Das Ent­set­zen wurde dann aller­dings all­ge­mei­ner, und gerade die Kla­gen Süd­afri­kas und Nica­ra­guas vor dem IGH brin­gen die Wider­sprü­che zwi­schen Staats­rä­son und dem Völ­ker­recht so rich­tig zum Tanzen.

Den­noch sind wir auf den Demos in Köln einige hun­dert Teil­neh­mende – im Gegen­satz zu den Hun­dert­tau­sen­den in Lon­don, New York oder etwa in Amman.

Aber genau: da wirkt auch wie­der der enge Mei­nungs­kor­ri­dor. Schon BBC und CNN neh­men viel eher schon mal die paläs­ti­nen­si­che Per­spek­tive ein; die Sen­der kann man auch nur schwer­lich ver­bie­ten. Al Jaze­era dage­gen ist im Kabel­netz von Net­co­lo­gne schon seit dem Ukraine-Krieg ver­schwun­den. Die Bil­der dort, die Videos – sie sind auch mas­siv trau­ma­ti­sie­rend. Shir Hever vom Bünd­nis für Gerech­tig­keit zwi­schen Israe­lis und Paläs­ti­nen­ser e.V. (BIP e.V.) rät denn auch jedem ab, sie sich anzu­schauen. (12) Bil­der und die zuge­hö­ri­gen Repor­ta­gen mobi­li­sie­ren aber, wes­halb sie ja auch nicht statt­fin­den dürfen.

Noch sind wir mit­ten im Krieg und Biden („geno­cide Joe“) wie Baer­bock („ich komme eher aus dem Völ­ker­recht“) und ihre geno­zi­da­len Kum­pels im Jeru­sa­le­mer Kabi­nett kön­nen mit der Offen­sive in Rafah noch einen drauflegen.

Ilan Pappe aber, jüdisch-israe­li­scher His­to­ri­ker, sieht die­sen Krieg als den Beginn vom Ende der Sied­ler­ko­lo­nie Israel, denn ihre Exis­tenz beruhe auf 3 Säu­len, die ins Wan­ken gera­ten seien. Da sei zum einen die Unter­stüt­zung durch die USA, dies könne sich ändern – und in der Tat erle­ben wir den Nie­der­gang der Uni­po­la­ri­tät, der Hege­mo­nie der USA und den Über­gang zur Mul­ti­po­la­ri­tät. Zum ande­ren gäbe es in der Sied­ler­ko­lo­nie kei­nen sozia­len Zusam­men­halt mehr, die Einig­keit im Moment des Gaza-Krie­ges täu­sche über den Zer­fall der Gesell­schaft. Vor­al­lem aber sei die Legi­ti­mi­tät der Sied­ler­ko­lo­nie ins Wan­ken gera­ten. Zwar erfreue sich Israel der Unter­stüt­zung durch die west­li­che Regie­run­gen im glo­ba­len Nor­den, aber es habe die Unter­stüt­zung (nicht nur) der west­li­chen Gesell­schaf­ten ver­lo­ren. Glo­bal gehen Mil­lio­nen für ein freies Paläs­tina, indem unsere jüdi­schen Kolleg:innen gleich­be­rech­tigt mit der indi­ge­nen Bevöl­ke­rung zusam­men leben kön­nen, mit­tels wel­cher Zwi­schen­schritte auch immer, auf die Straße. Auch in der BRD sind nach Umfra­gen ~70% der Bevöl­ke­rung gegen das israe­li­sche Vor­ge­hen in Gaza. (13) Vor­al­lem aber ver­liert Israel in die­sem Krieg die jun­gen Leute, die sich erst­mals mit der Ideo­lo­gie des Zio­nis­mus aus­ein­an­der­set­zen, und Israel mit den Begrif­fen wie z.B. dem der Sied­ler­ko­lo­nie und Apart­heid und der For­de­rung nach Deko­lo­ni­sie­rung poli­tisch ein­ord­nen. Dar­über­hin­aus ver­liert Israel auch die jüdi­schen Com­mu­ni­ties. Etwa 40% unse­rer jüdi­schen Kolleg:innen in den USA sol­len keine Zio­nis­ten mehr sein.

Israel sei in der Folge, so Ilan Pappe, wahr­schein­lich das ein­zige Land welt­weit, dass für seine mora­li­sche Legi­ti­ma­tion und Exis­tenz­be­rech­ti­gung kämp­fen müsse. Der Nie­der­gang Isra­els könne sich noch über Jahr­zehnte hin­zie­hen, so Pappe, und des­halb sei dies die gefähr­lichste, gewalt­tä­tigste und skru­pel­lo­seste Zeit des „Regimes“. Rück­bli­ckend würde man spä­ter sagen, dies sei die dun­kelste Zeit Paläs­ti­nas gewe­sen. Aber es sei die Dun­kel­heit vor dem Anbruch des Mor­gens. (14)

Dass Ver­än­de­run­gen in Israel dabei aber nur von außen kom­men kön­nen, legt auch die His­to­ri­ke­rin Tamar Amar-Dahl nahe mit ihrer Aus­ein­an­der­set­zung über den Link­szio­nis­mus. Lag in den 90iger Jah­ren bei vie­len auch Lin­ken noch Hoff­nung auf der zio­nis­ti­schen Lin­ken in Israel (Oslo-Frie­dens­pro­zess), so zeigt sie schlüs­sig und ein­drucks­voll auf, dass auch der linke Zio­nis­mus in Israel nie Inter­esse an einer Zwei­staa­ten- und damit an einer damals so favo­ri­sier­ten Frie­dens­lö­sung hatte. (15) Eine inter­na­tio­nale Pro­test­be­we­gung stellt denn nun zuneh­mend auf immer brei­te­rer Basis den Zio­nis­mus und seine Mythen an sich zur Disposition.

Wer an den Demons­tra­tio­nen in Köln teil­neh­men will, wird über Ter­mine auf der Face­book­seite der Paläs­ti­nen­si­schen Gemeinde Köln fün­dig, ebenso wie bei Insta­gram und dort auch über die Demo­ter­mine der Paläs­tina Soli Köln.

Ich sel­ber jeden­falls habe nie­mals in Köln Demons­tra­tio­nen und Kund­ge­bun­gen erlebt, auf denen die Redner:innen so emo­tio­nal waren, wie sollte es auch anders sein ange­sichts der Bil­der aus Gaza. Die Paro­len kamen dann auf den Demo­rou­ten von allen Sei­ten; keine zen­trale Demo­lei­tung gab da Vor­ga­ben. „Stoppt den Krieg!“ und „Free, free Pal­es­tine!“ – und das in einer ohren­be­täu­ben­den Laut­stärke. So sind wir dann über Stun­den im Dezem­ber in der Kälte, zuneh­men­der Dun­kel­heit und ich zuneh­mend bib­bernd, im Regen unsere Demo-Route entlanggestapft.

Auf die­ser Demo sprach auch ein paläs­ti­nen­si­scher Stu­dent über seine Erfah­rung in Paläs­tina, dar­über z.B., dass er in Deutsch­land gerne mit sei­nem Renn­rad fährt; das sei in der West­bank nicht mög­lich. Immer wie­der würde man durch israe­li­sche Check­points auf­ge­hal­ten, durch­sucht und kon­trol­liert, und an sich kurze Tou­ren mit dem bike könn­ten sich so über Stun­den hin­zie­hen. Ihm gegen­über ein meter­lan­ges und meter­brei­tes Trans­pa­rent mit den klein­ge­schrie­be­nen Namen vie­ler der bis dahin getö­te­ten Kin­der in Gaza.

Der Wahn­sinn muss sofort auf­hö­ren und hätte nie begin­nen dürfen.

Jeka­ta­rina Beli­lowa Köln, den 08. April 2024
Mit­glied in der DKP Köln

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Fotos von ver­schie­de­nen Aktionen:

Neu­markt 16 März 2024 Paläs­ti­nen­si­che Gemeinde Köln

Nakba 15 Mai 2021 Heumarkt

Hans Böck­ler Platz 18 Januar 2024 Gewerk­schaf­ter und Paläs­ti­nen­si­sche Gemeinde Köln

Demo am 19. Novem­ber 2023 Pal­es­ti­ni­ans and Jews for Peace

Demo 12 Novem­ber 2023 Paläs­tina Soli Köln

Bahn­hofs­vor­platz und Demo 23 Dezem­ber. 2023 Paläs­ti­nen­si­sche Gemeinde Köln

 


Anmer­kun­gen:

(1) Die Tabui­sie­rung paläs­ti­nen­si­scher Gewalt­er­fah­run­gen durch israe­li­schen Sied­ler­ko­lo­nia­lis­mus und Apart­heid in ihren Aus­wir­kun­gen in Deutsch­land beschreibt sehr ein­drucks­voll die Wis­sen­schaft­le­rin Sarah El Bul­beisi als sys­te­ma­ti­sche Gewalt, lesens­wert, siehe hier: https://taz.de/Palaestinenserinnen-in-Deutschland/!5972938/ und hier: https://geschichtedergegenwart.ch/ueber-den-schmerz-des-verschweigens-palaestinenserinnen-in-deutschland-und-in-der-schweiz

„Für Palästinenser:innen im Exil hielt die Gewalt unge­ach­tet ihrer sozio-öko­no­mi­schen Situa­tion selbst nach ihrer Ver­trei­bung an, weil die kolo­niale Erfah­rung im his­to­ri­schen Paläs­tina – die Zer­stö­rung der paläs­ti­nen­si­schen Gesell­schaft und Iden­ti­tät – auf einer sym­bo­li­schen Ebene fort­ge­setzt und wie­der­holt wurde, und zwar durch die Tabui­sie­rung und Recht­fer­ti­gung ihrer Gewalt­er­fah­rung. Tabu und Trauma sind im paläs­ti­nen­si­schen Dia­spora-Kon­text eng mit­ein­an­der ver­knüpft. Einer­seits ist das paläs­ti­nen­si­sche Trauma ein gesell­schaft­li­ches Tabu, ande­rer­seits wirkt die­ses Tabu retrau­ma­ti­sie­rend und wird dadurch zu einem essen­zi­el­len Teil des Trau­mas selbst. … Palästinenser:innen wer­den zu Men­schen, die ver­dien­ter­ma­ßen Gewalt erlei­den. … Die Bedeu­tungs­lo­sig­keit, die ihnen bei­gemes­sen wurde, resul­tierte in die Angst vor Sicht­bar­keit … Viele Akteure – sowohl der ers­ten wie auch der zwei­ten Gene­ra­tion – began­nen, ihre Iden­ti­tät im öffent­li­chen Raum zu ver­nei­nen, um den Schmerz zu ver­mei­den, nega­tiv stig­ma­ti­siert zu wer­den anstatt als Mensch gese­hen zu wer­den und als sol­cher Aner­ken­nung zu erfahren.“

Das änderte sich im Jahr 2014:

„Das Jahr 2014 bil­dete für Ange­hö­rige der zwei­ten Gene­ra­tion eine Zäsur. Gleich­zei­tig mit der israe­li­schen Mili­tär­of­fen­sive in Gaza inten­si­vierte sich auch die Tabui­sie­rung des Paläs­ti­nen­sisch-Seins Deutsch­land und der Schweiz. Viele Palästinenser:innen kamen des­halb zum Schluss, dass Sicht­bar­keit ein not­wen­di­ger Akt des Wider­stands sei. Die Unter­drü­ckung der paläs­ti­nen­si­schen Iden­ti­tät nach außen hin ersetz­ten sie nun durch ein sicht­ba­res Paläs­ti­nen­sisch-Sein. Sie bra­chen mit der Selbst­ver­nei­nung, die ihnen oft auch von den Eltern auf­ge­tra­gen wor­den war. Sie ersetz­ten deren Schuld und Scham durch Hand­lungs­macht und über­wan­den die Angst vor Sicht­bar­keit und poli­ti­schem Akti­vis­mus. Sie ver­netz­ten sich und ent­deck­ten die Wut, die ihren Eltern ver­wehrt blieb.“

(2) https://www.rosalux.de/news/id/51786/israel-und-die-deutsche-staatsraeson

https://taz.de/Buch-ueber-deutsch-israelische-Beziehung/!5998021

Der Umgang mit Anti­se­mi­tis­mus ist bis heute ledig­lich instru­men­tell: kein Wort, nir­gends, taucht in den Main­stream-Medien über den staat­lich geför­der­ten Anti­se­mi­tis­mus in der Ukraine und deren Faschi­sie­rung auf. Auch staat­li­cher­seits übt man sich in Unkenntnis.

https://www.jungewelt.de/artikel/460156.ukraine-keine-eigenen-erkenntnisse.html

Und wäh­rend auch die Jüdi­sche All­ge­meine ratz-fatz schnell dabei ist, Kri­tik an der Poli­tik Isra­els im Krieg gegen Gaza als anti­se­mi­tisch zu dekla­rie­ren, wie z.B. gegen­über Kaya Yanar, ist sie erstaun­lich nach­sich­tig gegen­über der Geschichts­re­vi­sion in der Ukraine. So ist für die JA (und damit wohl auch für den Zen­tral­rat) die Ver­eh­rung von Ban­dera und Schu­che­wytsch ledig­lich unre­flek­tiert. So, als seien da geis­tig Min­der­be­mit­telte am Werk, die nicht den­ken kön­nen. https://www.juedische-allgemeine.de/juedische-welt/nationalhelden-und-nazi-kollaborateure/?q=Roman%20Schuchewytsc

Dop­pelte Stan­dards und Heu­che­lei mit dem Anti­se­mi­tis­mus-Vor­wurf, ja Dämo­ni­sie­rung auf der einen, und Ver­harm­lo­sung auf der ande­ren Seite, sind auch bei der Jüdi­schen All­ge­mei­nen atemberaubend.

Arno Klars­feld, der Sohn von Beate Klars­feld, drückt sich dage­gen klar über die Ver­hält­nisse in der Ukraine aus, wenn er sagt, er möchte „keine Nazis in die EU“. https://www.emma.de/artikel/keine-nazis-die-eu-340529

(3) Mit Ent­set­zen kann nur ver­harm­lo­send aus­drückt wer­den, dass Hans Globke unter Ade­nauer Chef des Bun­des­kanz­ler­am­tes wer­den konnte. Globke schrieb als Minis­te­ri­al­rat im Reichs­in­nen­mi­nis­te­rium nicht irgend­ei­nen Kom­men­tar zu den Nürn­ber­ger Ras­se­ge­set­zen – wie so viele Juris­ten, Medi­zi­ner, Jour­na­lis­ten oder Wis­sen­schaft­ler kar­rie­re­för­dernde anti­se­mi­ti­sche Texte schrie­ben, wider­lich genug. Globke schrieb dage­gen DEN Kom­men­tar zu den Ras­se­ge­set­zen des 3.ten Reichs, der hand­lungs­lei­tend für die SS war, ob sich jemand auf der Rampe von Aus­schwitz wie­der­fand oder nicht.

Seit 2006 waren die vor­mals nicht auf­find­ba­ren Noti­zen Adolf Eich­manns aus dem Pro­zess 1961 wie­der zugäng­lich, die die Bedeu­tung Glob­kes für die Nazis herausstellten:

„Mit ihnen aber hat die Welt die neben und über Eich­mann welt­his­to­ri­sche Rolle Hans Glob­kes nun schwarz auf weiß. Eich­mann betont auf 40 Sei­ten mehr­fach seine ’Befehl­s­ab­hän­gig­keit’ von den Ver­ord­nun­gen des Innen­mi­nis­te­ri­ums, er for­dert die Vor­la­dung Glob­kes, der das alles als der Ver­ant­wort­li­che zu sei­ner, Eich­manns, Ent­las­tung bestä­ti­gen könne. ’Die Depor­ta­ti­ons­dienst­stel­len’, krit­zelte Eich­mann auf den Block, ’brauch­ten in die Kom­men­tare (zu den Nürn­ber­ger Geset­zen, St. S.) ja nur Ein­blick zu neh­men, um zu wis­sen, ob die Per­son zu dem vom Innen­mi­nis­te­rium fest­ge­stell­ten Per­so­nen­kreis gehörte oder nicht’. Globke, das ist seit­dem gesi­chert, war der Herr über Leben und Tod der Juden. Eich­manns Schluss­fol­ge­rung über sei­nen ehe­ma­li­gen unmit­tel­ba­ren Vor­ge­setz­ten trifft ins Braune: ’Hier Staats­se­kre­tär einer Regie­rung – da zum Tode verurteilt!’

https://www.jungewelt.de/artikel/464628.deutsch-israelische-beziehungen-seelische-bereinigung.html

Ade­nauer wie auch Ben Gurion und Allen Dul­les (CIA) sorg­ten dann dafür, dass der Name Globke kein ein­zi­ges mal im Jeru­sa­le­mer Pro­zess gegen Eich­mann fiel.

(4) https://geschichtedergegenwart.ch/staatsraeson-zum-gebrauch-des-begriffs-nach-dem-7-oktober/print/

(5) https://holocaustremembrance.com/resources/arbeitsdefinition-antisemitismus

https://www.antisemitismusbeauftragter.de/Webs/BAS/DE/bekaempfung-antisemitismus/ihra-definition/ihra-definition-node.html

Die Arbeits­de­fi­ni­tion zum Anti­se­mi­tis­mus der Inter­na­tio­na­len Alli­anz zum Holo­caust­ge­den­ken und ihre zuneh­mende Ver­recht­li­chung war von Anfang an umstritten:

https://taz.de/Experte-ueber-Antisemitismusdefinitionen/!5635028
https://www.rosalux.de/publikation/id/41168/gutachten-zur-arbeitsdefinition-antisemitismus-der-ihra

Dem gegen­über die Jeru­sa­le­mer Erklä­rung zum Antisemitismus.

https://www.dkp-koeln.de/wp-content/uploads/2024/04/JDA-deutsch-final.ok_-b09.pdf

Die Unklar­heit der IHRA-Defi­ni­tion macht sie belie­big ein­setz­bar; und von der Belie­big­keit wird aus­rei­chend Gebrauch gemacht, siehe (6) und (7):

(6) https://www.ksta.de/koeln/koeln-juedin-muss-wg-in-koeln-verlassen-713503 Der Stadt­an­zei­ger sug­ge­riert, dass die Äuße­rung an sich anti­se­mi­tisch ist, was natür­lich der typisch deut­sche Blöd­sinn ist.

(7) So wird zum Bei­spiel dem Köl­ner Bünd­nis Pal­es­ti­ni­ans and Jews for Peace und der AG Arsch Hu vom Bünd­nis gegen Anti­sem­ti­si­mus Köln Anti­se­mi­tis­mus vor­ge­wor­fen: „Sie füh­ren diverse Bei­spiele an, die in ihren Augen die Behaup­tung bele­gen, PJfP sei nicht nur naiv, son­dern es gäbe sogar ‚vor­wie­gend israelbezogene[n] Anti­se­mi­tis­mus, der dabei mal mehr, mal weni­ger sub­til bei PJfP durch­scheint‘. … Das BgA wirft uns pau­schal vor, israel­be­zo­ge­nen Anti­se­mi­tis­mus zu repro­du­zie­ren, indem wir die israe­li­sche Regie­rung und Armee kri­ti­sie­ren. Es ist jedoch gerade anti­se­mi­tisch, den israe­li­schen Staat, seine Regie­rung und seine Armee mit Jüdinnen:Juden gleich­zu­set­zen.“ https://palestiniansandjewsforpeace.wordpress.com/2023/12/31/einseitigkeit-und-verfalschung/ siehe auch: https://bga-koeln.tumblr.com/post/736789478006489088/%C3%A4quidistanz-und-naivit%C3%A4t)

(8) https://www.dkp-koeln.de/wp-content/uploads/2024/04/JDA-deutsch-final.ok_-b09.pdf

(9) https://www.akweb.de/politik/hamas-fanon-streit-um-dekolonisierung-was-ist-befreiung/

(10) siehe Photos

(11) Baer­bock und Co, sich posi­tiv auf den Zio­nis­mus und eine irgend­wie dahin­ge­schwur­belte Staats­rä­son bezie­hend, tun damit aber auch dann so, als gäbe es keine Alter­na­ti­ven zum natio­nal­re­li­giös-faschis­ti­schen Kabi­nett aus Israel selbst. Für Jair Golan z.B. von der Meretz-Par­tei in Israel geht es vor­al­lem um den Zusam­men­halt der Gesell­schaft – des­halb müss­ten prio­ri­tär die Gei­seln der Hamas zurück nach Israel, dass schließe zunächst ein­mal Krieg aus. https://www.tagesspiegel.de/internationales/israelischer-ex-general-jair-golan-im-gesprach-wenn-man-alle-geiseln-befreien-will-muss-man-mit-der-hamas-verhandeln-11188444.html

Und für die israe­li­sche His­to­ri­ke­rin Oz-Salz­ber­ger hätte die Bevöl­ke­rung Gazas vor dem Krieg auch nach Israel eva­ku­iert wer­den müs­sen. https://www.spiegel.de/ausland/deutschland-und-der-israel-gaza-krieg-treten-sie-der-regierung-netanyahu-in-den-arsch-a-eb8e7574-1831–4d03-a86d-12126028fcb9

(12) https://www.youtube.com/watch?v=EyWqXvUOPhc

(13) https://www.rnd.de/politik/umfrage-fast-70-prozent-kritisieren-israels-vorgehen-in-gaza-35LLW7QGZRMBXBBD7QTWWFWSMQ.html

(14) https://www.youtube.com/watch?v=L‑YLROxeHA0, https://www.youtube.com/watch?v=cB2_wgUd8Os

(15) https://www.nachdenkseiten.de/?p=111065