»Umfair­tei­len« mit einer Demons­tra­tion gefordert

Kabarettistisch zugespitzte Transparente »der Reichen«: »Armut besteuern!«, »Für uns reicht's – für Euch nicht!«, »Meins bleibt Meins! Reichtum wie er singt und lacht«.

Köln: Mir stonn zesamme gegen Sozi­al­ab­bau in unse­rer Stadt

Rund um die Eigel­stein­tor­burg schle­cken die Müßig­gän­ger ihr unver­dien­tes Eis, schlür­fen Milch­kaf­fee, schwade und recken das Gesicht in die Früh­lings­sonne. Im Schat­ten des ehr­wür­di­gen Gemäu­ers (außen weist es eine Steck­dose auf) berei­tet die Köl­ner Abtei­lung von „umFAIR­tei­len“ ihre Kund­ge­bung vor: Ein Pavil­lon ersteht, Info­stände, die Musik­an­lage und Laut­spre­cher wer­den installiert.

Preu­ßi­sche Trau­er­mär­sche und Fla­gel­lan­ten­auf­züge wie in Nocera Teci­nese sind in Köln eher sel­ten. Indes­sen kön­nen sich gesel­lige Ereig­nisse außer­halb der Ses­sion nur schwer dem opti­schen und rhyth­mi­schen Ein­fluss des Kar­ne­vals entziehen.

So ist um 12.00 Uhr Schluss mit der Beschau­lich­keit. Zunächst redet einer von den Kür­zungs­maß­nah­men, die der Finanz­aus­schuss der Stadt zum Beschluss emp­fiehlt. Der hat ges­tern getagt. Viel­fäl­tige Pro­teste waren in den ver­gan­ge­nen Wochen laut gewor­den. Jetzt sind die Kür­zun­gen etwas abge­mil­dert, aber immer noch ver­hee­rend. Ganz­tag, Senio­ren­be­treu­ung, Jugend­ar­beit, Ein­schu­lungs­hil­fen, Schwim­men für Ver­eine, Bür­ger­zen­tren – alle sol­len für die Ban­ken­ret­tungs­schirme auf­kom­men. Das wird gleich dar­auf in musi­ka­li­scher Form gegei­ßelt. Hardy Schus­ter und seine Occu­pyer sin­gen es aus dem Halse. Rita Lü macht klar, daß das Umver­tei­len die Rich­tung ändern muß. Das Geld ist da. Es muß von den Rei­chen genom­men wer­den, dann wird es an nichts feh­len. Any­way mit Franco und Nici, die Rap­per Can und Hakan sind dabei. Elena Becker vom Köl­ner Jugend­ring spricht. Die Papp­na­sen Rot­schwarz sin­gen von grie­chi­scher Pein statt von „grie­chi­schem Wein“. Ein ande­res Lied: „Wir wolln das behalten/wir ham Euer Geld/ Wir ham Eure Pinke-Pin­ke/Uns gehört die Welt.“ Der Umfair­tei­len-Song muß wie­der­holt wer­den. Chris­tian Bech­mann, Büh­nen­kö­bes von Escht Kaba­rett, Spre­cher der Köl­ner Elf, dem Zusam­men­schluss der Bür­ger­zen­tren, erhei­tert sein Publi­kum, indem er absei­tige Ver­säum­nisse der Stadt­ver­wal­tung auf­spießt. Ein Pla­kat von „Arsch huh“ mahnt: „Leev Poli­ti­ker: Jetz Ävver opjepass! Fin­ger weg von Kin­der- und Jugend­ein­rich­tun­gen, Bür­ger­zen­tren, inter­kul­tu­rel­len Pro­jek­ten und Sozi­al­pro­gram­men. Mir stonn zesamme gegen Sozi­al­ab­bau in unse­rer Stadt.“